| Fernsehprediger für die Diaspora |
Moez Masoud ist noch nicht einmal 30 und noch Student, aber bereits als Fernsehprediger heftig umworben von verschiedenen Sendern. Nach einem Autounfall, wo er fast zu Tode gekommen wäre, schloss er mit seinem ausschweifenden Leben ab und wandte sich der Religion zu. Seit Ende der 1990er hat sich der Trend in den arabischen Mittel- und Oberschichten verstärkt, sich bei der Sinnsuche im Leben nicht mehr nur von materiellen Werten leiten zu lassen, sondern sich auch auf die eigenen Traditionen zu besinnen. Dabei entdecken viele den Islam für sich.
Menschen wie Moez Masoud haben diese Sinnsuche mit ihrem Sendungsbewusstsein kombiniert - sie fühlen sich berufen, ihre kommunikativen Gaben zu nutzen, um den Islam in die Gesellschaft zu tragen. Diese Laienprediger nennen sich selbst „do'ah", was annähernd mit Missionar übersetzt werden kann. Der negative Beigeschmack in diesem Wort wird allerdings von ihnen abgelehnt, sie sehen sich eher als Vermittler religiöser Werte.Die Fernsehsender mögen Moez Masoud, weil er als Zielpublikum die gut situierte Jugend der Oberschichten anspricht und ihnen Anreize bietet, ihr materiell abgesichertes Leben nach islamischem Vorbild mit Sinn zu erfüllen. Da er zudem auf Englisch predigt, lassen sich damit noch viele Muslime in Europa oder den USA erreichen.Sein Stil und die Inhalte der Sendungen erinnern stark an amerikanische Televangelisten, die mit viel Show und der Einbeziehung des Publikums eine sehr konservative und persönliche Religionssicht vermitteln wollen und vielen als fanatisch erscheinen.
In einem Interview mit „Transnational Broadcasting Studies", dem populär-wissenschaftlichen Journal des Adham-Centers der Amerikanischen Universität Kairo, erläutert Moez Masoud ausführlich seine Erweckungserlebnisse, seinen Werdegang und seine Intentionen bei der Vermittlung des Islam.
Moez Masoud hat zwei Sendereihen namens „Parables in the Quran" („Parabeln im Koran") und „Stairway to Paradise" („Treppe zum Paradies"). In der Parabel-Sendung leitet er von Handelnden aus dem Koran Schlussfolgerungen für das (moralisch richtige) Leben in der Gegenwart ab. In „Stairway to Paradise" will er die oftmals als Formalia empfundenen Regeln der islamischen Lehre (fünf Mal am Tag beten, züchtige Kleidung tragen etc.) mit Emotionen füllen. Dazu propagiert er das Konzept des Glaubens als leidenschaftliche Hingabe an Gott, ein Phänomen, das sich auch bei evangelikalen Sekten in den USA häufig finden lässt. Im ersten Teil der Sendereihe „Stairway to Paradise" erklärt er einem ausgewählten Publikum in Wohnzimmer-Atmosphäre seine Hinwendung zum Islam. Das Publikum dient hier quasi dem „Abnicken" und Bestätigen seiner Erklärungen.
Die Sendung „Stairway to Paradise" kann via Live-Streaming im Internet abgerufen warden.



