Didaktischer Kommentar

Didaktische Einführungen für Lehrerinnen und Lehrer (Kurzkommentar)

Fächerbezug /Problemstellungen


Die unter der Überschrift „Kunst - Transart" angebotenen Fachtexte, Bilder und Arbeitsblätter können durch ihren interdisziplinären Ansatz in verschiedenen Klassenstufen und Fächern / Fachbereichen (wie kunstgeschichtlicher, religions- und sozialwissenschaftlicher Unterricht, Deutsch und Geschichte) oder auch für fächerübergreifende Sequenzen genutzt werden.

Je nach Fach bieten sich so verschiedene Problematisierungen / Einstiegsfragen an:
    
a.) ägyptische Kunst (Was verstehen wir unter Ägyptischer Kunst? Was kennen wir Schüler tatsächlich, z.B. aus Museen oder durch Besuche in Ägypten? Gibt es eine Moderne bzw. Postmoderne im heutigen Ägypten?)

b.) religiöse Kunst (Was bedeutet „religiöse Kunst"? Wie ist das Verhältnis von Kunst zu Religion, besonders unter Bezug auf das „Bilderverbot"? Welche religiösen Symbole sind in der ägyptischen Kunst zu finden, sowohl in moderner als auch in pharaonischer? Welche Auswirkungen zeigt das religiöse „Bilderverbot" auf die Kunst in den verschiedenen Religionen?

c.) Bilderverbot (Gibt es ein „islamisches Bilderverbot"? Wie wird es religiös begründet? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Künstler und auch für den Alltag? Wie positionieren sich andere Religionen dazu?)

d.) Erfahrungen im Ausland / Erfahrungen als Ausländer in Deutschland/der Schweiz/Österreich (Welche Erfahrungen haben die Schüler gemacht? Was davon spiegelt sich in den Aussagen der Kunststudenten wider? Was fällt uns als erstes im Ausland auf? Was ist unseren ausländischen Mitschülern als erstes aufgefallen? Was erwarten wir von Fremden in unserem Land? Was erwarten diese von Europa? Wie verhalten wir uns als Europäer im nichteuropäischen Raum?)

e.) für die Primarstufe: In dieser Einheit wird Ihnen ein Arbeitsblatt für die Primarstufe zur Verfügung gestellt. Dieses ist gemeinsam mit dem von Franziska Junge geschaffenen Kinderbuch „Mustafa das Kamel" geeignet, um „Ägypten" oder auch „die arabische Welt" in der Grundschule zu thematisieren. Sie finden so einen Einstieg, um mit Ihren Schülern über die Vorstellungen zu sprechen, die Sie über ein so weit entferntes und auch zum Teil exotisches Land wie Ägypten haben, um diese dann mit Hilfe anderer Medien oder auch der Website zu überprüfen. Beachten Sie dazu besonders das Bildmaterial von „Fitness und Trendsport", „Städte zwischen Tradition und Moderne", „Kopftuch und Schleier". Wir möchten Sie ermuntern, diejenigen Schüler als Experten in den Unterricht einzubinden, die aus muslimischen oder nicht-europäischen Familien stammen und auch die Reise-Erfahrungen der Kinder einzubeziehen.

Die Arbeitsblätter sind wie folgt den Klassenstufen zugeordnet:
AB 1 - Wahrnehmung des Anderen - Sekundarstufe I
AB 2 - Pharaonische vs. zeitgenössische Kunst in Ägypten - Sekundarstufe II
AB 3 - Mustafa das Kamel - Primarstufe
AB 4 - Das „Bilderverbot" im interreligiösen Vergleich - Sekundarstufe II

Diese Zuordnung ist nicht verbindlich und nicht unumstößlich. Sie richtet sich nach dem Vorwissen der Schüler und auch danach, wie viel Raum dem jeweiligen Thema im Unterricht eingeräumt wird. Zu beachten ist dabei, dass wir für die Sekundarstufe I die Anrede „du" verwandt haben, die Anrede „Sie" für die Sekundarstufe II.     
        
Schülerkompetenzen

Ähnlich vielgestaltig wie die verwendeten Methoden werden die Lernergebnisse der Schüler sein. Sie sollen erkennen,

- dass ägyptische Kunst mehr ist als Pyramiden und Papyrusrollen (siehe dazu auch „Die Kopten")
- dass eine rege moderne Kunstszene in Ägypten existiert
- dass Vorstellungen (Vorurteile?) sowohl auf europäischer (hier: deutscher) und arabischer (hier: ägyptischer) Seite bestehen (siehe dazu auch „Kritische Stimmen" und „Migrantengeschichten", „Die Orientreisen des Fürsten Pückler" usw.)
- dass Vorurteile dadurch beseitigt werden, dass man sich gegenseitig mit offenen Augen und Ohren wahrnimmt und die Vorstellungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft (siehe dazu auch „Die Orientreisen des Fürsten Pückler")
- dass das „islamische Bilderverbot" kein Verbot von allen Bildern bedeutet und auch kein generelles Kunstverbot und welche religiösen Grundlagen es dafür gibt (siehe dazu auch „Islamisches Recht")
- dass auch Christentum und Judentum ein „Bilderverbot" kennen

Besonderes Augenmerk wird auf die eigenständige Recherche gelegt und darauf, dass die Schüler Wissen nicht nur per Frontalunterricht im Klassenzimmer erweitern. Wir ermuntern zum Beispiel zu einem Besuch in einem Ägyptischen Museum, vielleicht auch virtuell per Internet und dazu, dass die Schüler ihre Erfahrungen in muslimisch geprägten Gesellschaften in den Unterricht einbringen. In all unseren Einheiten ist es geboten, Schüler mit muslimischem Hintergrund besonders in das Unterrichtsgeschehen einzubeziehen und ihnen als Experten in eigener Sache eine Plattform zu bieten.