| Islamische Aktienfonds |
Anfang Dezember 2006 verkündete die Deutsche Bank erstmals einen Aktienfonds nach islamischem Recht aufzulegen. Der nach Rücksprache mit islamischen Gelehrten konzipierte Fonds folgt dem Anspruch, frei von Investitionen in die Produktion von Rüstungsgütern, Pornografie, Alkohol, Tabak, Glückspiel und Schweinefleisch zu sein. Stattdessen findet eine Konzentration auf die Bereiche Öl, Edelmetalle, Computertechnologie oder Kleidung statt.Europäische Bankhäuser haben seit kurzem islamische Finanzprodukte, insbesondere Aktienfonds entwickelt, die sie neben ihrem konventionellen Geschäft auf dem europäischen und weltweiten Markt anbieten. Aktienfonds funktionieren in der Regel so, dass ein Fondsmanager das Geld der Anleger verschiedenen Unternehmen gibt. Wenn die Unternehmen Gewinne machen, steigen die Aktien der Unternehmen und damit auch der Gewinn der Anleger. Wenn ein Unternehmen Pleite geht, ist das für Anleger von Aktienfonds weniger schlimm, da er ja in Aktien mehrerer Unternehmen Geld angelegt hat. Aktiengeschäfte sind ein sehr „günstiges" Finanzprodukt für gläubige Muslime: als Anleger sind sie Teilhaber und keine Kreditgeber, verdienen somit nicht an Zinsen und sind darüber hinaus am Risiko der in den Aktienfonds eingebunden Unternehmen beteiligt; Gewinn und Verlust spiegeln sich gleichermaßen im Wert der Aktienfonds wider. Auf diese Weise verstoßen die Anleger nicht gegen die Regeln des islamischen Zinsverbots und entsprechen gleichzeitig den Vorgaben islamisch anerkannter Vertragsmodelle, die eine Verlust- und Gewinnbeteiligung aller beteiligten Geschäftspartner vorsehen.
In Deutschland haben sich diese islamischen Produkte relativ spät entwickelt, zumal von Seiten der in Deutschland lebenden Muslime bislang nur eine geringe Nachfrage bestand. Der erste Islamische Aktienfond in Deutschland wurde von der Commerzbank 1999 angeboten. Der sogenannte „Al Sukoor Fonds" (dt. „der Falken-Fonds") wurde jedoch bereits zwei Jahre später wieder vom Markt genommen. Es hatten sich einfach zu wenige Kunden dafür interessiert. Einen neuen Versuch hat nun die Deutsche Bank unternommen. Sie bietet zunächst ausschließlich für Kunden aus den Golfländern den sogenannten „Noor Islamic Fund" an, um nach eigenen Angaben „auf die durch Einnahmen aus dem Ölgeschäft getriebene Nachfrage nach geeigneten Investitionsmöglichkeiten für Muslime" zu reagieren. Ab 2007 soll der Fonds auch für Anleger aus Europa geöffnet werden.
Für in Deutschland lebende Muslime bleibt gegenwärtig nur ein einziger Aktienfonds übrig, um ihr Geld nach islamischen Regeln anzulegen: Der so genannte „UBS Islamic Fund". Im Börsenprospekt des UBS Islamic Fund, einer Art Werbe- und Informationsbroschüre für Aktienfonds, wird dem interessierten Kunden versichert, dass sein Geld ausschließlich nach islamischen Regeln angelegt wird. Die Einhaltung islamischer Regeln, so der Börsenprospekt, garantiert ein eigener „Sharia-Board" dessen Mitglieder und Gelehrte auch namentlich erwähnt sind. Der Sharia-Board ist einer Art zusätzlicher Aufsichtrat, vergleichbar aber nicht identisch mit dem Aufsichtsrat konventioneller Aktiengesellschaften. Der Sharia-Board besteht aus islamischen, meist weltweit bekannten Gelehrten des islamischen Rechts.
Was aber heißt in „Übereinstimmung mit den Grundsätzen der islamischen Sharia" genau? Für die Gelehrten des Sharia-Boards gilt es zunächst darauf zu achten, nur solche Unternehmen für den Aktienfonds zuzulassen, die gemäß islamischer Prinzipien wirtschaften. In diesem Zusammenhang sind der Handel und die Produktion bestimmter Güter, wie beispielsweise Alkohol oder Schweinefleisch, verboten.
Für die Auswahl von Unternehmen ist also zum einen entscheidend, was die Unternehmen herstellen oder mit welcher Art von Waren sie Geschäfte machen. Zum anderen ist entscheidend, ob die Unternehmen zuviel an Zinsen verdienen. Ein Minimum an Zinsgeschäften ist also auch hier unvermeidlich. Die Verantwortlichen des Aktienfonds geben zu, dass die Geschäfte mit dem Fonds aufgrund dieses Minimums an Zinsen nicht ganz „rein" sind, was die Einhaltung islamischer Regeln betrifft. Nicht zuletzt um dieses Manko „auszugleichen", wird ein gewisser Anteil des Fondsgewinns automatisch für soziale Projekte gespendet. Für die Auswahl der im UBS Islamic Fonds vertretenen Unternehmen orientiert sich die Fondsgesellschaft insbesondere an den im Dow Jones Islamic Market Index gelisteten Unternehmen. Bei letzterem handelt es sich um einen nach islamischen Standards operierenden Marktindex.
