| Deutsche Wörter arabischen Ursprungs |
Als Sprache des Islams, insbesondere aber auch als Wissenschafts-, Wirtschafts- und Verwaltungssprache übte das Arabische beträchtlichen Einfluss auf andere Sprachen aus. Arabische Begriffe aus Philosophie, Medizin, Mathematik, Verwaltung und Handel finden sich nicht nur im Persischen, Türkischen oder Kurdischen, sondern auch in zahlreichen Sprachen Westeuropas wieder. Auch in den deutschen Sprachegebrauch fanden zahlreiche Begriffe Eingang. Die meisten dieser Wörter gelangten bereits im Mittelalter, also seit dem Beginn der arabischen Expansion in Spanien und auf Sizilien im achten und neunten Jahrhundert, nach Europa.
Im Zuge der Islamisierung weiter Gebiete Zentral- und Südasiens wurde das arabische Schriftsystem auch in zahlreiche andere Sprachen (Persisch, Urdu, Kurdisch etc.) übernommen und mit zusätzlichen Schriftzeichen versehen. Erst unter den Auswirkungen politischer Veränderungen wurde die arabische Schrift in vielen Sprachen wieder abgeschafft. Dies betraf insbesondere die ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens, die unter sowjetischer Vorherrschaft das kyrillische Alphabet übernahmen, und die heutige Türkei, welche im Verlaufe tiefgreifender, am europäischen Vorbild orientierter Reformen 1928 das arabische Alphabet durch das lateinische ersetzte. Die fortschreitende Islamisierung weiter Teile Afrikas und Asiens trug zudem zur Verbreitung arabischer Personennamen bei, da diese häufig als wichtiger Teil der islamischen Identität betrachtet wurden und werden (ähnlich der Verbreitung christlicher Namen lateinischen Ursprungs in Europa).
Innerhalb nur eines Jahrhunderts war es den Arabern gelungen, ein Reich aufzubauen, das von Spanien bis nach Persien reichte. Grundlage dafür war eine Politik der religiösen Toleranz gegenüber Juden und Christen, die innerhalb der eroberten Gebiete ihre Religion weitgehend unbehelligt ausüben konnten. Die einheimischen Juden und Christen, die wie etwa im Falle der ägyptischen Kopten zuvor unter den Repressionen des Byzantinischen Reiches zu leiden hatten, empfingen die arabischen Eroberer meist wohlwollend und fügten sich ohne größere Differenzen in das arabisch-muslimische Staatsgebilde ein. Im Zuge der arabischen Eroberungen entstanden neue Zentren des kulturellen Austausches, die zu einer Verschmelzung griechisch-hellenistischer, arabischer und persischer Elemente beitrugen. Europa profitierte von den Kenntnissen arabischer Wissenschaftler an jenen Schnittstellen, die sich in den arabischen Reichen Spaniens und Siziliens sowie in den Kreuzfahrerstaaten Syriens und Palästinas herausbildeten.
In den deutschen Wortschatz fanden arabische Begriffe zeitlich verzögert über das Mittellateinische, Italienische und Französische Eingang; dies ergab sich daraus, dass die deutschen Staaten weder direkt an arabisches oder türkisches Gebiet angrenzten, noch am Mittelmeerhandel teilnahmen. An dieser Stelle sei nur auf zwei Beispiele eingegangen, die im Rahmen von Handelsbeziehungen in den deutschen Sprachgebrauch einflossen: es sind der Begriff „Bohnenkaffee" bzw. „Kaffee" und der Begriff „Zucker".
Die ursprünglich aus dem äthiopischen Hochland stammende Kaffeepflanze hatte sich seit dem 15. Jahrhundert im jemenitischen Hochland im Süden der Arabischen Halbinsel verbreitet. Das dort aus den Bohnen (arab. bunn) der Kaffeepflanze zubereitete, anregende Getränk wurde im Arabischen mit dem Wort qahwa - einem alten Begriff für „Wein" - bezeichnet. Im 16. und 17. Jahrhundert schließlich gelangte der Kaffee, und mit ihm die Kaffeehauskultur, von Kairo über Damaskus und Istanbul bis nach Wien. Im deutschen Sprachgebrauch etablierte sich zunächst die aus den Worten bunn und qahwa zusammengesetzte Form „Bohnenkaffee". Das Wort „Zucker" (arab. sukkar) gelangte ebenfalls auf dem Wege des Handels in die deutsche Sprache. Der damals noch ausschließlich aus Zuckerrohr hergestellte Stoff wurde erstmals in Indien und China produziert und von arabischen Händlern an europäische Kaufleute weiterverkauft. Ins Türkische sind die arabischen Wörter qahwa und sukkar ebenfalls eingeflossen. Dort heißen sie kahve and şeker.
Ebenfalls aus dem Arabischen stammt das Wort „kiffen"; nämlich von kayf, dem Wort für „Wohlbefinden". Mit kayf wurde eine Mischung aus Tabak und Hanfblättern bezeichnet. Hieraus entstand die Wortschöpfung „kiffen". Ins Türkische ist das Wort kayf als keyif (Freude, Genuss) eingegangen.
