| Arabische Namen |
Erst seit Anfang des 20. Jahrhundert begann sich in der arabischen Welt das Tragen von Vor- und Nachnamen nach europäischem Vorbild durchzusetzen. Bis zu diesem Zeitpunkt folgte die Zusammensetzung von Personennamen einem eigenen, wesentlich komplexeren System. Dies soll anhand eines Beispiels aus Karl May erläutert werden: In verschiedenen Abenteuerromanen von Karl May (dem so genannten Orientzyklus: „Durch die Wüste", „Durchs wilde Kurdistan", „Von Bagdad nach Stambul", „In den Schluchten des Balkan", „Durch das Land der Skipetaren" und „Der Schut") taucht eine literarische Figur namens Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah auf. In Ländern, in denen meist nur ein Vor- und ein Nachname in Gebrauch sind, wirkt die Länge des Namens ungewohnt. Allerdings geben arabische Namen im Gegensatz zu deutschen Namen umfassend Auskunft sowohl über die Familie des Namensträgers als auch über ihn selbst.
Arabische Namen bestehen klassischerweise aus fünf Namen:
- der Kunya
- dem Ism
- dem Laqab
- dem Nasab und
- der Nisba.
Der lange Name des eben genannten Hadschi Halef Omar bei Karl May ist ein rein patrilinearer Name und beinhaltet sowohl seines Vaters, als auch seines Großvaters Namen:
- „Hadschi" steht für „Pilger" und ist ein Ehrentitel, der nach der Pilgerfahrt nach Mekka getragen werden darf;
- „Halef Omar" ist der eigentliche Vorname;
- „Ben Hadschi Abul Abbas" meint „Sohn des Pilgers Abul Abbas";
- „Ibn Hadschi Dawuhd" meint „Sohn des Pilgers Dawuhd";
- „al-Gossarah" entspricht dem Familiennamen."
Ein Beispiel für einen Namen, der mehr Informationen als ausschließlich die Namen des Vaters oder Großvaters gibt, ist der folgende:Abu l-Mahâsin Yûsuf bin Abî Yûsuf Ya'qûb al-Makkî al-Hanbalî az-Zayyât
Söhne zu haben ist traditionell von großer Wichtigkeit, deshalb ist die Kunya für die gesellschaftliche Anerkennung als vollwertiger Mann bzw. als vollwertige Frau von großer Bedeutung. Historische Persönlichkeiten sind häufig unter ihrer Nisba oder auch unter ihrer Kunya oder ihrem Nasab bekannt.
Im Verlaufe der Islamisierung weiter Teile Afrikas und Asiens verbreiteten sich arabische Namen auch in der nicht-arabischen Welt. Dies hängt in erster Linie mit der weit verbreiteten Praxis zusammen, mit dem Übertritt zum Islam auch einen islamischen, sprich arabischen, Namen anzunehmen. Typischerweise handelt es sich dabei um die Namen enger Prophetengenossen oder aber die Namen der Frauen und Töchter des Propheten. Folglich finden sich vom Senegal in Westafrika bis nach Indonesien in Südostasien arabisch Namen. Besonders beliebt ist die Praxis, dem Erstgeborenen den Namen des Propheten Mohammed zu geben, da diesem besondere Segenskraft zugesprochen wird. Die Vergabe arabisch-islamischer Namen an ihre Kinder ist für die meisten Familien fester Bestandteil ihrer religiösen Identität.
Auswahl arabischer Namen:
Während in manchen Regionen die arabischen Namen indigene Personennamen vollständig ersetzten, flossen sie in anderen Sprachen, wie dem Persischen oder Türkischen nur ergänzend in die Namensgebung ein, häufig leicht abgewandelt.




