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Lehrerfortbildung

Sitzungsbericht
Wien am 21.04.09
Ort: Fachdidaktisches Zentrum der Universität Wien


Die Veranstaltung fand unter der Leitung von Prof. Dr. Alois Ecker und Dr. Mouez Khalfaoui statt. Thematischer Fokus war "Das Bild der Anderen in österreichischen Schulbüchern". Zudem wurde ausführlich über Herausforderungen und Perspektiven der Zusammenarbeit gesprochen. Teilnehmer waren Mag. Hanna-Maria Suschnig (Erziehungsforscherin vom FDZ Wien), Alexander Osman (Vorsitzender der muslimischen Jugendorganisation Wien, Lehrer und Erziehungsexperte) sowie Sabine Kroissenbrunner vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (Leiterin des Referates V.3.a; Interkultureller und interreligiöser Dialog; Dialog mit der muslimischen Welt und dem Islam in Europa). Silvia Jindra von der pädagogischen Hochschule Wien konnte zum Treffen nicht erscheinen und hat nachträglich vom Inhalt des Treffens erfahren. Seitens des GEIs bzw. des Projektes 1001-idee.eu nahmen Felicitas Klingler und Mouez Khalfaoui an der Diskussion teil.

Die Ausbildung von GeschichtslehrerInnen in Europa

Prof. Dr. Alois Ecker sprach über “The training of History Teachers in Europe: Structures, Standards and Trends”. In dem Vortrag wurden die Ergebnisse einer in zahlreichen europäischen Ländern durchgeführten Studie zur Ausbildung von GeschichtslehrerInnen präsentiert. U.a. wurde die Länge der fachdidaktischen Ausbildung, das Verhältnis von Nationalgeschichte und Weltgeschichte, die Schulung in multikulturellen Kompetenzen und politischer Bildung thematisiert.

Die Studie zeigt auf, dass etwa 120.000 Studierende europaweit GeschichtslehrerInnen werden wollen. Jedoch erfüllt die angebotene Ausbildung ihre Erwartungen nicht. Die Ausbildung verläuft meist im nationalen Kontext und beruht auf veralteten Bildungskonzeptionen. Das Wissen über die anderen europäischen Länder und über andere Weltkulturen und Geschichten ist in der Ausbildung kaum vorhanden. Der Vortragende schilderte treffend die mangelhaften Angebote der Lehrerausbildung: Hauptbestandteile des Unterrichts sind National- und Politikgeschichte sowie Chronologie; 80 Prozent der Dissertationen im Fach Geschichte in Europa betreffen Nationalgeschichte.  Aus Sicht von Alois Ecker wäre die beste Lösung in Österreich, die politische Bildung vom Geschichtsunterricht zu trennen.  

Das Bild des Islam in österreichischen Geschichtsschulbüchern


Dr. Mouez Khalfaoui präsentierte die Ergebnisse der von ihm durchgeführten Untersuchung der österreichischen Schulbücher zum Thema „Das Bild des Islam und der Muslime in den österreichischen Geschichtsschulbüchern im 20. Jahrhundert“. Der Referent teilte das 20. Jh. entsprechend der Einteilung in den österreichischen Geschichtsschulbüchernin in folgende fünf Epochen  Zeitaufteilung:

  1. bis 1914,
  2. zwischen den beiden Weltkriegen,
  3. nach dem 2. Weltkrieg: Wiederaufbau Europas,
  4. Kalter Krieg und Teilung Europas,
  5. Wiedervereinigung Europas; soziale und wirtschaftliche Krisen der 1980er und 1990er Jahre.



Beruhend auf den folgenden Thesen:

  1. dass Repräsentationen des Anderen kollektive und individuelle Begegnungen mit dem Anderen sind,
  2. dass sie von bestimmten Akteuren geprägt sind,
  3. dass die Repräsentation des Anderen mit der Repräsentation des Eigenen verbunden ist. Fehlt die Repräsentation des Eigenen, fehlt die des Anderen,
  4. dass diese Repräsentationen immer wieder einander entgegenstehen bzw. widersprechen und mit einander konkurrieren,
  5. dass hinter ihnen bestimmte Interessen und Agenden von bestimmten Akteure stehen,
  6. dass die Repräsentationen des Anderen zwei Hauptfunktionen haben (entweder werden sie als Folie benutzt, um die Einzigartigkeit des Eigenen zu zeigen, oder sie dienen als Bereicherung für das Eigene),


zeigte der Referent, dass die Narrative über den Islam und die Muslime in den österreichischen Schulbüchern kein einheitliches Bild des Islams und der Muslime aufweisen. Dementsprechend werden Islam und Muslime in unterschiedlichen Bildern thematisiert. Diese Bilder konkurrieren miteinander. Mouez Khalfaoui erläuterte, dass die in den Schulbüchern vorhandenen Bilder Europas heterogen sind und schloss seinen Vortrag damit, dass die Bilder des Eigenen und des Anderen einander gegenüber gestellt werden können: starkes Europa versus schwache „muslimische Welt“, „entwickeltes Europa versus Dritte Welt“; „reiches Europa versus arme Araber“; „friedliches Europa versus drohenden Muslime“. All diese Bilder spiegeln auch das Interesse unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Akteure in Europa wieder.

Perspektiven der Zusammenarbeit

Im zweiten Teil des Workshops wurden Möglichkeiten der zukünftigen Zusammenarbeit erörtert. Dabei wurde das Interkulturelle Lernen als fehlende Kompetenz im Bildungsangebot in vielen europäischen Ländern betont.

Mouez Khalfaoui