| Frauenfußball - Männerfußball |
Betrachtet man die Geschichte des Frauenfußballs, so fällt ganz klar ins Auge, dass sich der Frauensport immer gegen die Vereinnahmung des Fußballs durch Männer erwehren musste. Bis heute ist Frauenfußball ständig dem Vergleich mit dem Männerfußball ausgesetzt. Warum ist eine solche Sichtweise speziell im Fußball so vorherrschend?
Im Kapitel zur Geschichte des Frauenfußballs wurde bereits erläutert, dass Fußball in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Männern gerne als Kampfsport klassifiziert wurde. Damals erklärten die Männer, die Brutalität innerhalb des Fußballs sei so ausgeprägt, dass Frauen, welche in diesem Zusammenhang mit Vorliebe das zarte Geschlecht genannt wurden, körperlich nicht robust genug seien, um diese Sportart zu betreiben. Mit dieser Argumentation sicherten sich Männer ihr Monopol über die Deutung, wie Fußball zu sein habe.
Mit diesem Phänomen der „Männlichkeit des Fußballs“ haben sich auch Wissenschaftler auseinander gesetzt. So schrieb schon der französische Soziologe Pierre Bourdieu (1930-2002), dass Kampfsportarten, zu denen er auch den Fußball rechnete, besonders dazu genutzt würden, innerhalb der Gesellschaft Felder zu schaffen, auf denen sich Männlichkeit optimal darstellen und ausleben lasse. Der deutsche Soziologe Michael Meuser sieht den Ursprung des Phänomens auf dem Schulhof, wo sich Jungen im Fußball den ersten exklusiv männlichen Raum schüfen, um sich im Spiel von den Mädchen abzugrenzen und den ersten Schritt in Richtung Männlichkeit zu unternehmen. Dieser Mechanismus setzt sich ihm zufolge in der weiteren Entwicklung fort. Er führt dazu, dass Fußball das eindeutigste und gesellschaftlich anerkannteste Spielfeld zur Darstellung und Konstruktion von Männlichkeit ist.
Unterstrichen wird Meusers These von der im Fußball weit verbreiteten Ächtung von Homosexualität, die sich in solcher Vehemenz in keiner anderen Sportart wiederfinden lässt: Der diesbezügliche Druck ist im Fußball so groß, dass homosexuelle Spieler lieber ein geheimes Doppelleben führen, als sich öffentlich zu ihrer Sexualität zu bekennen. Dieses Problem ist im Frauenfußball nicht so stark ausgeprägt. Zwar halten viele Spielerinnen öffentliche Bekenntnisse zur Homosexualität für schwierig, geben aber offen zu, dass es in ihrer Mannschaft lesbische Spielerinnen gibt. Problematisch für Frauenmannschaften ist eher, dass viele den Spielerinnen pauschal unterstellen, ‚Mannsweiber’ zu sein. Ende der 90er Jahren suspendierte der DFB eine Spielerin aus Gründen, die mit ihrem Liebesleben zusammenhingen. Aufgrund starker öffentlicher Proteste hat sich dieser Vorfall allerdings nicht wiederholt.
Trotz der wachsenden Popularität des Frauenfußballs in den letzten Jahren gibt es immer noch immense Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfußball, was die Zuschauerzahlen, Gehälter und das Medieninteresse betreffen. Was das Spiel selbst betrifft, so sind die Spiele der Frauen nicht ganz so schnell wie jene der Männer, da der moderne Fußball den Ansatz verfolgt, auch über eine enorme Physis Spielvorteile zu erlangen, und die Spieler heutzutage komplett austrainiert sind. Wegen ihrer kräftigeren Natur spielen Männer einen schnelleren Fußball. Letztendlich sind aber die Gesetzmäßigkeiten im Frauen- und Männerfußball ähnlich – schließlich gilt für beide die vom ehemaligen Bundestrainer Sepp Herberger aufgestellte Fußballweisheit: „Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten“!


