| Warum Muslime? |
Nach Europa kommen Einwanderer aus vielen Ländern. Für alle ist die Umstellung schwer, aber der Schock der Begegnung löst keineswegs bei allen auch Gewaltreaktionen aus. Was bringen Muslime im Gepäck mit nach Europa, was sie so anfällig für Isolierung und Radikalisierung macht? Der syrische Philosoph George Tarabishi stellte fest, dass die arabische Welt gegenüber Europa ein Gefühl der Ohnmacht verspürt. Er nannte dies „die anthropologische Wunde" und brachte damit zum Ausdruck, dass es ein Gefühl der (materiellen) Unterlegenheit gibt, die mit moralischer Überlegenheit kompensiert wird. Viele Muslime können sich nicht damit abfinden, dass sie die führende Rolle in der Welt längst verloren haben und bestehen darauf, dass sie, als Träger einer „Hochkultur", einen Beitrag für die Menschheit leisten müssen. Die meisten Einwanderer aus arabischen Ländern leiden unter diesem Zwiespalt. Erst aber wenn diese Mischung aus Minderwertigkeit und Allmacht von Erfahrungen der Demütigung und der Isolation begleitet werden, wird sie zum Problem. Hinzu kommt, dass die meisten Muslime eine kompromisslose Haltung zum Korantext und zur Überlieferung (Hadith) haben. Der Koran gilt für sie bis heute als das unverfälschte Wort Gottes und so werden manche Passagen des Korans wörtlich genommen. Den Juden und Christen gegenüber ist der Koran sehr kritisch und manchmal sogar feindselig. Dazu kommen zahlreiche Überlieferungen, welche die Ideologie des Dschihad im Sinne des Krieges gegen die Ungläubigen unterstützen. Es ist dies ein absolutistisches Denken, dass des Öfteren dazu führt, dass man die in Europa vorherrschende Atmosphäre aus Ambivalenz und Relativismus nicht aushalten kann.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die geo-politische und sozio-ökonomische Lage der islamischen Welt. Die aggressive Macht- und Wirtschaftspolitik des Westens lassen Verschwörungstheorien wuchern. Der rapide Bevölkerungszuwachs lässt außerdem Generationen von schlecht ausgebildeten, perspektivlosen jungen Menschen heranwachsen, die eine leichte Beute für Demagogen sind. Wo viele nicht wissen, wie es weiter gehen soll, behaupten Islamisten selbstsicher: "Der Islam ist die Lösung. Folgt Gott und Er wird euch den Weg weisen!" Für sie bietet sich der Dschihad als der Weg an, um an alte glorreiche Zeiten anzuknüpfen.
Letztlich fehlt es in der arabischen Welt an einer Legitimation für eine Aufklärung nach dem europäischen Modell. Die Islamisten behaupten: „Wir waren früher Nomaden und Barbaren, die sich gegenseitig bekriegten; erst der Islam hat aus uns eine Hochkultur gemacht. Als wir uns von unserem Glauben entfernt haben, haben wir die Macht wieder verloren. Sollten wir also den Glauben wieder so leben, wie der Prophet und die Urgemeinde der Muslime den Islam lebten, dann würden wir die Welt wieder führen." Dieser Denkart zufolge kann Europa nicht als Modell für muslimische Einwanderer dienen, weil Europa selbst nicht weiß, wohin die Reise führt.
Islamisten setzen dennoch auf die Diaspora in Europa. Oft zitieren sie den Propheten: „Der Islam ist als Fremder geboren und wird als Fremder zurückkehren" Damit bringen sie die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Muslime die Demokratie im Westen nutzen werden, um sich neu zu organisieren und zu stärken, um dann als Vorhut für die Re-Islamisierung in den eigenen Ländern und für die große islamische Revolution zu fungieren.
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