Didaktischer Kommentar

Didaktische Einführung für Lehrer und Lehrerinnen (Kurzkommentar)

Gegenwartsbezüge
Ethik in der Wirtschaft ist ein umstrittenes Thema, in der Geschichte ebenso wie heute. Darf man für Profit alles tun - oder gibt es ethische Grenzen? Die Globalisierung bringt Ausbeutung in den „Sweatshops" der Billiglohnländer, und Profite am Finanzmarkt ohne direkte Arbeitsleistung („Heuschrecken") sind umstritten. Der Islam kennt dagegen traditionelle ethische Grundlagen für das Wirtschaften, ähnlich wie Christentum und Judentum. Dazu zählen das Zinsverbot, das Verbot bestimmter Handelsgüter (Alkohol, Schweinefleisch) und Geschäfte, bei denen die Leistung ungewiss ist, wie z.B. Versicherungsrisiken. Moderne Wirtschaft und (muslimische) Ethik ist das Thema dieser Einheit.

"Geld stinkt nicht" - Einstiegsimpulse, Problemfrage

Darf ein Manager für den Gewinn der Firma alles tun? Darf man ohne Einschränkungen mit allen Waren Handel treiben (Drogen, Waffen, „Gammelfleisch")? Ist es fair, wenn Banken extrem hohe Überziehungszinssätze verlangen, oder für Kleinkredite 12 % Jahreszins, bei 10 Jahren Laufzeit? Die Schüler können ihre Eltern nach dem Überziehungszins des Girokontos fragen. Sie können ethische Regeln zum Umgang mit Geld und Waren im Alltag sammeln (Sprichwörter, Verbote). Muslimische Regelungen können dazu anregen, kleine und große Fragen der Wirtschaftsethik zu diskutieren.

Geld und Moralbewusstsein
Reibach - jiddisch rewach - arabisch ribh: Gewinn machen folgt Regeln. Zahlreiche Banken in der islamischen Welt orientieren sich bei der Entwicklung moderner Geschäftsformen am Koran, wenn sie etwa die Kreditvergabe statt mit Zinssätzen über alternative, religiöse legitimierte Geschäftsformen regeln, um eine Übervorteilung des Kunden zu vermeiden. Solche Grundregeln und Geschäftsformen stellt diese Einheit vor.

Schülerkompetenzen

Im moralischen Bewusstsein geht es darum, nach welchen Kriterien und wie rigide Werturteile gefällt - oder nicht gefällt - werden. Der Vergleich von Regelungen aus verschiedenen Zeiten (historischer Wandel) und religiösen Kontexten trainiert eine begründete, differenzierte und tolerante Urteilsbildung. Einerseits werden Gemeinsamkeiten hinsichtlich der religiösen Prinzipien islamischer, christlicher und jüdischer Wirtschaftsethik sichtbar, andererseits lassen sich im Alltag Unterschiede zwischen religiösem Anspruch und wirtschaftlicher Wirklichkeit erkennen (berechnender Betriebswirt und kirchliche Caritas - etc.). Die Schüler sollen dazu befähigt werden, wirtschaftsethische Regelungen zu reflektieren und sich ein eigenes begründetes Urteil zu bilden.

Der Umfang der Unterrichtsreihe: Das Baukastenprinzip

Das Arbeitsblatt stellt einen Startimpuls dar, der je nach verfügbarer Arbeitszeit mit Hilfe der Interneteinheit zu vertiefen ist. Die Schüler können abschließend in Arbeitsgruppen eigene Regeln für eine Wirtschaftsethik zusammentragen oder als Maximalziel projektorientiert zur Wirtschaftsethik in verschiedenen religiösen und sozialen Kontexten Internetrecherchen durchführen, Alltagseindrücke systematisieren und zur Ergebnissicherung Lernplakate gestalten.