| Islamische Vertrags- modelle |
Banken verdienen an Zinsen, das heißt, sie verleihen Geld für einen bestimmten Zeitraum und fordern es dann komplett oder in Raten zurück. Der zurück erhaltende Betrag liegt dabei immer um einen bestimmten, meist im Voraus festgelegten Prozentsatz höher als der ursprünglich ausgeliehene Betrag. Das ist der Zins.
Im Islam werden Zinsen abgelehnt. Der Grund dafür ist, dass die Bank einen Gewinn erzielt ohne etwas mit praktischem Gegenwert dafür zu leisten. Dennoch gibt es islamische Banken, die wie andere Banken einen Gewinn ausschließlich mit Geldgeschäften erzielen.
Wie können islamische Banken wirtschaftlich überleben, wenn sie ohne Zinsen arbeiten?
Offiziell arbeiten islamische Banken ohne Zinsen. In manchen Fällen gibt es Banken, die mit zwei getrennten Bereichen arbeiten: Ein konventioneller „Zinsbereich" und ein Bereich, in dem die angebotenen Produkte den Regeln islamischen Wirtschaftens entsprechen. Damit diese Regeln auch wirklich eingehalten werden, gibt es bei den islamischen Banken so genannte „Sharia-Boards". Das heißt, dass eine Gruppe von islamischen Gelehrten, die bei der Bank angestellt ist, um die Übereinstimmung mit islamischen Regeln des Korans zu prüfen. Privatpersonen, die sich unsicher sind, fragen den Imam ihrer Gemeinde, ob ihr Handeln mit den Regeln des islamischen Wirtschaftens übereinstimmt. Seit einiger Zeit ist dies auch im Internet möglich, wo so genannte „Online-Imame" Antwort auf Fragen des alltäglichen Lebens geben (www.islam.org)
Die Praxis islamischer Banken folgt im Wesentlichen drei islamischen Vertragsmodellen, denen die Rechtsauslegungen der Scharia, des islamischen Rechts, zugrunde liegen:
mudaraba: Zwei Parteien schließen einen Vertrag über ein gemeinsames Geschäft ab. Die Bank bringt „Kapital" ein, der Kunde „Arbeit". Verlust- und Gewinnbeteiligung werden im Voraus vereinbart. Jedoch reduziert sich die Beteiligung der Bank auf einen möglichen Gewinn. Sollte das Geschäft schief gehen, trägt allein der Kunde den Verlust. Hier ist die Bank ein so genannter stiller Partner.
musharaka: Kapital und Arbeit, oder auch Management, können von allen beteiligten Parteien, aber zu unterschiedlichen Teilen für ein gemeinsames Geschäft eingebracht werden. Gewinn und Verlust werden je nach eingebrachtem Kapital und Arbeit aufgeteilt. Musharaka wird aus dem arabischen Wort für sich beteiligen, (arab.: sharaka) abgeleitet. Hier ist die Bank ein so genannter aktiver Partner.
murabaha: Eine andere Konstruktion gilt für den Fall, dass sich ein Kunde bei einer islamischen Bank Geld leiht, um Investitionen zu finanzieren: Die Bank kauft einen Investitionsgegenstand für den Kunden. Die Bank zahlt den vollen Preis bei Lieferung der Ware. Der Kunde kauft den Gegenstand für einen höheren Rückkaufwert in Raten der Bank ab. Die Bank ist also kein Kreditgeber, sondern Zwischenhändler. Dieses Geschäft ist eines der häufigsten islamischen Vertragsformen und wird murabaha genannt. Murabah kommt von arab. ribh (dt. Gewinn). Im Deutschen kennen wir den Ausdruck „Reibach machen", der sich vom arabischen ribh ableitet!
Insbesondere die Modelle mudaraba und murabaha werden von einigen Gelehrten als un-islamisch bezeichnet. Hinter der einseitigen Beteiligung (mudaraba) und dem erhöhten Rückkaufswert (murabaha), so die Diskussion, verberge sich letztlich ein versteckter Zins. Von einer wirklichen, aktiven Beteiligung und einer Vermeidung des Zinsverbotes könne nicht die Rede sein.
Ein wirklich zinsfreies Geschäft ist das so genannte "Qard Hassan". Dieses zu 100% zinsfreie Darlehen ist allerdings selten zu finden und wird eher als zinsloses BAföG an bedürftige Studenten oder als Unterstützung sozialer Projekte gewährt. Einige islamische Banken gewähren Qard Hassan nur an Kunden, die daneben auch andere Einlagen bei der Bank haben.

