| Lehrerfortbildung |
Universität Wien 07.05.2008
Diese Veranstaltung fand in Kooperation mit dem FDZ Wien statt und wurde gemeinsam von Prof. Dr. Alois Ecker und Dr. Mouez Khalfaoui durchgeführt. Dabei wurde das Thema „Pubertät und Adoleszenz" unter verschiedenen kulturellen Gesichtspunkten behandelt.
Neben etwa 20 Studenten des Faches Geschichte nahmen sieben Lehrer und Lehrerinnen sowie eine Politologin an der Veranstaltung teil. Unter den Telnehmern befanden sich zwei Studentinnen mit muslimischem Hintergrund. Diese Konstellation der Gruppe bot vielfältige Perspektiven und bereicherte die Fortbildung sehr.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde führte Prof. Ecker die Teilnehmer in die Thematik ein. Seine historisch - psychoanalytischen Betrachtungen ermöglichten es den Teilnehmern, das Thema Pubertät umfassend und interdisziplinär zu verstehen. So zeigte es die Unterschiede zwischen den so genannten „kalten" und „warmen" Kulturen auf und verglich die Phase der Adoleszenz in industrialisierten und Entwicklungsländern.
Im Anschluss an diese einleitenden Ausführungen folgte das Input-Referat von Dr. Khalfaoui, des das Themenfeld aus einer islamwissenschaftlichen Perspektive heraus betrachtete und referierte. Am Anfang zeigte er auf, wie sich islamische Kultur und islamische Religion voneinander unterscheiden.
In Bezug auf die Pubertät betonte Dr. Khalfaoui, dass die Institutionen Schule und Familie diese Phase unterschiedlich betrachten. So werden Jugendlich in muslimischen Familien schon längst als erwachsen betrachtet, während sie in der Schule als unmündige Kinder angesehen werden.
Nach einer Pause teilten sich die Teilnehmer in drei Gruppen auf, die jeweils mindestens, einen Lehrer/ eine Lehrerin und einen Teilnehmer mit muslimischen Hintergrund enthielt. In diesen Gruppen wurden dann unterschiedliche Themen diskutiert:
1. Welchen Einfluss haben islamische Religion bzw. islamische Kultur auf das Verhalten von muslimischen Schülern?
2. Wie betrachten Lehrer und Studenten die Phase der Pubertät in verschiedenen Kulturen?
3. Wie kann man dazu beitragen, Schüler mit muslimischen Hintergrund besser zu verstehen und angemessen zu behandeln?
Es wurden spannende und zum Teil kontroverse Diskussionen in der Gruppe durchgeführt. Die Lehramtstudenten diskutierten besonders angeregt mit den Lehrern. Es wurde deutlich, dass das Verhalten der Schüler eher von deren kulturellen Kontext und ihrer familiären Situation als von der Religion geprägt ist. So unterscheidet sich das Verhalten eines marokkanischen Schülers von einem pakistanischen Schüler, obwohl beide aus muslimischen Familien stammen.
Im Gegensatz zu muslimischen Schülern wirken muslimische Schülerinnen ausgeglichener und freundlicher. Sie sind den anderen nicht-muslimischen Schülerinnen ähnlich. Die Teilnehmer der Veranstaltung vermuten auch hier die Ursache für das unterschiedliche Verhalten in den Familien, wo Jungen als „Helden der Familie" betrachtet werden, Mädchen dagegen eher als Haushaltshilfe fungieren.
Am Ende der Fortbildung bedauerten die Teilnehmer, dass die Zeit knapp war und hofften, dass noch weitere Veranstaltungen zu diesem oder ähnlichen Themen in Wien angeboten werden.



