Franziska Junge

Als „Botschafterinnen des Dialogs" zwischen Kairo und Leipzig wurden die beiden Kunststudentinnen Mirette Bakir und Franziska Junge ausgewählt. Beide studierten und arbeiteten für je fünf Monate an der jeweiligen Partneruniversität in Ägypten und Deutschland. Beide verarbeiteten ihre Erfahrungen in Bild und Text.

„Familie – innerhalb einer Familie; Nähe zum Land und zu den Menschen.“

Nach einem Besuch des nördlich von Kairo gelegenen Kamelmarktes von Barkasch und einem von Beduinen organisierten Kamelrennen entwarf Franziska Junge ein Kinderbuch mit dem Titel „Mustafa das Kamel", in dem sie das Schicksal der höckerigen Wüstentiere beschreibt.

„Bikini – kann man eher selten Tragen wegen Kleiderordnungen der Gesellschaft

Außerdem schuf sie den Zeichentrickfilm „Superfatma - Nummer 1: der schreckliche Muzel" über eine Superheldin im täglich kräftezehrenden Gewühl Kairos zwischen Religiosität, Sexualität und sozialer Ungerechtigkeit (Sowohl „Mustafa das Kamel" als auch „Supterfatma" sind auf der Website einzusehen).

„Wegda – Männer greifen gerne zu. Frauenbild. Frau muss sich wehren.“

Ihr persönliches Tagebuch führte Franziska Junge in Form von Zeichnungen, die sie selbst in verschiedenen Alltagssituationen zeigen. Sie thematisiert nicht nur ägyptische Gastfreundschaft, sondern auch die täglichen Konflikte und Erfahrungen von Differenz, die ihr in Kairo begegneten. Im Rückblick beschreibt sie ihren Aufenthalt in Kairo folgendermaßen:

„15.07.2006. Ein Stempel in meinem Pass. Cairo Airport Arrival. 29.01.2007. Ein weiterer Stempel. Departure. Dazwischen liegen aufregende, schöne, traurige, lustige Monate und Momente, kleine und große Augenblicke. Mit einem Workshop im Rahmen des Projektes „Hiwar Fanni" beginnt meine Zeit in Kairo. Ich reise mit meinen deutschen Kommilitonen an, werde behutsam in das Kairoer Leben eingeführt und mit der ägyptischen Lebensweise bekannt gemacht. Dann bin ich allein. Doch in der 17 Millionen Metropole Kairo bleibe ich dies nicht lang und treffe auf Menschen, die mir die Kultur und die Religionen Ägyptens, das koptische Christentum und den sunnitischen Islam näher bringen.

Für mich als Teil im „Dialog der Kulturen" ist der Auslandsaufenthalt in Kairo trotz oder gerade wegen der aufgewiesenen Differenzen und Schwierigkeiten eine bereichernde und erfahrungsreiche Zeit, die ich jedem anderen wünsche."

Mustafa das Kamel
Nach dem Besuch eines Kamelmarktes und dem Ausflug zu einem Kamelrennen in die Wüste beschäftigte sich Franziska intensiv mit den Kamelen und ihrem traurigen Schicksal. Sie schaute sich diese genau an, roch an ihnen, ritt auf ihnen und testete schließlich auch ihr Fleisch. Ein Kinderbuch mit dem Titel „Mustafa das Kamel", das die einhöckrigen Tiere in den Fokus rückte, entstand. Die Geschichte erzählt mit zahlreichen ganzseitigen Illustrationen und kleinen Vignetten den langen Weg der Kamele aus dem Sudan nach Kairo, wo sie mit rauen Händen gehandelt werden und schließlich auf dem Teller der Touristen in den ägyptischen Restaurants landen. Die Erzählung vom Kamel fand ihre Realisierung in einem kleinen, zweifarbigen Siebdruck-Heft. Eine PDF-Version von „Mustafa das Kamel" befindet sich zum Download am Ende dieser Seite.
    
Die Abenteuter von Superfatma
In Ägypten begann Franziska Junge mit der Aufarbeitung ihrer Erfahrungen, Erlebnisse und Beobachtungen in Form eines Zeichentrickfilms. "Superfatma - Nummer 1: Der Schreckliche Muzel" fand seinen Abschluss nach ihrer Rückkehr nach Deutschland und wurde zum Rundgang der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig im Februar 2007 gezeigt.

Der Film beginnt mit einer Taxifahrt in Kairo. Im Chaos. Die Stadt zeigt sich als großes Geflecht von Häusern, der Mensch geht unter darin, die Masse holt ihn heraus. Überall finden sich Satellitenschüsseln auf den Dächern und in den Fenstern. Diese sind das Tor zur westlichen Welt, der sich die Menschen gleichzeitig verschließen. Die Antenne wandelt sich zum Megafon. Vom Empfänger zum Sender. Die Botschaft geht in die Welt. Der Film beginnt.

Superfatma handelt von einer starken Frau, die unverschleiert als Bauchtanz ausübende Sexbombe Chaos auf den Straßen von Kairo erzeugt. Sie ist eine Gefahr für alle Männer, die aus diesem Grund ihre Autos in Unfälle leiten. Diese überstehen sie weitgehend unbeschadet, lediglich eine Fleck am Kopf wird zu einem Horn. Dem „Gebetshorn". Der dunkle Fleck auf der Stirn vieler Männer zeigt wie gläubig und religionstreu sie sind, denn normalerweise entsteht er durch massives Beten und das Berühren des Bodens mit der Stirn. Und nicht durch die Betrachtung einer Frau. Unterdrückte Sexualität spielt immer eine Rolle. Frauen sind Zeichen der Verführung, aus diesem Grund stehen die Männer oft als Gaffer am Straßenrand. Sie verharren, tun nichts. Schauen. Starren. Und fassen sich an die Genitalien beim Anblick einer Frau. Unbeteiligte, die genauso schuldig sind. Die Frau muss stark sein, einen Schleier anlegen. Superheldin sein. Superfatma, die eine Welt vor Unrecht und Gewalt schützt und rächt. Machmut, ein Junge aus niederer sozialer Schicht, ist Opfer des ihn als Sklaven missbrauchenden Muezzin, dem Muzel. Dieser schickt ihn hin und her, auf das Minarett hoch und runter. Das Megafon, welches den Ruf Gottes in alle Welt verbreitet, ist defekt und ein neues muss her, denn die Welt muss beschallt werden. Die Religiosität der Straße wird betont. Machmut wird schikaniert, Schuhe der Gläubigen werden aus dem Schuhregal vor der Moschee auf ihn geworfen. Er fällt. Superfatma hört seine Schreie trotz der Verwirrung der Stadt und rettet Machmut im letzten Moment. Der Muzel wird bestraft und mit seiner Wasserpfeife gefesselt. Das Geheimnis von Superfatma wird kurz gelüftet und die Spaltung des Individuums in eine öffentliche und eine private Person deutlich. Mit dem Schleier unterwirft sie sich den Forderungen der konservativen Strömungen des Islam während sie als Bauchtänzerin das Sinnbild der Sünde darstellt. Diese Ambivalenz zeigt sich in jedem Menschen. Schrift taucht im Film schroff, sperrig, ungelenk passend zur Stadt und zum Leben als Reste menschlicher Sprache auf. Die Fragmente sind Töne in Buchstaben gefasst und lassen sich als Laute lesen. Die Musik bewegt sich mit dem Bild als unendliche, manchmal nervöse Schleife und trägt zum Gefühl der Überforderung durch diese Kraft- und Energieraubende Stadt bei.