| FAQs zu Muslimen & Islam |
Frequently Asked Questions (FAQ)
Woran glauben Muslime? Was ist die Scharia? Was sagt der Islam zum Kopftuch? Hier bieten wir fortan regelmäßig Antworten auf oft gestellte Fragen.
Eine didaktische Einführung sowie ein Quiz mit Multiple Choice Fragen helfen Ihnen dabei, das Wissen ihrer Schüler zu testen.
Ihr 1001-idee Team
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1. Wer ist ein Muslim?
Wer Muslim ist, wird, wie z.B. auch bei Juden, Buddhisten oder Roma, in erster Linie durch Abstammung bestimmt: Ein Muslim wird als Muslim geboren. Möglich ist auch die Konversion. Wie der Einzelne sich mit dieser Identität identifiziert, steht auf einem anderen Blatt. Viele Muslime verstehen ihr Muslim-Sein als eine Mischung aus ethnischen, kulturellen und religiösen Komponenten. Im Laufe der letzten 1400 Jahre hat sich eine große Vielfalt an religiösen und kulturellen Traditionen herausgebildet, in der regionale und nationale Aspekte eine jeweils unterschiedliche Gewichtung erhalten haben. Für die öffentliche Wahrnehmung von Muslimen in Westeuropa ist ihre religiöse Praxis noch immer ausschlaggebend. Für den Einzelnen ist die religiöse Praxis jedoch längst nicht immer das Relevanteste für die Frage, ob und warum man sich als Muslim fühlt. Oft spielen dabei auch soziale, kulturelle oder ethnische Zugehörigkeitsgefühle eine Rolle.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Neue Medien und religiöse Beratung“
Unterrichtsmodul „Entfremdung und Radikalisierung"
Unterrichtsmodul „HipHop in Senegal"
2. Woran glauben Muslime?
Innerhalb des Islam haben sich ebenso wie auch in anderen Religionen über die Jahrhunderte hinweg und in den verschiedenen Regionen der Welt viele verschieden Glaubensrichtungen und Traditionen herausgebildet. Grundlegende verbindende Elemente dieser unterschiedlichen Strömungen sind der Glaube an einen einzigen Gott (Allah) und an dessen Offenbarung durch einen Propheten (Mohammed), sowie daran, dass diese Offenbarung in einem Buch (dem Koran) niedergelegt ist. Darüber hinaus reichende Glaubensgrundsätze waren schon in der Frühzeit des Islam umstritten und bilden bis heute zentrale Fragen der islamischen Theologie. Die beiden Begriffe „Islam“ und „Muslim“ leiten sich übrigens vom arabischen Verb aslama („sich ergeben, sich hingeben“) ab. Islam heißt damit wörtlich „das Sich-Ergeben“; ein Muslim ist „der sich [Gott] Ergebende“.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Koran“
Unterrichtsmodul „Mohammed“

- Ausschnitt aus dem berühmten Blauen Koran, einem der aufwendigsten Koranmanuskripte der Welt, Nordafrika, 9.-10. Jh. Quelle: Agha Khan Trust for Culture
3. Was ist der Koran?
Der Koran (arabisch: qur’an, „das Rezitierte“) ist die heilige Offenbarungsschrift der Muslime. Er besteht aus 114 Suren und ist zum Zweck der Koranrezitation in 30 etwa gleich lange Abschnitte unterteilt. Der Wortlaut des Koran besteht aus den Offenbarungen, die der Prophet Mohammed nach der islamischen Überlieferung zwischen 610 und 632 in Mekka und Medina empfangen hat. Für Muslime enthält der Koran Gottes unmittelbares Wort. Die einzelnen, Stück um Stück mitgeteilten Offenbarungen wurden mündlich überliefert und in Teilen auch von Gelehrten auf Knochen, Palmrispen, Häuten u.a. schriftlich festgehalten. Erst nachdem der Prophet gestorben war, wurden die mündlichen und schriftlichen Zeugnisse gesammelt, der Länge nach geordnet und systematisch niedergeschrieben.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Koran“
4. Wer war Mohammed?
Mohammed ist der Prophet des Islam. Für viele Muslime ist er bis heute Vorbild im alltäglichen und rituellen Handeln. Mohammed wurde um 570 in Mekka geboren, einer Stadt im heutigen Saudi-Arabien. Mit ca. 40 Jahren empfing er zum ersten Mal eine göttliche Offenbarung. Wenig später begann er öffentlich zu predigen. Da die meisten Mekkaner seinen Predigten zunächst keinen Glauben schenkten und sich ihm zunehmend entgegenstellten, wanderte er 622 mit einer kleinen Gruppe von Anhängern nach Medina aus. Dort leitete er die erste muslimische Gemeinde nach den Regeln der Offenbarung. Nach und nach gelang es ihm, den größten Teil der Stämme der arabischen Halbinsel von der neuen Religion des Islam zu überzeugen. 632 starb er in Medina. Die Offenbarungen wurden erst nach seinem Tod gesammelt, geordnet und aufgeschrieben (vgl. Koran).
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Mohammed“
5. Was ist die Scharia?
Scharia ist das arabische Wort für „Gesetz" und hatte ursprünglich die Bedeutung „Tränke" oder "gebahnter Pfad, der zur Tränke führt". Sie umfasst im Verständnis der Muslime alle Willensäußerungen Gottes, die das Verhältnis des Menschen zu Gott und zu den Mitmenschen regeln. Willensäußerungen Gottes sind im Koran und der Sunna (den Reden und Handeln des Propheten Mohammed) zu finden. Reichen diese bei neu auftretenden Fragen und Problemen als rechtliche Grundlage nicht aus, so können Rechtsgelehrte zusätzlich folgende zwei Methoden der Rechtsfindung anwenden: Sie können erstens den Konsens aller Rechtsgelehrten einfordern, was in der heutigen Zeit kaum noch möglich ist; und zweitens einen Analogieschluss bilden, d.h. eine Regel aus Koran oder Sunna auf einen neuen Sachverhalt übertragen. Somit ist die Scharia kein ausformuliertes Gesetzbuch, sondern eine Methode der permanenten Interpretation und Erweiterung göttlichen Rechts. Zum Zweck dieser Interpretation haben sich im Islam fünf Rechtsschulen herausgebildet, die jeweils abweichende Interpretationstraditionen pflegen.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Islamisches Recht“
6. Was ist „halal“ und „haram“?
„halal“ bedeutet im Arabischen „rein“ oder „erlaubt" und steht im Gegensatz zu „haram“ („unrein“, „verboten"). Das Begriffspaar bildet die Grundunterscheidung im islamischen Recht, anhand derer gläubige Muslime sich und ihr Verhalten überprüfen. Die Wörter gehen auf die göttliche Offenbarung zurück, die im Koran niedergelegt ist und gläubigen Muslimen als Orientierung für ein Leben nach religiösen Regeln dient. Auch die islamischen Speisevorschriften richten sich nach den Kategorien „halal“ und „haram“. Wenn etwa auf Fleischwaren oder Gummibärchen ein „halal“-Siegel ist, dann heißt das, dass das Fleisch (bzw. die in Gummibärchen enthaltene Gelatine) nicht vom Schwein stammt und die Tiere zudem geschächtet wurden, also durch Ausbluten ohne Betäubung getötet wurden.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Islamisches Recht“
Unterrichtsmodul „Essen in der Schule“
7. Was sagt der Islam zum Kopftuch?
Den Ausgangspunkt für die innerislamische Auseinandersetzung mit der weiblichen Verhüllung bilden vor allem zwei Stellen im Koran: Sure 24, Vers 31 sowie Sure 33, Vers 59. Sie besagen, dass Frauen ihre Reize nicht offen zur Schau stellen und sich in ihren Überwurf hüllen sollen. Allerdings ist der Koran in diesem Zusammenhang nicht eindeutig. So herrscht u.a. Uneinigkeit darüber, um welche Teile des weiblichen Körpers es geht. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden zahlreiche Korankommentare unterschiedlicher religiöser Richtungen, die die beiden Textstellen jeweils so für sich auslegten, wie es ihrem eigenen Verständnis entsprach. Alevitische Frauen, Frauen in der Siebener-Schia, Ismailis sowie viele Sufi-Orden bedecken den Kopf in der Regel nicht. Dagegen entwickelten sich in den ländlichen Gegenden von Pakistan, Afghanistan und Saudi-Arabien Traditionen von Körper und Gesicht verhüllenden Umhängen. Unter sunnitischen Muslimen bewirkte besonders der Einfluss der saudi-arabischen Wahhabiten seit den 1990er Jahren ein Umdenken. Seitdem wird das Kopftuch vor allem in orthodoxen Kreisen als Symbol der kulturellen und religiösen Andersartigkeit zelebriert.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Schleier und Verschleierung“
8. Was bedeutet Umma?
Als Umma wird die religiöse Gemeinschaft aller Muslime bezeichnet. Das Wort taucht häufig im Koran auf und bezeichnet die Gemeinde der Gläubigen, deren Zentrum der Prophet Mohammed war. Der Begriff steht im Zusammenhang mit der Geschichte des Islam für eine neue Form der Gemeinschaft, die nicht mehr durch die Loyalität des Einzelnen gegenüber seinem Stamm bzw. Clan bestimmt wird, sondern durch das neue religiöse Bekenntnis. Im modernen Arabisch wird Umma auch für „Nation“ gebraucht.
9. Was sagt der Islam zum Dschihad?
Dschihad stammt vom arabischen Verb für "sich einsetzen" ab und bedeutet „Anstrengung“ oder „Einsatz" und nicht, wie heute oft fälschlicherweise verbreitet, "heiliger Krieg". Im Koran erscheint das Wort mehrmals in der Formulierung "Einsatz auf dem Weg Gottes". Welcher Art der Einsatz sein soll, bleibt im Koran offen. Die Stellen, in denen der Begriff auftaucht, beziehen sich oft auf den Kampf gegen die heidnischen Mekkaner, die Mohammed feindlich gegenüberstanden. Der Theologe al-Gazzali (1058-1111) ging schließlich von einer zweifachen Bedeutung des Begriffs aus: Er sprach vom "kleinen Dschihad" als militärischem Einsatz und vom "großen Dschihad" als Kampf gegen die eigene Triebseele, der weitaus verdienstvoller als ersterer sei. Diese Zweiteilung hat sich in der Theologie bis heute erhalten. Inzwischen hat der Begriff im Sprachgebrauch unterschiedliche Bedeutungen erhalten. So sehen islamistische Bewegungen darin beispielsweise die kriegerische und gewalttätige Verteidigung von Muslimen und benutzen das Wort, um ihre Aktivitäten religiös zu legitimieren. In muslimisch geprägten Ländern spricht man wiederum auch von Dschihad, wenn man Entwicklungsmaßnahmen wie den Kampf gegen Armut oder Analphabetentum meint.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Islamismus und politischer Islam"
Unterrichtsmodul „Sufismus“
10. Welche Glaubensrichtungen gibt es im Islam?
Die über 1 Milliarde Muslime weltweit glauben keinesfalls alle genau dasselbe, sondern fühlen sich vielen verschiedenen Glaubensrichtungen zugehörig. Die beiden größten Gruppen bilden die Sunniten und die Schiiten, die sich im 7. Jh. im Streit um die Nachfolge Mohammeds voneinander abspalteten. Im Unterschied zu den Sunniten erkennen Schiiten nur Nachkommen von Mohammed und seinem Schwiegersohn Ali als Prophetennachfolger an. Innerhalb bzw. neben Sunniten und Schiiten gibt es zahlreiche weitere muslimische Glaubensströmungen. Die verschiedenen schiitischen Abspaltungen - darunter die Zwölferschiiten (Iran), die Ismailiten (Indien und Ostafrika), die Zaiditen (Jemen) und die Alawiten (Syrien, Türkei) - unterscheiden sich u.a. durch die Zahl der Prophetennachfolger, die sie anerkennen. Weitere Strömungen bilden z.B. die Aleviten (v.a. Türkei), die Ali verehren, jedoch die 5 Säulen des Islam ablehnen, oder die Wahhabiten (v.a. Saudi-Arabien), die sich der Reinigung der aus ihrer Sicht verderbten muslimischen Glaubenspraktiken verschrieben haben.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Schia“
Unterrichtsmodul „Sufismus"
11. Was ist der Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten?
Sunniten und Schiiten bilden die beiden Hauptströmungen des Islam. Weltweit verstehen sich von den Muslimen ca. 85 Prozent als Sunniten und ca. 10-15 Prozent als Schiiten. Die Bezeichnung „Sunniten“ leitet sich vom arabischen Wort sunna ab, womit die Überlieferungen über die Gewohnheiten und Handlungen des Propheten Mohammed bezeichnet werden. Nach diesen und nach dem Koran richten Sunniten ihr Handeln aus. Die Schiiten spalteten sich im 7. Jahrhundert n. Chr. als Partei (Schia) Alis ab. Im Gegensatz zu den Sunniten erkennen sie nur Nachkommen von Mohammed und seinem Schwiegersohn Ali als rechtmäßige Prophetennachfolger an. Weitere Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten bestehen in Fragen der Koranauslegung und der Rechtssprechung. Heute teilen sich beide Glaubensrichtungen wiederum in viele unterschiedliche Strömungen auf.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Schia"
12.Was passiert in Moscheen?
Moscheen sind Versammlungsorte der Muslime, wo sie hauptsächlich religiöse Veranstaltungen abhalten. Neben der religiösen Funktion bieten Moscheen auch soziale Dienste, Lehrveranstaltungen usw. an oder geben einfach nur Raum, um sich auszutauschen. Ihnen angeschlossen sind oft Lehranstalten, Bäder, Kliniken, Armenspeisungen, Einkaufsmöglichkeiten und auch Wohnräume. In Europa sind Moscheen kleiner angelegt und beherbergen zum Teil neben den mit Teppichen ausgelegten Gebetsräumen und den Waschräumen weitere Versammlungsräume, Cafés, Unterrichtsräume und Wohnheime.
In einer Moschee werden in der Regel die rituellen Gebete abgehalten: täglich fünfmal, wöchentlich an Freitagen, jährlich am Opferfest und am Ramadan-Fest, sowie im Fastenmonat täglich die tarawih-Gebete (trk./bosn.: teravih) nach dem Fastenbrechen. An religiösen Gedenktagen wie am Geburtstag des Propheten werden ebenfalls in Moscheen entsprechende Veranstaltungen angeboten. Auch für persönliche Feiern und Gedenktage wie das Totengedenken, die Totenfeier, Trauung, Namensgebung, Konversion usw. kann man die Moschee nutzen, oder für andere Feste, Dialogabende, Kirmes, Moscheepicknicks usw. In Deutschland sind Moscheen zunächst als einfache Gebets- und Versammlungsräume entstanden und bestanden oft nur aus einem oder wenigen Räumen. Sie hatten als Selbsthilfeorganisationen eine große Rolle beim sozialen Austausch der Muslime. Seit den 1990er Jahren werden auch repräsentative Moscheegebäude erbaut. Den Tag der offenen Moschee, der in der Regel am 3.Oktober stattfindet, bieten etwa 70 % der hiesigen Moscheen an.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul "Moschee(bau)konflikte in Europa"
Städte & BautenUnterrichtsmodul „Moscheebau in China“
Unterrichtsmodul „Muslime in Deutschland“
13. Welche Feste gibt es im Islam
Es gibt zwei islamische Festtage, die von Sunniten wie Schiiten und Aleviten gleichermaßen gefeiert werden: Das Opferfest und das Fastenbrechen-Fest. Das Opferfest (arab.: id al-adha bzw. id al-kabir; türk.: Kurban bayramı) findet nach dem islamischen Kalender am 10. Du l’Hiğğa statt und dauert vier Tage. Mit diesem Fest erhält auch die alljährlich stattfindende Pilgerfahrt nach Mekka und Medina (Hadsch) ihren Höhepunkt und schließt sie ab. Das Opferfest erinnert an die Bereitschaft Abrahams, seinen Sohn Ismail Gott als Opfer darzubringen. Zum Opferfest werden Schafe, Ziegen oder Rinder geschlachtet, die an Bedürftige verteilt und gemeinsam mit Familie, Verwandten und Nachbarn gegessen werden. Das zweithöchste Fest ist das Fastenbrechen-Fest oder Ramadan-Fest (türk.: Ramazan bayramı bzw. şeker bayramı (dt.: Zuckerfest); arab.: id al-fitr und id al-sagir (dt.: das kleine Fest). Es findet immer am Ende des Fastenmonats Ramadan statt und dauert drei Tage. Mit diesem Fest wird das Ende des Fastens eingeläutet. Beide Festtage beginnen mit einem gemeinsamen Gebet der Männer, das meist in der Moschee stattfindet. Zudem ist es üblich, Nachbarn, Verwandte und Bekannte zu besuchen und zu bewirten. Auch Totenbesuche, Gebete für die Verstorbenen sowie Koranrezitationen sind an der Tagesordnung. Ein weiterer, v.a. von Schiiten und Aleviten gefeierter Tag ist der Aschura-Tag: Am 10. Muharram gedenken sie des Martyriums von Hussain, dem Enkelsohn Mohammeds. Zu diesem Anlass wird gefastet und gebetet. Es gibt auch Formen der Selbstgeißelung. Ein weiterer kleinerer Gedenk- und Feiertag ist z.B. der Geburtstag des Propheten (arab.: Mawlid; türk.: Mevlüt), der von türkischen Muslimen in der „Woche der heiligen Geburt“ (türk.: Kutlu doğum haftası) gefeiert wird
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Schia“
Unterrichtsmodul „Christlich-islamischer Dialog in Europa“
Unterrichtsmodul „Muslime in Deutschland“
14. Wo leben Muslime?
Das Ursprungsgebiet des Islam liegt auf der Arabischen Halbinsel. Von dort aus breitete sich die Religion nach Osten (von Vorderasien bis zu den Philippinen), nach Süden und Westen (Ostafrika und Nordafrika) und nach Europa aus. Heute finden sich in fast allen Ländern der Welt Menschen muslimischen Glaubens. Weltweit betrachtet lebt die größte Anzahl an Muslimen in Indonesien und auf dem indischen Subkontinent (Pakistan, Indien, Bangladesch) sowie in der Türkei, Iran und Ägypten. Auf dem europäischen Kontinent leben die meisten Muslime in Russland und der Türkei; in der Europäischen Union sind Frankreich und Deutschland die Länder mit den größten muslimischen Minderheiten. In Bosnien-Herzegowina, Albanien und Kosovo bilden Muslime die religiöse Mehrheit. In Deutschland wohnen die meisten Muslime in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen; in Österreich in Vorarlberg und Wien; in der Schweiz in den städtischen Kantonen Basel, Bern, Zürich und Sankt Gallen.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Islam in Afrika“
Unterrichtsmodul „Muslime in China“"
Unterrichtsmodul „Islam in Indonesien"
Unterrichtsmodul „Muslime in Deutschland"
15.Wie viele Muslime leben in Europa und der Welt?
Nach Angaben des Yearbook of Muslims in Europe (2009) leben ca. 24 bis 25 Mio. Muslime in Europa, davon 16 bis 18 Mio. in Westeuropa. Die Gesamtbevölkerung der 37 untersuchten Länder beträgt 450 Mio. Menschen. Das bedeutet, dass ca. 5,5 Prozent der europäischen Bevölkerung einen muslimischen Hintergrund hat. In Deutschland leben ca. 4 Mio. Muslime, in Österreich sind es ca. 500.000 und in der Schweiz ca. 350.000. Muslimische Mehrheitsgesellschaften in Europa gibt es in Albanien, Kosovo und Bosnien-Herzegowina. In der erwähnten Zählung sind Russland mit schätzungsweise 12 bis 15 Mio. indigenen Muslimen und die Türkei mit einer Bevölkerung von 71 Mio. Menschen (davon ca. 99 Prozent Muslime), nicht enthalten. Weltweit leben über eine Milliarde Menschen muslimischen Glaubens.
16. Woher kommen die hier lebenden Muslime?
Viele der heute in Westeuropa lebenden Muslime sind hier geboren. Neben einer kleinen Anzahl an muslimischen Familien, die bereits seit Generationen hier leben, und den Konvertiten haben die meisten von ihnen jedoch einen Migrationshintergrund - aus der Türkei, Südosteuropa, dem Nahen Osten, Nordafrika und vielen anderen Regionen der Welt. Nach Deutschland kamen in den 1960er und 1970er Jahren viele muslimische Arbeitsmigranten aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien und Nordafrika. In den 1990er Jahren kamen Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens hinzu. Muslimische Studierende und Promovierende aus Ländern wie Iran, Ägypten, Tunesien und Marokko bilden eine weitere Gruppe. In die Schweiz kamen in den 1960er Jahren Arbeitsmigranten aus dem damaligen Jugoslawien und aus Albanien. Während des Bosnienkriegs (1990-1995) nahm die Schweiz viele bosnische Muslime auf. Seit den 1990er Jahren gibt es ebenfalls einen kleinen Zustrom muslimischer Migranten aus Nordafrika. Österreich schloss bereits 1964 ein Abkommen mit der Türkei, 1966 mit dem ehemaligen Jugoslawien, um Arbeiter aus diesen Ländern aufzunehmen. In den 1990er Jahren kamen viele muslimische Flüchtlinge vom Balkan hinzu. Eine kleine, aber kontinuierliche Gruppe bilden schließlich muslimische Angestellte in internationalen Organisationen, Diplomaten, Studenten und Geschäftsleute.
17. Was ist die Geschichte von Muslimen in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Bereits im 12. Jh. ließen sich Gruppen ungarische Muslime in den österreichischen Ländern nieder. Nach dem Frieden mit dem Osmanen (1718) bekamen osmanische Bürger das volle Recht Fabriken und andere Niederlassungen in Österreich zu betreiben. 1878 besetzte Österreich die ehemaligen osmanischen Provinzen Bosnien und Herzegowina, 1908 folgte die Annektion. Dadurch stieg die Zahl der muslimischen Bevölkerung im Habsburgischen Reich beträchtlich. 1918, mit der Auflösung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, wurden die Länder unabhängig. Erst die Arbeitsmigration der 1960er und 70er Jahre brachte wieder eine beträchtliche Zahl Muslime nach Österreich. In Deutschland lebten in den 1920er Jahren etwa 3000 Muslime in Berlin: ehemalige Kriegsteilnehmer, Botschafter, Geschäftsleute und Studierende. Schon 1798 schenkte der preußische König der osmanischen Minderheit (Gesandte und Geschäftsleute) ein Grundstück bei Neukölln, damit sie einen Friedhof einrichten konnten. In der preußischen Armee war seit Mitte des 18. Jahrhunderts stets eine muslimische 1000 Mann starke Lanzenreitereinheit zu finden. In Hamburg residierten seit dem 19. Jahrhundert iranische Geschäftsleute. Anfang des 20. Jahrhunderts bauten sie an der Kleinen Alster eine schiitische Moschee mit dem Namen „Schöne Aussicht“. In München und Aachen bildeten sich nach dem Zweiten Weltkrieg kleine Kommunen ehemaliger muslimische Kriegsteilnehmer, die auf deutscher Seite gekämpft hatten. Größere Gruppen an muslimischen Einwanderern kamen jedoch erst mit den ersten Arbeitsmigranten der 1960er Jahre. Dasselbe gilt für die Schweiz, in der es vor 1960 kaum Muslime gab. Arbeitsmigration, Familienzusammenführung und die Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten änderte dies.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Muslime in Deutschland"
Unterrichtsmodul „In fremder Erde?"
18. Welche muslimische Organisationen gibt es in Deutschland, Österreich und Schweiz?
In Österreich wurde die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) 1979 als Gemeinschaft öffentlichen Rechts anerkannt und den Kirchen gleichgestellt. Daneben existieren ca. 260 unabhängige Gemeinschaften, darunter die Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich (ATIB; das österreichische Pendant zur DITIB), die Föderation alevitischer Kulturverbände, die Islamische Föderation in Österreich (Milli Görüs), die Union islamischer Kulturzentren und der Dachverband der Bosniaken in Österreich. Zuverlässige Zahlen über Mitgliedszahlen liegen nicht vor. In Deutschland existieren bundesweit ca. 2600 Moscheen und Gebetshäuser, die sich meistens kleineren und größeren Dachverbänden angeschlossen haben. Die größten Dachverbände sind die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland; der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ), sowie der Koordinationsrat für Muslime in Deutschland (KRM). Schätzungsweise 10-15 Prozent aller in Deutschland lebenden Muslime sind Mitglied eines Verbands. In der Schweiz gibt es ca. 35 muslimische Organisationen, davon vier Jugendorganisationen und drei Frauenorganisationen. Drei Dachverbände bieten sich auf der föderalen Ebene an: Musulmans et Musulmanes de Suisse (MMS), La Ligue de Musulmans de Suisse (LMS), sowie Le Fédération des Organisations Islamiques de Suisse (FOIS). Eine offizielle Vertretung gegenüber der Regierung gibt es noch nicht. Auf Städte- und Kantonebene haben sich die örtlichen Verbände zusammengeschlossen, so in Zürich, Luzern und Fribourg. Insgesamt gibt es 100 Gebetshäuser, davon vier mit erkennbarer muslimischen Architektur.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Muslime in Deutschland"
19: Muslime und Integration – wer, wie, was, wozu?
In öffentlichen Debatten um Islam und Muslime ist „Integration“ in den letzten Jahren zum beliebten Schlagwort geworden. Wer jedoch muss integriert werden, wer ist schon integriert und wer soll andere integrieren? Warum und mit welchem Ziel wird integriert? Wann ist jemand integriert und wann (noch) nicht? Über diese Fragen gehen die Meinungen weit auseinander. Was die deutsche Bundesregierung unter Integration versteht, kann man im "Nationalen Integrationsplan" aus dem Jahr 2007 nachlesen, auf den Seiten der "Deutschen Islam Konferenz", die der ehemalige Innenminister Schäuble 2006 zur Integration der Muslime ins Leben gerufen hat, oder in der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“, ebenfalls vom Innenministerium. Die Perspektive des österreichischen Innenministeriums findet sich in seiner Publikation „Integration in Österreich“. Für die Schweiz lohnt sich ein Blick in die Studie „Muslime in der Schweiz" der Eidgenössischen Ausländerkommission.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Christlich-islamischer Dialog in Europa“
Unterrichtsmodul „Muslime in Deutschland"

- Europäische Bilder vom Orient
20: Wo liegt der Orient?
Der Orient, das Land des Ostens, in dem die Sonne aufgeht, steht als Gegenentwurf zum Okzident, dem Land des Westens, in dem die Sonne untergeht. Diese Aufteilung der Welt in Orient und Okzident (Morgenland und Abendland) entspringt einer lang tradierten europäischen Vorstellung, die zwischen dem vermeintlich Eigenen und dem vermeintlich Fremden zu unterscheiden sucht: Mit Orient wurden in der Regel unbekannte Gegenden östlich Europas bezeichnet. Wo dieser „fremde Orient“ jedoch lag, wo er begann und aufhörte, darüber wandelten sich die Vorstellungen im Laufe der Geschichte: In der römischen Antike bezeichnete oriens die östliche Hälfte des Römischen Reiches. In den Vorstellungen des 18. und 19. Jahrhunderts, also zu Zeiten des europäischen Kolonialismus, umfasste der Orient all jene Gebiete, die sich zwischen Marokko und Japan befinden – also nicht nur die arabische, persische und türkische Welt, sondern auch Indien, China, Japan und viele mehr. Heute sind mit Orient meist die muslimisch geprägten Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens gemeint.
Weiterführende Informationen:
Unterrichtsmodul „Tausendundeine Nacht“
Unterrichtsmodul „Die Orienteisen des Fürsten Pückler"






