| Religion und Popmusik |
Neben Fernsehmuftis und den Laienpredigern werden religiöse Inhalte auch durch andere populäre Kanäle vermittelt. So gibt es islamische Comics oder eben auch islamische Popmusik. Besonders bekannt ist der Brite Sami Yusuf, der mit englischen Texten und softer Stimme Gott und den Islam preist. Interessanterweise sind in der arabischen Welt selbst diese islamischen Songs nicht sehr verbreitet - das Zielpublikum scheinen eher Muslime in der Diaspora, also in Europa und den USA zu sein. Eine Erklärung dafür mag sein, dass viele gläubige Muslime im Nahen Osten Popmusik als nicht zur Religion passend sehen, während Muslime im Westen eine solche Vermischung von Religion und Popkultur schneller akzeptieren.
Sami Yusuf
Auf seinem ersten Album 2003 präsentierte Sami Yusuf ein Lied namens „al-Muallim" („Der Lehrer"), in dem es um den Propheten Muhammad geht, der als moralischer Lehrer der Menschheit dargestellt wird. Einfache und lobpreisende Texte kombiniert mit einer weichgespülten Darstellung muslimischen Lebens sollen dazu beitragen, ein besonders positives Bild des Islam zu schaffen.
Der Text sowie ein Musikvideo des Stückes finden sich auf der offiziellen Website von Sami Yusuf.
Ammar114 und Sayfoudin
Neben Sami Yusuf sind Ammar114 und Sayfoudin Hip-Hopper im deutschsprachigen Raum, die über Popmusik vor allem ein positives Bild vom Islam und Muslimen zeichnen wollen. Die Zahl 114 im Namen Ammars weist auf die 114 Suren des Korans hin. Dieser kommt aus einer christlichen äthiopischen Familie und wuchs in Frankfurt am Main auf. Er konvertierte zum Islam, während Sayfoudin aus einer italienisch-marrokanischen Familie stammt und sich schon immer dem Islam zugewandt hat. Beide sind als Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten. Die Besinnung auf den Islam war für sie der Ausweg und Ressource für ein neues Leben. Dies wollen sie durch ihre Songs an Jugendliche weitervermitteln. Dort beschreiben sie einen friedlichen Islam, der mit Terroranschlägen, Ehrenmorden oder Gewalttaten nichts zu tun hat. Gleichzeitig kritisieren sie Deutschland und Europa für die Diskriminerung und mangelnde Akzeptanz von Muslimen und sprechen sich gegen die Politik der USA und Israels aus. Ammar114 verteidigt in seinem Song "Liebe Schwester" das Tragen des Kopftuches und zeichnet dies als Stärke muslimischer Mädchen aus. Darüber hinaus legt er Wert darauf, nicht kommerziell zu sein. Die Songs sowie Texte lassen sich teilweise auf der Homepage www.ammar114.de und http://www.sayfoudin114.de/ kostenfrei downloaden.
Sahira
Sahira stammt aus einer palästinensischen Familie und wuchs in Berlin auf. Sie ist selbstbewusste Muslimin, ist alleinerziehend und eine der wenigen Frauen in der deutschen Rapszene. Seit ein paar Jahren trägt sie Kopftuch, da es für sie Freiheit bedeutet. Dies erklärt sie in ihrem Song "DitTuch". Intensiv mit dem Islam hat sie sich erst seit dem 11. September beschäftigt. Für sie stellt er eine Ressource in ihrem Leben dar. In ihren Songs singt sie über Macho-Jugendliche, von der Liebe zu ihrer Mutter und ihrem Leben in Deutschland. Damit repräsentiert sie eine moderne und emanzipierte Muslimin.
Songs sowie Texte findet man auf ihrer Homepage und auf http://www.myspace.com/sahiraimanimusic
Darüber hinaus findet man unter Youtube einen Videoausschnitt einer ZDF-Dokumentation über sie.



