| Lehrerfortbildung |
Muslimische Frauen in der Moderne
am 30. September 2008 in Dillingen
Die Veranstaltung fand im Programm der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung statt. Sie war als Teil einer auf vier Tage angelegten Lehrerfortbildung „Kulturen begegnen sich - Vielfalt als Ressource" geplant worden. Unser Kooperationspartner war die Lehrgangsleiterin Frau Klemenz-Klebl.
Die von mir durchgeführte (Teil-)Veranstaltung fand am Dienstag zwischen 14.00 und 17:30 Uhr statt. Neben der Vorstellung der Website 1001-idee, die durch das neue Portal des Georg- Eckert-Institutes jetzt noch viel einfacher zugänglich ist, ging es darum, Lehrer für die Eindimensionalität der Darstellung muslimischer Frauen in den deutschen Bildungsmedien zu sensibilisieren sowie auf anderen Perspektiven aufmerksam zu machen und für den Unterricht zu öffnen.
Unser Hauptthema „Muslimische Frauen in der Moderne" wurde unter zwei Aspekten behandelt. Nach einer kurzen Einführung in die Moderne und ihre Komplexität erläuterte der Referent das Thema „muslimische Frauen". Zuerst ging es darum, den Anwesenden deutlich zu machen, dass muslimische Frauen Objekt vieler Vorurteile und Klischees sind - und das sowohl innerhalb muslimischer Gesellschaften als auch außerhalb. Der gängigste Vorurteil lautet, dass sie unterdrückt, ungebildet und vor allem religiös sind. So ist die oft eindimensionale Darstellung, zum Beispiel als Kopftuchträgerinnen, Analphabetinnen und unterdrückte Zweitfrauen. Der Beitrag der Webseite 1001-idee zu dieser Debatte ist es, solche Vorurteile und Klischees abzubauen. Was die Lehrer hier vorfinden, sind Unterrichtseinheiten, die Künstlerinnen, Sportlerinnen, Wissenschaftlerinnen usw. in islamischen Ländern vorstellen, oder aber junge Frauen mit einer eigenen Meinung und Zukunftspläne, die sich von in Europa lebenden Frauen wenig unterscheiden. Während der Fortbildung übten wir den Wechsel in der Betrachtungsperspektive.
Nach einer lebhaften Diskussion fand eine Gruppenarbeit statt: drei Lehrergruppen arbeiteten mit zwei aus der Webseite 1001-idee ausgesuchten Texten. Der erste Text befasste sich mit dem Leben von Emel Abdin Algan, einer jungen Frau, die auf dem Höhepunkt der Kopftuchdebatte ihr Kopftuch ablegte, ihre Handlung mit religiösen Argumenten untermauerte und damit ihre islamische Gemeinde schockierte.
Der zweite Text beschäftigte sich mit der rechtlichen Situation von Frauen in arabischen Ländern. Durch die vergleichende Perspektive gelang es den Teilnehmern, sehr schnell festzustellen, mit welchen Themen sich muslimische Frauen heute befassen. Es wurde angemerkt, dass die Probleme muslimischer Frauen in Europa anders sind als die der Frauen, die in arabischen Ländern leben.
Ebenso stellte man fest, dass die Kopftuchdebatte für die Frauen selber keine Kerndebatte sein könne. Die Frauen, die auf der Website vorgestellt wurden, beschäftigten sich nämlich mehr mit Recht auf Bildung und Gleichberechtigung als mit dem Für und Wider eines Kopftuches.
Im letzten Teil der Fortbildung wurden viele Fragen gestellt. Sie verdichteten sich in der Frage, wie die Anwesenden diese Diskussion fruchtbar für den Unterricht nutzen könnten? Daraufhin nahm das Gespräch eine lösungsorientierte Wendung. Die Anwesenden bestanden zuerst darauf, die Lösung für ihre Probleme in der Schule vom Referenten zu erhalten. Dieser hielt dagegen, dass jede Lösung situationsgebunden ist und im Idealfall vom Lehrer zusammen mit den Schülern erarbeitet wird. Was 1001-idee konkret dazu beitragen kann, sind neue Materialien, neue Perspektiven, Informationen und Denkanstöße, die dabei behilflich sind, aus den alten Vorurteilen auszubrechen.
Ein gelungener Tag in Bayern! Allen Teilnehmenden vielen Dank für ihre Konzentration und den Willen, den Perspektivenwechsel tatsächlich zu üben.
Dr. Mouez Khalfaoui


