Jordanien

Interview mit Ruba Adawi

(Interview von Heinrich Sobottka, Sommer 2009)

Ruba Jwan Ahmad Adawi ist Mitglied der jordanischen Frauenfußballnationalmannschaft. Sie wurde 1984 in der jordanischen Hauptstadt Amman geboren, hat dort Naturwissenschaften studiert und arbeitet momentan als Lehrerin an einer Grundschule in Amman.

Wann hast du mit dem Fußballspielen angefangen?

Wie die meisten aus meinem Team habe ich einfach als Kind mit meinen Brüdern und deren Freunden auf der Straße gespielt. Ich war damals acht Jahre alt. Später an der Uni gab es dann eine Frauenmannschaft, in die ich sofort eingetreten bin. Seit wir eine Nationalmannschaft haben, bin ich auch darin aktiv.“

Jordanische Nationalspielerinnen in einer Trainingspause. v.l.n.r.: Ruba Adawi, Maissa Jbarah, Abeer Al-Nahar; Foto: Heinrich Sobottka

Seit wann existiert die Nationalmannschaft, und wo kann man ihr Niveau im internationalen Vergleich ansiedeln?

Die jordanische Frauennationalmannschaft gibt es seit dem Jahr 2005. Auch wenn wir im Vergleich mit den europäischen Teams noch einen enormen Nachholbedarf haben, stellen wir im Nahen Osten das beste Team. Verglichen mit anderen arabischen Mannschaften aus Nordafrika, wie Ägypten, Algerien oder Marokko, fehlen uns aber noch die Kontakte nach Europa. Die Frauenteams der genannten Länder schicken ihre Spielerinnen regelmäßig nach Europa, wo sie auf einem hohen Niveau Erfahrungen sammeln können.“

Was müsste in Jordanien verbessert werden, um das Niveau des Trainings anzuheben? Gibt es eine Liga, die durch Spielpraxis dazu beiträgt?

Zunächst kann gesagt werden, dass wir eine Liga haben. Sie besteht aus zehn Mannschaften und bietet uns damit an sich genug Spielpraxis. Das Problem ist eher, dass bei uns kein Fortschritt in Richtung Professionalisierung stattfindet, das Training ist immer noch auf dem gleichen Niveau wie zu Beginn der Nationalmannschaft. Hier haben wir einen immensen Nachholbedarf, auch wenn wir schon fortgeschrittener sind als andere Länder im Nahen Osten.“

Wie sehr wird Frauenfußball in Jordanien, das ja ein muslimisches Land ist, von der Gesellschaft akzeptiert?

„Das ist sehr unterschiedlich, selbst in meiner Familie. Meine Verwandten mütterlicherseits fragen immer wieder, warum ich vor Männern spiele und sagen, dass dies gegen unsere Religion sei. Aber das ist falsch. Ich spiele gegen Frauen und nicht gegen Männer, außerdem trage ich auch beim Spielen einen Hidschab und lange Sportkleidung, was auch nur die wenigsten bei uns machen. Die meisten Spielerinnen kleiden sich wie Spielerinnen in Europa. Und diese Kritiker verstehen auch nicht, dass der Islam einen sogar dazu anhält, Sport zu treiben und seinen Körper in Form zu halten. Dadurch, dass wir regional relativ erfolgreich sind, nimmt auch die Berichterstattung über die Spiele in den Medien zu, was dazu führt, dass auch die Akzeptanz für unseren Sport zunimmt, aber Kritiker wird es wohl immer geben.

Was das Reisen betrifft, bietet uns das Spielen im Verein und in der Nationalmannschaft eine ungeheuere Freiheit. Im Islam ist es so geregelt, dass eine Frau immer mit einem männlichen Verwandten, also Vater, Bruder oder Ehemann, gemeinsam verreisen sollte und nicht allein oder mit männlichen Freunden. Wenn wir aber als Mannschaft verreisen, ist das etwas anderes, da wir offiziell in einer Gruppe und mit Betreuern unterwegs sind. So bringt uns der Fußball die Möglichkeit Reisen zu unternehmen, die wir ansonsten nie hätten machen können.“

Was sind die größten Hindernisse für einen professionelleren Trainingsbetrieb?

Ruba Adawi kontrolliert den Ball im Mittelfeld in einem Freundschaftsspiel gegen eine Leipziger Mannschaft; Foto: Heinrich Sobottka

In erster Linie ist da der Mangel an Sportplätzen in Jordanien zu nennen, und im Vergleich zu europäischen Standards auch deren Zustand. Es passiert sehr selten, dass wir das Glück haben auf richtigem Rasen zu spielen. Im Trainingsalltag besteht die Möglichkeit auf Sand oder Asphaltplätzen zu spielen. In letzter Zeit sind auch Kunstrasenplätze im Entstehen, und es geschieht auch häufiger, dass wir zum Training, aber auch für Punktspiele in die Halle gehen. Das Hauptproblem für uns ist jedoch, dass die Plätze nicht an Mannschaften gebunden sind und immer gemietet werden müssen. Das bedeutet, dass man sie reservieren und bezahlen muss. Dabei haben wir manchmal den Nachteil, als Frauenmannschaft den Männern den Vortritt lassen zu müssen, aber auch finanziell ist immer ein kleiner Aufwand damit verbunden, Fußball zu spielen.“

Was machen die Spielerinnen neben dem Fußballspielen?

Fast alle der Spielerinnen, die ich kenne, sind Studentinnen. Einige sind sogar schon verheiratet, aber die meisten wohnen noch zu Hause bei den Eltern.“

Ruba Adawi bei den Dehnübungen zum Ende des Trainings; Foto: Heinrich Sobottka