| Didaktischer Kommentar |
Didaktische Einführung für Lehrerinnen und Lehrer (Kurzkommentar)
Fächerbezug / Problemstellungen
Die unter der Überschrift „Recht - Islamisches Recht" angebotenen Fachtexte, Bilder und Arbeitsblätter können durch ihren interdisziplinären Ansatz in verschiedenen Klassenstufen und Fächern / Fachbereichen (wie religions-, sozial- oder gesellschaftswissenschaftliche Unterweisung, Geschichte) oder auch für fächerübergreifende Sequenzen genutzt werden.
Je nach Fach bieten sich so verschiedene Problematisierungen / Einstiegsfragen an:
a.) (religiöse) Gebote und Verbote (Warum haben Gesellschaften Regeln, also Verbote und Gebote? Haben alle Religionen Ver- und Gebote? Welche und Warum? Mit welchen Sanktionen muss man rechnen, wenn diese Regeln nicht eingehalten werden?)
b.) kultische Pflichten im Islam (Welche kultischen Pflichten kennt der Islam? Welche Pendants gibt es in Christentum und Judentum dazu? Welche Bedingungen für deren Erfüllung finden Muslime in Europa vor? Wozu dienen kultische Pflichten? Welche kultischen Pflichten sind für unsere muslimischen Mitschüler relevant?)
c.) Speise- und Getränkevorschriften im Islam (Welche Speisen und Getränke sollen Muslime nicht zu sich nehmen? Welche theologischen Erklärungen gibt es dafür? Welche Auswirkungen hat das auf den Speiseplan von Muslimen insbesondere für unsere muslimischen Mitschüler?)
d.) Rausch (Was ist „Rausch"? Wie ist das Verhältnis der westeuropäischen Gesellschaft zum Rausch und zu den verschiedenen Rauschmitteln? Wie verhalten sich die Religionen zum Rausch? Gibt es ein „Rauschverbot" und wie wird es theologisch begründet? Welche Rauschmittel sind im Islam verboten?)
e.) Scharia und islamisches Recht (Was verstehen wir unter „Scharia"? Wie hat sich das islamische recht herausgebildet und entwickelt? Aus welchen Quellen wurde und wird es geschöpft? Ist es unveränderlich oder entwickelt es sich bis heute? Für wen und in welchen geographischen gebieten gilt die Scharia? Welchem Rechtssystem sind europäische Muslime unterworfen?)
Die Arbeitsblätter sind wie folgt den Klassenstufen zugeordnet:
AB 1 - Verbotene Speisen und Getränke im Islam - Primarstufe
AB 2 - Die kultischen Pflichten - Sekundarstufe I
AB 3 - Speisevorschriften im Islam - Sekundarstufe I
AB 4 - Rauschverbot und Getränkevorschriften im Islam - Sekundarstufe I und II
AB 5 - Die Scharia - Sekundarstufe II
AB 6 - Entwicklung des Islamischen Rechts und dessen theoretische Grundlagen - Sekundarstufe II
Diese Zuordnung ist nicht verbindlich und nicht unumstößlich. Sie richtet sich nach dem Vorwissen der Schüler und auch danach, wie viel Raum dem jeweiligen Thema im Unterricht eingeräumt wird. Zu beachten ist dabei, dass wir für die Sekundarstufe I die Anrede „du" verwandt haben, die Anrede „Sie" für die Sekundarstufe II.
Schülerkompetenzen
Ähnlich vielgestaltig wie die verwendeten Methoden werden die Lernergebnisse der Schüler sein. Fokussiert wird darauf, dass es sich bei der Scharia um ein komplexes Rechtssystem handelt, dass nicht auf Strafen wie „Blutrache" und Begriffe wie „erlaubte Zwangsheirat" beschränkt werden kann. Dazu können ergänzend Beiträge zum Islamischen Bankwesen, zur Pilgerfahrt oder zum Schleier herangezogen werden.
Die Schüler sollen ihre Vorurteile gegenüber dem islamischen recht als solche erkennen, sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.
Ihnen soll ein Einblick in die verschiedenen kultischen Pflichten des Islam gegeben werden. In interreligiösen Vergleichen können sie schnell und leicht feststellen, dass der Islam mit seinen Regeln, Ver- und Geboten, Pflichten nicht mehr oder weniger reglementierend ist als andere Religionen auch.
Besonderer Wert wird dabei darauf gelegt, dass muslimische Mitschüler zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen mit dem islamischen Recht und insbesondere mit den kultischen Pflichten und Speise- und Getränkevorschriften berichten. Den nicht-muslimischen Schülern wird so verdeutlicht, dass nicht alle Muslime die Gebote für sich gleich auslegen und dass es hinsichtlich der Ausübung der kultischen Pflichten große Unterschiede gibt. So wird der Islam als eine Religion erkannt, die ebenso viele Ausprägungen hat wie Gläubige. Ähnlich wie es bei Christen und Juden auch der Fall ist.
Die Schüler sollen selbständig recherchieren, insbesondere bei Muslimen in ihrem Umfeld. Was essen diese, was nicht und warum? Welche Erklärungen geben die Muslime ab, welche Begründungen liefern Koran und andere Quellen?

