| Glossar |
Abaelard
Peter Abaelard (1079 – 1142) war ein christlicher Theologe im Mittelalter. Mit seiner Reformtheologie und Lehrtätigkeit deckte er die Widersprüchlichkeit der Kirchenvätertraditionen auf und kritisierte die vorherrschenden Formen klösterlicher Gottesgelehrsamkeit. Infolge dessen wurde er vom Papst verbannt, durfte nicht mehr publizieren und musste in Klosterhaft. Während der Haft vollendete Abaelard das religionsphilosophische Buch „Gespräch eines Philosophen, eines Juden und eines Christen“. Darin entwarf er ein visionäres Programm eines Dialogs der Offenbarungsreligionen.
Abbasiden
Die sunnitische Dynastie der Abbasiden, Nachkommen von al-Abbas, einem Onkel des Propheten Mohammed, übernahmen 750 die Macht von den Umayyaden. Sie regierten von Bagdad aus ein Reich, das sich von Nordafrika bis zum heutigen Afghanistan erstreckte. Ihre Herrschaft wurde 1258 durch den Angriff der Mongolen auf Bagdad beendet, nachdem sie ihre politische Macht bereits vorher faktisch verloren hatten.
Abu-l-Hassan Ali Nadwi
Abu-l-Hassan Ali Nadwi ist einer der berühmtesten muslimischen Gelehrten des 20. Jahrhundertes in Südasien. Ab 1934 fing er an der Nadwatu-l-Ulama in Lucknow zu unterrichten an und stieg in den Funktionen auf, bis er für Jahrzehnte Leiter und Vorsitzender der Nawda wurde. Berühmt ist er neben seiner wissenschaftlichen Karriere für seine politischen Entscheidungen - u. a. war er gegen die Teilung Indiens.
Abu al-ala al-Mawdudi
Sunnitischer pakistanischer Journalist, Theologe, politischer Philosoph und einer der einflussreichsten islamistischen Denker des 21. Jhd., stark beeinflusst von Sayyid Qutb und den Muslimbrüdern, Gründer der jamaat al-islamiyya in Pakistan.
Abu Bakr
Abu Bakr war ein treuer Gefährte des Propheten Mohammed. Nach dessen Tod wurde er zum ersten Kalifen (Nachfolger des Propheten) ernannt. Seine Amtszeit dauerte von 632 bis 634 n.Chr.
Abu Bakr Gumi
Gründer der Yan Izala in Nigeria.
Abu Musab al-Zarqawi
Der gebürtige Jordanier Abu Musab al-Zarqawi galt bis zu seinem Tod durch einen amerikanischen Luftangriff im Juni 2006 als Anführer von al-Qaida im Irak. Abgesehen von zahllosen Anschlägen gegen die US-geführten Koalitionsgruppen wird al-Zarqawi für die Ermordung mehrerer ausländischer Geiseln sowie das Aufflammen des Bürgerkrieges im Irak verantwortlich gemacht. Als Anhänger eines radikalen sunnitischen Islam hatte er zum Angriff auch schiitische Ziele aufgerufen. Vor seiner Zeit im Irak hatte al-Zarqawi im afghanischen Bürgerkrieg gekämpft und dort bis zum Einmarsch amerikanischer Truppen ein militärisches Ausbildungslager geleitet.
Abu Zaid
Nasr Hamid Abu Zaid (geb. 1943) ist ein ägyptischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Seine Publikationen umfassen u. a. Werke zur Auslegung des Koran, in denen er westlich geprägte Methoden der Textkritik und Literaturwissenschaft anwendet, sowie Schriften, die sich kritisch mit dem islamischen Selbstverständnis auseinandersetzen. Mit diesen rief er in den 1990er Jahren bei orthodoxen Sunniten und fundamentalistischen Gruppen in Ägypten großen Widerstand hervor. Dieser führte schließlich zu einem Prozess gegen ihn und zur Zwangsscheidung von seiner Frau.
Aga-Khan-Foundation
Aga-Khan-Foundation (engl.) „Aga-Khan-Stiftung". Eine der größten Entwicklungs- und Hilfsorganisationen der muslimischen Welt; Partner des Auswärtigen Amtes in Berlin. Eines ihrer gemeinsamen Projekte umfasste die Umwandlung einer Müllhalde in der Nähe der Kairoer Altstadt in den Al-Azhar Park.
Ahli-Hadith
Diese islamische Reformbewegung entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Nordindien aus der Tariqa Muhammadiyya. Sie ist für ihren puristischen Glauben bekannt.
Ahmaddiyya
Die Ahmadiyya hat ihren Ursprung in Pakistan, wo im 19. Jh. die islamische Reformbewegung als Antwort auf die britische Kolonialverwaltung entstand. Sie orientiert sich stark an der Jesus-Figur im Koran und beruft sich auf eine Stelle im Koran, in welcher der Gründer der Bewegung, Ahmad, bereits vorhergesagt wurde. Da die islamische Tradition Muhammed als den letzten der Propheten betrachtet, nach dem Gott keinen mehr schicken wird, wird diese Koranauslegung als Blasphemie betrachtet. Heute ist die Ahmaddiyya eine stark missionierende Gruppe, die innerhalb des sunnitischen Mainstreams als nicht dazu gehörig gilt. Die afrikanische Ahmadiyya orientiert sich stark an ihrer pakistanischen Schwesterorganisation.
Ahmet Günbay Yıldız
Der türkische Schriftsteller und Poet Ahmet Günbay Yıldız wurde 1941 geboren. Er schrieb bis heute etwa zwei Dutzend Romane, die in der Türkei eine große Leserschaft fanden. Zwei seiner bekanntesten Werke sind Cicekler Susayınca („Wenn Blumen durstig werden") und Aska Uyanmak („Wach auf für die Liebe").
Aischa
Aischa (gest. 678) war die dritte Frau des Propheten Mohammed und zugleich die Tochter des zweiten Kalifen (Nachfolger Mohammeds) Abu Bakr. Als Lieblingsfrau Mohammeds wird Aischa vor allem von den Sunniten verehrt. Nach dem Tod Mohammeds stieg sie aktiv in die Politik ein und bekämpfte den vierten Kalifen Ali, dem sie jedoch in der sog. „Kamelschlacht“ unterlag. Aischa lebte bis zu ihrem Tod in Medina.
Aishwarya Rai
Aishwarya Rai (geb. 1973) ist ein Ex-Model und ehemalige Miss World (1994). Seit 1997 ist sie auch als Schauspielerin tätig. 2007 heiratete sie Abhishek Bachchan und ist somit Schwiegertochter des Superstars Amitabh Bachchan.
Aksum-Reich
Die Gründung von Aksum lässt sich nicht sicher datieren. Die ältesten archäologischen Funde stammen aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert. Die Kernregion des Reiches umfasste das Hochland von Eritrea und Tigray sowie die vorgelagerte eritreische Küste. Auf dem Gipfel seiner Macht erstreckte sich das Reich jedoch im Norden bis Meroe im heutigen Sudan, im Süden bis Assab und im Westen über das Rote Meer hinaus bis in den Jemen. Das Aksumreich war ein typisches Handelsreich, das in reger Interaktion mit Persien, Griechenland, Rom, Indien und Ceylon stand. Im dritten und vierten Jahrhundert n. Chr. war das Aksumreich das drittgrößte Reich der Welt. Der Niedergang von Aksum wurde durch die Expansion des Islams eingeleitet. Als ab Mitte des siebten Jahrhunderts das Rote Meer unter muslimische Kontrolle geriet, verloren die Aksumiten ihren Meereszugang infolgedessen ein langsamer Machtverlust einsetzte. Um die Jahrtausendwende war der wirtschaftliche und politische Niedergang des aksumitischen Reiches nicht mehr aufzuhalten, und es folgte eine Zersplitterung des Reiches in kleinere Fürstentümern.
Al-Bakri
Al-Bakri war ein andalusischer Geograph des 11. Jhd.. Er schrieb zahlreiche Werke zur Geographie der islamischen Welt, insbesondere Afrikas. Bemerkenswert bei diesem Geographen ist, dass er Länder und Orte beschreibt, in denen er nie war. Unter Historikern und Geographen ist Al-Bakri für seine Objektivität bekannt.
al-Bukhari
Mohammed ibn Ismail al-Bukhari (810-870) war ein islamischer Gelehrter, der vor allem für seine Hadithsammlung Sahih al-Bukhari berühmt wurde. Sie ist eine der sechs wichtigsten Hadithsammlungen der sunnitischen Tradition. Hadithe sind mündlich vom Propheten tradierte Ereignisse, die zu seinen Lebzeiten stattgefunden haben sollen, bzw. Aussprüche, die er seinen Gefolgsleuten mitgeteilt hat. Für die traditionelle Art der Korankommentierung waren die Überlieferungen von den Taten und Aussprüchen des Propheten Mohammed besonders wichtig. Jede dieser Überlieferungen musste über möglichst lückenlose Angaben zu denjenigen, die sie weitergegeben haben, legitimiert werden. Die Tradentenkette (isnad, wörtl. „Stütze") bildet demnach einen essentiellen Bestandteil der eigentlichen Information. Bei allen mit der Erklärung des Korans zusammenhängenden Überlieferungen kam es darauf an, die Tradentenkette bis in die größtmögliche Nähe des Propheten bzw. seiner Familie und seiner Gefährten (sahaba) verfolgen zu können. Die Hadithsammlung Bukharis wurde zum Teil ganz, zum Teil nur partiell in verschiedene europäische Sprachen übertragen, darunter ins Englische, Deutsche und Französische.
al-Hasan
Al-Hassan ist der erste Sohn von Ali, dem Vetter des Propheten Mohammed, und seiner Frau Fatima, der Tochter des Propheten. Al-Hassan ist somit der Enkel des Propheten und sein nächster männlicher Verwandter, da dieser keinen Sohn hinterlassen hatte. Die Schiiten erhoben ihn deshalb nach seinem Vater Ali zum zweiten Nachfolger des Propheten und bezeichneten ihn als zweiten Imam (Vorsteher). Sein Name wird bei den Schiiten auch mit dem Artikel „al“ („der“) versehen, um ihn besonders zu kennzeichnen. Die Nachfolge des Propheten war jedoch zwischen den frühen Muslimen umstritten. Al-Hassan soll daher auf sein Amt verzichtet haben, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. An seine Stelle trat sein Bruder al-Husain, der 680 n.Chr. in der Schlacht bei Kerbela (Irak) getötet wurde und von den Schiiten bis heute als Märytrer gefeiert wird.
al-Husain
Al-Husain ist der zweite Sohn von Ali, dem Vetter des Propheten Mohammed, und seiner Frau Fatima, der Tochter des Propheten. Al-Hassan ist somit neben seinem Bruder al-Hassan der zweite Enkel des Propheten. Die Schiiten erhoben ihn deshalb nach seinem Vater Ali und seinem Bruder Hassan zum dritten Nachfolger des Propheten und bezeichneten ihn als dritten Imam (Vorsteher). Sein Name wird bei den Schiiten auch mit dem Artikel „al“ („der“) versehen, um ihn besonders zu kennzeichnen. Al-Hussein wurde 680 in einer Schlacht bei Kerbela (Irak) getötet und wird daher von den Schiiten bis heute als Märtyrer gefeiert. Sein Sohn Ali, der während der Schlacht erkrankt und im Zelt geblieben war, überlebte und wurde zum vierten Imam ernannt.
al-Kamil
Geboren 1180, gestorben 1238, teilte al-Kamil den Ayyubidenthron mit seinen beiden Brüdern und regierte in Ägypten. Dort galt er als Al-Malik Al-Kamil, „der vollkommene König“. In seine Regierungszeit fiel der fünfte Kreuzzug (1228-1229), der von Friedrich II von Sizilien organisiert wurde. Mit diplomatischem Geschick wusste Al-Kamil die schlimmsten Zerstörungen zu vermeiden und schloss 1229 mit dem Frieden von Jaffa ein Friedensabkommen mit Friedrich. In der Folge ermöglichte dieser Friedensvertrag einen intensiven kulturellen, diplomatischen und wirtschaftlichen Austausch rundum das Mittelmeer.
Al-Madina al-Munawwira
Al-Madina al-Munawwira heißt auf deutsch „die leuchtende Stadt". Gemeint ist die Stadt Medina im heutigen Saudi-Arabien, auch als „Stadt des Propheten" (Madinat an-Nabi) bekannt. Ihr vorislamischer Name ist Yathrib.
Al-Qaida
Al-Qaida (arab.) „Die Basis". Ein loses Netzwerk radikal-militanter Gruppen, das über keine festen Strukturen verfügt. Ihr Ursprung ist in der sowjetischen Besetzung Afghanistans (1979-89) zu suchen. Seit Anfang der 1980er Jahren hatten radikale Denker, darunter der Unternehmer Osama Bin Laden und der Theologe Azzam, von Pakistan aus versucht, für finanzielle und personelle Unterstützung für den Kampf der Mudschaheddin gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans zu werben. Neben der Unterstützung aus islamischen Ländern erhielten sie dabei auch die Hilfe des pakistanischen Geheimdienst ISI und der USA. Azzam entwickelte die Theorie der "Verteidigung der muslimischen Territorien als persönliche Pflicht des Muslim", die heute als die Ideologie islamisch-radikaler Gruppen gilt und den „Notstand" legitimiert.
al-Tabari
Muhammad ibn Dscharir al-Tabari (838-923) ist vermutlich der populärste Koranexeget der islamischen Welt. Sein dreißigbändiges Werk, der tafsir al-tabari, gilt als der erste umfassende Korankommentar überhaupt. Die darin enthaltenen Auslegungen dienten zahlreichen islamischen Rechtsgelehrten als Grundlage für ihre eigenen Kommentare der Heiligen Schrift.
Alawiten
Die Alawiten sind eine vor allem in Westsyrien und im Südosten der Türkei verbreitete schiitische Abspaltung. Die Glaubensrichtung wurde im 9. Jh. im Irak von Muhammad ibn Nusair an-Namiri begründet. Die Alawiten folgen einer mythischen Lehre von der Entstehung der Welt und glauben an den göttlichen Charakter von Ali ibn Abi Talib (erster Imam der Schiiten und Vetter und Schwiegersohn des Propheten Muhammad). Im Laufe der Geschichte gab es verschiedene alawitische Dynastien in Nordafrika, Jemen, Mekka, Nordiran und Andalusien. In Syrien sind seit 1966 alawitische Offiziere der Baath-Partei an der Macht, zu denen auch der amtierende Präsident Bashar al-Assad gehört.
Aleppo
Die nordsyrische Stadt Aleppo (arab.: haleb) ist mit knapp zwei Mio. Einwohnern nach Damaskus die zweitgrößte Metropole Syriens. Aleppo gehört zu den ältesten und bedeutendsten Städten des Nahen Ostens, seine Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Bedingt durch ihre geopolitische Lage war die Stadt im Laufe der Geschichte immer wieder wichtiger Handels- und Vermittlungspunkt zwischen den angrenzenden Reichen. Bis heute ist Aleppo Zentrum der Textilindustrie Syriens. Ob Aleppo tatsächlich, wie immer wieder behauptet, zu den ältesten durchgängig besiedelten Städten der Welt gehört, ist schwer nachzuweisen, da die moderne Überbauung kaum Möglichkeiten für archäologische Untersuchungen bietet.
Aleviten
Aleviten stellen in der Türkei eine religiöse und kulturelle Minderheit, die sich seit dem 13. Jh. in Anatolien aus der Schia entwickelte. Für ihre Entwicklung spielte der Sufi-Heilige und mystische Führer Haci Bektash Veli eine wichtige Rolle. Die Aleviten sehen sich als direkte Nachfahren von Ali, dem Cousin und Schwiegersohn des Propheten Mohammeds. Der Martyrertod von Ali und seinen beiden Söhnen spielt im religiösen Erleben eine wichtige Rolle. Im Glauben und Ritual unterscheiden sich die Aleviten grundlegend von sowohl Schiiten als auch Sunniten: sie halten sich weder an den Ramadan, noch an das tägliche Gebet oder unternehmen die Pilgerfahrt nach Mekka. Zudem erkennen sie die Autorität der Scharia nicht an. Aleviten wurden im Osmanischen Reich heftig verfolgt, auch in der modernen türkischen Republik haben sie keinen anerkannten religiösen Status. Die in Deutschland ansässige Gemeinschaft führt seit zehn Jahren Diskussionen, ob sie wirklich zum Islam gehören oder aber eine gänzlich andere Religion vertreten will.
Alfred Farag
Alfred Farag (1929 - 2005) studierte Literatur, arbeitete als Englischlehrer, dann als Journalist. Er spezialisierte sich auf die Kunstkritik und vor allem auf Theaterkritik. Zudem schrieb er seit 1956 zahlreiche Theaterstücke. Farag wurde zwischen 1959 und 1963 als linker Intellektueller in Ägypten politisch inhaftiert. Wie andere Intellektuelle bekam er 1973 unter der Regierung Sadats ein Schreibverbot und wurde aus dem öffentlichen Leben verbannt. Er ging ins freiwillige Exil, lebte und arbeitete in Algerien (1973-1978), dann in Großbritannien, wo er bis 1986 lebte. Farag war von der europäischen Kunst und Literatur fasziniert, griff aber leidenschaftlich auf die arabische literarische Tradition zurück und verfasste vor allem moderne Dramen, die von der Tradition inspiriert sind.
Ali
Ali war der Cousin und später auch Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Er war mit der Prophetentochter Fatima verheiratet und einer der ersten Anhänger Mohammeds. Für die Schiiten gilt Ali deshalb als rechtmäßiger Nachfolger des Propheten, da dieser keinen lebenden Sohn hinterlassen hatte. Aus dem Kreis der Prophetengefährten wurde Ali zum vierten Kalif (Nachfolger des Propheten) erhoben. Die Schiiten vermeiden diesen Titel, da es vor Ali noch drei andere Kalifen gab, die sie nicht anerkennen. Für sie ist er der erste Imam (Vorsteher). Ali wurde 661 von einem persönlichen Feind erstochen und in Nadschaf (Iran) begraben. Sein Grab ist eine der wichtigsten Pilgerstätten für die Schiiten. Seine Söhne Hassan und Husain werden von den Schiiten als zweiter und dritter Imam verehrt.
Ali Ben Abi Talib
Ali Ben Abi Talib (603-661) („Ali, Sohn von Abu Talib") war ein Cousin des Propheten Mohammad. Er heiratete dessen Lieblingstochter Fatima, und nach dem Tod des Propheten hatte er als vierter in der Reihe das Amt des Kalifen inne (s. Die rechtgeleiteten Kalifen). Er gilt den Muslimen als Heiliger (Wali Alla oder „Freund Gottes"), als Krieger und als Imam. Man sagt ihm nach, dass er in der Kriegsführung keine glückliche Hand hatte. So erlitt er mehrere große Niederlagen gegen Gruppen muslimischer Aufständischer, die die Macht an sich reißen wollten. Die Niederlage bei Kerbela (Irak), wobei auch seine Frau und seine kleinen Söhne Hassan und Hussein getötet wurden, hat sich tief im kollektiven Gedächtnis der Schiiten verankert. Das Wort „Schiiten" ist von Schiat Ali abgeleitet, der „Partei Alis´". Nach Alis Tod - er wurde in der Moschee ermordet - gründeten seine Anhänger eine eigene Richtung im Islam: die Schia. Sein Grab, ein wichtiger Pilgerort, steht in Kufa/Irak.
Allameh Tabatabai
Allameh Tabatabai (1892-1981) ist einer der bedeutendsten schiitischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Sein Kommentar des Koran, der tafsir al-mizan, umfasst insgesamt 20 Bände und ist für den schiitischen Islam der Gegenwart von großer Bedeutung.
Almohaden
Wie die Almoraviden ging die Dynastie der Almohaden (arab. Al Muwahhidun, „die sich zur Einheit Gottes Bekennenden") aus einer streng orthodoxen religiösen Reformbewegung hervor. Als ihr Gründer gilt Ibn Tumart (1077-1128), der die Berberstämme Marokkos zum Aufstand gegen die Almoraviden organisierte. Sein Nachfolger Abd Al Mumin (1130-1163) eroberte Nordwestafrika sowie das arabische Spanien. Anfang des 13. Jahrhunderts ging den Almohaden die Herrschaft über Spanien verloren, 1269 wurden sie auch in Marokko gestürzt.
Almoraviden
Die Almoraviden (arab. Al Murabitun, „die Grenzkämpfer") bildeten Mitte des 11. Jh. eine streng orthodoxe Glaubensbewegung. Ihr Ursprung ist in dem berberischen Stamm der Senhadscha zu finden. Almoraviden herrschten über Nordafrika und Spanien, bis sie 1147 von den Almohaden gestürzt wurden.
amal
Arabischer Begriff für "die Arbeit"; "das was man tut"; "gute Werke"; "Gebete, die man freiwillig auf sich genommen hat".
Amerikanische Univerität Beirut
Die Amerikanische Universität Beirut ist eine der angesehensten Universitäten im Nahen Osten. Sie wurde 1862 von protestantischen Missionaren gegründet und gehört zur New York Universität. Studierende aus der ganzen Region kommen hierher zum Studium. Die Ausbildung ist teuer, aber an die besten Studenten werden Stipendien vergeben.
Amitabh Bachchan
Amitabh Bachchan (geb. 1942), auch genannt Big B („Großes B"), gilt als wichtigster indischer Superstar seit den 1970ern. Anfang der 1980er verließ er kurzzeitig die Filmindustrie, um eine politische Karriere zu starten, kehrte dann aber auf die Leinwand zurück. An seine früheren Erfolge konnte er erst seit 2000 wieder anknüpfen, als er im Fernsehen die Show Kaun Banega Crorepati („Wer wird Millionär") übernahm.
Annemarie Schimmel
Annemarie Schimmel (1922-2003) war eine der letzten großen deutschen Orientalisten und galt zeitlebens als eine der wenigen Frauen, die sich in der arabischen, türkischen, persischen und indischen Literatur auskannte. Von 1961 bis 1967 lehrte sie an der Universität Bonn, anschließend in Harvard, wo sie bis zu ihrem Ruhestand blieb. Ihre große Liebe galt der islamischen Mystik, über die sie zahlreiche Bücher verfasste und deren Texte sie aus dem Türkischen ins Persische, aus dem Persischen ins Arabische, aus dem Arabischen ins Urdu übertrug. Dafür wurde sie in der gesamten islamischen Welt bewundert, ja sogar verehrt. Muslime sagen bis heute, „Annemarie Schimmel hat uns unsere Seele zurück gegeben". In ihrem Heimatland Deutschland galt sie jedoch als naiv und romantisch, weil sie apolitisch war, keine kritische Distanz zur islamischen Revolution in Iran forderte und einmal einem Freund bekannte, die Fatwa gegen Salman Rushdie verstehen zu können. Als sie 1995 der deutsche Buchhandel mit dem Friedenspreis ehren wollte, wurde Annemarie Schimmel vorübergehend zum Medienskandal.
Ansar As-Sunna
„Verteidiger der Sunna", ost-afrikanische islamische Reformbewegung
Antiochien
Das Fürstentum Antiochien existierte von 1098 bis 1268 und war einer der so genannten Kreuzfahrerstaaten, die während des Ersten Kreuzzugs entstanden. Es umfasste ein kleines Gebiet in Syrien und Teilen der heutigen Türkei. Die christlichen Kreuzfahrer hatten die gleichnamige Stadt (heute Antakya) unter Führung des normannischen Adligen Bohemund von Tarent eingenommen. Dabei massakrierten sie große Teile der muslimischen Bevölkerung.
Anwar as-Sadat
Muhammad Anwar as-Sadat war ägyptischer Staatspräsident von 1970 bis 1981. Er war der erste arabische Staatschef, der ein Friedensabkommen mit Israel aushandelte. Dies führte zu einer Rückgabe der von Israel besetzen Sinai-Halbinsel, aber zugleich auch zu einer vorübergehenden Isolation Ägyptens innerhalb der arabischen Welt. Zusammen mit Israels Premierminister Menachem Begin erhielt Sadat den Friedensnobelpreis. Innenpolitisch blieb er insbesondere aufgrund seines gewaltsamen Vorgehens gegen oppositionelle Strömungen stets umstritten. Im Oktober 1981 fiel Anwar as-Sadat einem Attentat zum Opfer.
Arabesk-Musik
Die Geschichte der Arabesk-Musik in der Türkei beginnt mit der Binnenmigration vom Land in die Stadt in den frühen 1960er Jahren. Sie ist ein Begleitphänomen der Urbanisierung. Arabesk wird hauptsächlich in Verbindung mit Musik, aber auch Filmen, Romanen und Fotoromanen verwendet. Die Arabesk-Musik verbindet westliche und orientalische Instrumente mit arabischen Rhythmen. Diese synkretische Musikform nutzt Instrumente und Beats der traditionellen türkischen Volksmusik. Die Ausstrahlung von Arabesk-Musik im Fernsehen war bis Anfang der 1980er Jahre verboten. Die konservativ-populistische Regierung Turgut Özals hob das Verbot Mitte der 1980er Jahre auf. Charakteristisch für die Arabesk-Musik sind durch Fatalismus, Sentimentalität und Pessimismus geprägte Texte und Rhythmen. Früher gaben die Texte einer irrationalen und pessimistischen Reaktion von Menschen vom Land auf den urbanen Kapitalismus Ausdruck. Heute stehen andere Themen im Mittelpunkt. Statt dem pessimistischen Lebensgefühl in der Stadt Ausdruck zu geben, loben die Texte die Schönheit und Idylle eines früheren Lebens. Sie rufen zur Rückkehr zu den Ursprüngen auf. Die soziologische Dimension der Arabesk-Musik in der Türkei ist Gegenstand umfassender wissenschaftlicher Untersuchungen. Auch Islamic Force verwendete als Samler alte populäre türkische Melodien von Baris Manço, Zülfü Livaneli und Sezen Aksu.
Arabische Liga
Die Arabische Liga ist eine zwischenstaatliche Organisation arabischer Staaten mit Sitz in Kairo. Sie wurde 1945 gegründet und umfasst mittlerweile 22 Staaten von Marokko bis Oman. Ziel der Arabischen Liga ist die politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenarbeit der arabischen Staaten.
Aschura
Aschura (arab. Zehner) ist ein Fest, das nach dem Todestag des schiitischen Imam al-Husain benannt ist (dem 10. Tag des islamischen Monats Muharram). Das Aschura-Fest wird von den Schiiten mit zahlreichen Ritualen begangen, die die Trauer um den Märtyrertod von al-Husain zum Ausdruck bringen. Zu den Ritualen gehören das Vortragen von Klagegedichten und die Darstellung der Taten und des Martyriums der einzelnen Imame in Festzügen oder als Passionsspiel auf der Bühne. Bekannt und umstritten (auch unter schiitischen Religionsgelehrten) sind die Geißlerprozessionen, bei denen meist junge Männer sich die Rücken mit Peitschen oder Ketten schlagen oder sich die Stirn mit Schwertern blutig ritzen. Es handelt sich dabei um Bußübungen: gebüßt werden die gemeinschaftliche Schuld der Schiiten, die in der Schlacht von Kerbela (Irak) den Imam al-Husain im Stich gelassen hatten, aber auch individuelle Sünden.
Atatürk
Mustafa Kemal (1881-1938), der spätere Atatürk („Vater der Türken"), kam 1881 in der griechischen Vielvölkerstadt Tessaloniki zur Welt. Er durchlief eine Karriere im osmanischen Militär und verteidigte während des ersten Weltkrieges bei Gallipoli die Dardanellen gegen die alliierten Streitmächte, was ihm den Beinamen „Retter von Istanbul" einbrachte. Nach Beendung des Weltkriegs wurde die Türkei jedoch von den alliierten Mächten besetzt. Mustafa Kemal formierte daraufhin die „nationale Befreiungsarmee" und vertrieb 1922 schließlich alle fremden Besatzer. 1923 übernahm er die Neuorganisation des auseinander gefallenen Osmanischen Reiches, verordnete der türkischen Gesellschaft weitgehende Reformen und zwang ihre Bürger, sich äußerlich und innerlich dem europäischen Vorbild anzugleichen. Zum „Vater der Türken" avanciert, übernahm er 1936 die Präsidentschaft der neuen türkischen Republik. Seine letzte Ruhestätte, die Anit Kabir in Ankara, bildet bis heute den wichtigsten Erinnerungsort der laizistischen Türkei.
ATIB
ATIB ist die Abkürzung für Avusturya Türkiye Islam Birligi – Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich. Es handelt sich dabei um den größten Verband von Muslimen mit türkischem Hintergrund in Österreich. Etwas mehr als 60 Mitgliedsvereine sind hier zusammengeschlossen. Der Hauptsitz befindet sich in Wien. Ähnlich wie DITIB in Deutschland ist auch ATIB mit der türkischen Religionsbehörde verbunden und erhält ihre Imame von dort.
AUB
Die Amerikanische Universität Beirut ist eine der angesehensten Universitäten im Nahen Osten. Sie wurde 1862 von protestantischen Missionaren gegründet und gehört zur New York Universität. Studierende aus der ganzen Region kommen hierher zum Studium. Die Ausbildung ist teuer, aber an die besten Studenten werden Stipendien vergeben.
Ayatollah
Ayatollah (arabisch: „ayat allah“, „Zeichen Gottes“) ist ein Ehrentitel, der bedeutenden schiitischen Rechtsgelehrten verliehen wird. Der Titel wird für Personen verwendet, die aus Sicht der Gläubigen ein so hohes Maß an Frömmigkeit und Gelehrsamkeit zeigen, dass darin Gottes Absichten zum Ausdruck kommen.
Ayyubiden
Die Ayyubiden sind eine muslimisch-kurdische Dynastie. Sie herrschten über Ägypten von 1171 bis 1252. Begründet wurde die Dynastie 1171 von Saladin. Diese Dynastie gilt als Nachfolge bzw. als Erbin der fatimidischen Dynastie. Die Herrschaft der Ayyubiden leistete einen großen Beitrag beim Kampf gegen die Kreuzfahrer.
Azhar-Universität
Die Azhar-Moschee in Kairo ist das wohl bedeutendste geistige Zentrum des sunnitischen Islam. Ursprünglich auf eine schiitische Gründung aus dem Jahre 971 zurückgehend entwickelte sich al-Azhar bereits im Mittelalter zu einer Hochburg religiöser Gelehrsamkeit. Schon damals erfüllte sie quasi eine Doppelfunktion als Moschee und Universität, wenngleich ihr letzterer Status offiziell erst im Jahre 1953 zuerkannt wurde. Im Jahre 1961 wurde die Universität, die bis dahin nur in einem theologischen Rahmen ausgebildet hatte, schließlich unter direkte staatliche Kontrolle gestellt und grundlegend reformiert. Neben der bestehenden theologischen Fakultät wurden neue, weltliche Fakultäten eröffnet, welche die Modernisierung Ägyptens vorantreiben sollten. Heute existieren an der Azhar-Universität Studiengänge wie an jeder anderen modernen Universität auch, so zum Beispiel Medizin, Chemie, Landwirtschaft, Arabische Sprache oder Wirtschaft. Wer zu den über 375.000 Studierenden der Azhar gehören möchte, muss an speziellen Schulen in Ägypten oder in islamischen Zentren im Ausland ein „azharitisches" Abitur ablegen.
Azmi Bishara
Azmi Bishara wurde am 22. Juli 1956 in Nazareth als Sohn einer palästinensisch-christlichen Familie geboren. Er ist israelischer Staatsbürger. Zwischen 1996 und 2007 war er Abgeordneter im israelischen Parlament, der Knesset. Als im Frühjahr 2007 Anschuldigungen wegen Hochverrats gegen ihn erhoben wurden, trat er von seinem Amt zurück und kehrte Israel den Rücken. Seinen Doktor der Philosophie erwarb Azmi Bishara an der Humboldt Universität in Berlin im Jahr 1986. Danach arbeitete er als Wissenschaftler an der Bir Zeit Universität in Ramallah und an Forschungseinrichtungen in Israel. Für seinen Einsatz für Menschenrechte und Demokratie erhielt er 2002 den Ibn-Rushd-Preis für freies Denken.
Baath-Partei
Die Baath-Partei (arab., „Wiedergeburt") wurde 1947 in Damaskus von Michel Aflak gegründet und ist eine ursprünglich panarabisch-sozialistisch orientierte politische Partei. Der ideologische Anspruch der Gründer war es, alle arabischen Länder zu vereinigen und dadurch wieder zu vergangener Stärke zu führen. Die westliche Demokratie wurde abgelehnt und stattdessen ein sozialistisch orientiertes System bevorzugt. Gegenwärtig ist die Baath-Partei nur in Syrien an der Regierung beteiligt, in allen anderen arabischen Staaten wirkt sie im Untergrund. Im Irak war die Baath-Partei ein wichtiges Instrument des Regimes von Saddam Hussein. Nach dessen Sturz durch eine amerikanisch-britische Militärintervention 2003 wurde die irakische Baath-Partei für offiziell aufgelöst erklärt.
Babri Moschee
Die Babri Moschee wurde 1528 vom Mogulherrscher Babur im nordindischen Ayodhya (Uttar Pradesh) errichtet. Eine Legende besagt, dass die Moschee sich an der Stelle befindet, wo zuvor ein Hindu-Tempel den Geburtsort des Gottes Ram markierte. Die Moschee wurde 1992 von radikalen Hindu-Nationalisten fast vollständig zerstört, um einem neuen Hindu-Tempel Platz zu machen. Die daraus folgenden religiösen Unruhen zwischen Hindus und Muslimen griffen auf das ganze Land über. Dabei sollen zwischen 1000 und 2000 Muslimen getötet worden sein.
Bambara
Das Volk Bambara (auch: Bamana) zählt etwa vier Millionen Menschen, die zwischen Südost-Mali und Burkina Faso zerstreut leben und die Sprache Bambara sprechen.
Barelwi
Eine Madrasa, die von Ahmad Riza Khan, einem berühmten sunnitischen Gelehrten des 19. und 20. Jahrhunderts, in Indien gegründet wurde. Barelwis sind hanafitische Sunniten und haben enge Beziehungen zum Sufismus.
Bashar al-Assad
Bashar al-Assad (geb. 1965) ist seit 2000 syrischer Präsident. Er übernahm das Amt von seinem Vater Hafez al-Assad, der Syrien 30 Jahre lang autoritär regiert hatte. Bashar al-Assads Machtübernahme löste in der in der Bevölkerung große Hoffnungen auf Reformen und Wandel aus, da der junge Präsident als aufgeschlossen, gebildet und modern galt. Die Reformbemühungen seines Regimes beschränken sich jedoch bislang vor allem auf eine wirtschaftliche Liberalisierung. Grundlegende politische Reformen blieben bisher aus.
Berber
Berber sind die Ureinwohner Nordafrikas. Das Wort ist eine Erbschaft der griechisch-römischen und der arabisch-islamischen Geschichtsschreibung. Heute erfahren Mitglieder dieser Gruppe die Bezeichnung als herablassend. Stattdessen bevorzugen sie Amazighiyīn („die Freien").
Bostra
Bostra war eine antike Stadt im Hauran, die seit dem 2. Jahrhundert v.Chr. zum Nabatäer-Reich gehörte. Durch den römischen Kaiser Trajan wurde sie in das Römische Reich eingegliedert und zur Hauptstadt der neuen Provinz erklärt. Bostra war ein wichtiges Handelszentrum, da hier Hauptstraßen zum Roten Meer entlang liefen. Die Stadt war mit vielen Kirchen, Theatern und anderen prunkvollen Bauten eine Perle der damaligen Zeit. Viele dieser Bauten wurden bei einem Erdbeben 1157 zerstört. 1980 wurde die Altstadt von Bostra in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.
Brüder Lumière
Die französischen Brüder Auguste (st. 1954) und Louis (st. 1948) Lumière gelten als Pioniere der Photographie und des Kinos. Sie erfanden den Cinématographe, einen Filmprojektor, der gleichzeitig auch als Filmkamera eingesetzt werden konnte. Die ersten Vorführungen mit diesem Gerät erfolgten in Paris im Dezember 1895.
Britische Kolonialzeit
Vor den Briten hatten bereits die Portugiesen, die Niederländer und die Franzosen einzelne Gebiete Indiens kolonialisiert. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts verdrängten die Briten jedoch alle anderen Staaten. Die Britische Ostindien-Kompanie (Englisch: East-India Company) setzte sich ab 1757 nicht nur militärisch durch, sondern errichtete eine Verwaltung und beutete das Land auch wirtschaftlich aus. Widerstand der Inder, z.B. im Soldaten-Aufstand (Englisch: "Sepoy-Mutiny") von 1857 wurden blutig niedergeschlagen. Ab 1877 nannte sich die englische Königin Victoria (regierte 1837-1901) auch "Kaiserin von Indien". Ihr Herrschaftsgebiet Britisch-Indien umfasste die heutigen Staaten Indien, Pakistan, Bangladesch und Birma. Die britische Kolonialherrschaft über Indien dauerte bis 1947.
Burqa
Die burqa ist ein zumeist schwarzer Überwurf, der Kopf und Körper der Frau bedeckt. In Indien und Pakistan lässt die burqa die Augen meist frei, während in Afghanistan die burqa in der Regel auch die Augen (mittels eines Netzes) bedeckt.
Dabka
Dabka ist ein arabischer Gesellschaftstanz, der in vielen arabischen Ländern verbreitet ist. Er wird in Reihe getanzt, die Tänzer halten sich entweder an den Händen oder umfassen die Schultern der anderen. Dabka bedeutet so viel wie "mit dem Fuß auf den Boden stampfen" und ist ein Tanz, der auf keiner Hochzeit oder auch bei anderen freudigen Anlässen fehlen darf. Die Schritte des Tanzes werden vom ersten Tänzer vorgegeben, so dass sie spontan und sehr variabel sind.
Damaskus
Damaskus (arab.: dimaschq) ist die Hauptstadt Syriens und gehört zu den wichtigsten religiösen Zentren des Nahen Ostens. Die Stadt hat nach offiziellen Angaben 1,6 Mio. Einwohner (andere Schätzungen liegen weit darüber) und gilt als älteste kontinuierlich bewohnte Stadt der Geschichte. In der durch mittelalterliche Bauten geprägten Altstadt (UNESCO-Weltkulturerbe) befindet sich die berühmte Umayyadenmoschee, die im 8. Jh. als eine der ersten und größten islamischen Moscheen entstand. Auch ist Damaskus Sitz mehrerer Bischöfe und Patriarchen.
Im 7./8. Jh. war die Stadt Zentrum des Umayyadenreiches, später diente sie den Ayyubiden und Mamluken als Residenz, 1516-1918 war sie unter türkischer Herrschaft. 1920 wurde Damaskus Hauptstadt des französischen Völkerbundsmandats Syrien, 1946 des unabhängigen Staates Syrien.
Dars-i-Nizami
Dars-i-Nizami ist ein Lehrplan, der von Mullah Nizamuddin Sihalawi (gest. 1747) in Südasien entwickelt wurde und nach dem in vielen Madrasas immer noch unterrichtet wird. Ziele des Dars-i-Nizami sind, die Einheit der muslimischen Umma zu stärken, das islamische Recht lebendig zu erhalten und die Normen des Islam zu verbreiten. Der Lehrplan besteht aus zwanzig Fächern, die in „traditionell-religiöse" und „wissenschaftlich-vernunftbezogene" eingeteilt werden. Der letztgenannte Bereich enthält die Themen Grammatik, Rhetorik, Prosa, Logik, Philosophie, Literatur, Theologie, Medizin, Koranauslegung (Tafsir), Hadith, Polemik und Recht.
Darura
Darura ("soziale Notwendigkeit") ist ein Terminus der islamischen Juriprudenz und hängt mit dem Erlauben von Gewohnheitsrecht (‘Orf) zusammen. Der Richter rechtfertigt die vor Ort gebräuchlichen Gewohnheiten oft mit sozialer Notwendigkeit: "Die Notwendigkeiten erlauben die Verbote", wie das Sprichwort besagt. Dieser Rekurs auf das allgemeine Wohl lässt sich aber nur als exceptio necessitatis, als notwendiger Ausnahme, definieren, und zwar eine Ausnahme, die an Ort und Zeit gebunden ist (s. auch Orf).
Das Grosse Spiel
Der von Rudyard Kipling geprägte Ausdruck „Great Game" (engl.: „Großes Spiel") steht für die Auseinandersetzungen zwischen England und Russland um Macht und Einfluss in Afghanistan im 19. Jahrhundert. Dabei wollte England seine Kolonialgebiete in Indien abschirmen, Russland strebte einen Zugang zum Indischen Ozean an. Heute ist im Zusammenhang mit neuen divergierenden Machtinteressen in Afghanistan oft vom „neuen großen Spiel" die Rede.
Delhi-Sultanat
Das Sultanat von Delhi ist ein Reich von muslimischen Herrschern in Nordindien. Vier Herrscher-Dynastien unterwarfen nach und nach die Gebiete zumeist hinduistischer Fürsten: erstens die Khilji Dynastie (1290-1320), zweitens die Tughluk Dynastie (1320-1413), drittens die Sayyid Dynastie (1414-1451) und zuletzt die Lodhi Dynastie (1451-1526). Das Sultanat von Delhi war sehr instabil. Schließlich setzten sich die Mogulherrscher durch.
Deobandi
Diese Madrasa wurde 1866 in Deoband im indischen Uttar Pradesh gegründet. Sie folgt der hanafitischen - einer sunnitischen - Rechtsschule, strebt die Rückkehr zu einem „reinen Islam" an So lehnt sie beispielsweise den Besuch von Gräbern ab, den sie als unislamisch ansieht.
der algerische Unabhängigkeitskampf
Von 1954 bis 1962 führte die algerische Unabhängigkeitsbewegung einen Unabhängigkeitskampf gegen Frankreich, unter dessen Kolonialherrschaft das Land seit 1830 stand. Wichtigster Akteur auf algerischer Seite waren die FLN (Front de Libération Nationale, franz.: Nationale Befreiungsfront) und ihr militärischer Arm ALN (Armée de Libération Nationale, franz.: Nationale Befreiungsarmee). Der Kampf wurde von beiden Seiten äußerst brutal geführt und forderte mehrere Hunderttausend Opfer. Am 5. Juli 1962 endete er mit der Unabhängigkeit Algeriens.
Der heilige Berg Qasiun
Der heilige Berg Qasiun: erhebt sich mit einer Höhe von 1150 Metern über NN. Er ist die Verlängerung der westsyrischen Gebirgskette. Aufgrund der historischen Ereignisse und Legenden wie die Ermordung Abels durch seinen Bruder Kain oder die Zuflucht Johannes des Täufers, die sich hier zugetragen haben, gilt der Berg, an dessen Fuß sich Damaskus erstreckt, als heilig.
Deutsche Konvertiten
Nach Schätzungen des Islam-Archiv in Soest sind in der gesamten Nachkriegszeit rund 18.000 Deutschen zum Islam konvertiert. Diese Zahl gleicht der Zahl der zum Buddhismus konvertierten Deutschen im selben Zeitraum. Für Moscheegemeinden, die sich in der Vergangenheit mit typischen Problemen von Migranten, wie fehlende Sprachkenntnisse, Unvertrautheit mit behördlichen Strukturen sowie Anforderungen des Dialogs konfrontiert sahen, spielten Konvertiten stets eine wichtige Rolle, obwohl diese letztendlich in den türkisch- und arabischsprachigen Gemeinden Außenseiter blieben. Eine Reihe Initiativen, wie Das Haus des Islam (Lützelbach), Das Islam-Archiv (Soest) oder Die Islamische Zeitung (Potsdam) sorgen für die spezifischen Bedürfnisse der Konvertiten, wie religiöse Unterweisung in deutscher Sprache sowie die Übersetzungen der wichtigsten Werke muslimischer Gelehrsamkeit. Seit 2009 die s.g. „Sauerland-Terroristen“ gefasst wurden, standen deutsche Konvertiten vorübergehend unter Generalverdacht, den Terrorismus zu unterstützen.
Dhimmi
Dhimmi sind monotheistische Nichtmuslime. Sie werden auch Kitabi (Besitzer eines heiligen Buches) genannt. Unter diese Kategorie gehören Christen, Juden, Zoroastrier und die Sabier. Im Islamischen Recht wird der Begriff „Dhimmi" für Nichtmuslime benutzt, die nach islamischem Recht im muslimischen Territorium geduldet sind und die gegen Bezahlung einer Kopfsteuer den Schutz des muslimischen Staates genießen.
Diaspora
Diaspora kommt von dem griechischen Wort für „Verstreuen“. Der Begriff bezieht sich auf Menschen, die sich einem bestimmten Kulturkreis, einer Religion, Nation, Region oder Ethnie zugehörig fühlen, aber – oft unfreiwillig – in verschiedenen Gebieten „verstreut“ leben. Ihr Gefühl der Verbundenheit drücken sie durch bestimmte Praktiken, Ideen und Austauschprozesse aus. Der Begriff verbreitete sich vor allem im Zusammenhang mit der jüdischen Diaspora seit dem 6. Jahrhundert.
Die rechtgeleiteten Kalifen
Der Prophet Mohammed hatte vor seinem Tode keinen Nachfolger benannt, sondern lediglich ausgesagt, dass der jeweils Gläubigste in der Gemeinde fortan im Gebet vorgehen solle. Nach seinem Tode (632 n. Chr.) regierten darum zunächst die vier s.g. „rechtgeleiteten Kalifen", besonders gläubige Männer, die von der (männlichen) Gemeinde, der Umma, gewählt wurden. In traditionalistischen und islamistischen Kreisen wird diese Periode als die goldene Zeit betrachtet, der es gilt nachzueifern und somit zu ihr „zurückzukehren". Diese Kalifen dehnten ihre Einflusssphäre aus, indem sie ein ausgedehntes Gebiet zwischen dem Atlantik und dem Indus eroberten und damit das erste islamische Reich gründeten.
Insgesamt gab es vier Führer. Der erste war der Mohammeds' Schwiegervater Abu Bakr, der allerdings schon hochbetagt war und nach zwei Jahren verstarb (632- 634 n. Chr.). Der zweite hieß Omar Ibn al-Chattab. Er eroberte während seiner Regierungszeit (634-644) die Gebiete des heutigen Ägyptens, Palästinas, Syriens und des Irak und schloss die ersten Verträge mit den dort ansässigen Christen ab. Uthman Ibn Affan (644-656 n. Chr.) war der dritte Kalif und ein Schwiegersohn Mohammeds'. Ihm gelang es, das Reich bis nach Indien auszudehnen. Der Kampf um seine Nachfolge lähmte schließlich das Reich, denn die folgende Ernennung Alis zum vierten Kalifen spaltete die Gesellschaft. Ebenfalls ein Schwiegersohn des Propheten und Vater von Husain und Hasan, der einzigen leiblichen Nachkommen Mohammeds, genoss Ali durchaus hohes Ansehen. Er wird als tapferer, aufrichtiger Mann beschrieben, als Diplomat und Feldherr war er aber glücklos. Er verwickelte sich in unübersichtliche Kämpfe und wurde schließlich von seinen Gegner 661 vor der Moschee von Kufa ermordet.
DITIB
DITIB ist die Abkürzung für den größten Dachverband türkisch stämmiger Muslime in Deutschland: Diyanet Isleri Türk Islam Birligi - Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion. Der Verband ist seit 1984 bundesweit aktiv und umfasst heute ungefähr 900 Moscheegemeinden. Die Verwaltungszentrale befindet sich in Köln. Bis heute ist die DITIB eng mit dem türkischen Staat bzw. der türkischen Religionsbehörde verbunden. Die Imame – Vorbeter und Prediger – die in den DITIB-Moscheen arbeiten, werden von der türkischen Religionsbehörde nach Deutschland entsandt.
Djenaza
Djenaza bedeutet an erster Stelle „Das Begräbnis“. An zweiter Stelle steht es für das Totengebet, das der Geistliche, vor der Bahre stehend, spricht, bevor der Leichnam zum Grabe getragen wird. Al Bukhari, einer jener muslimischen Gelehrten, der im 8. Jh. die mündliche Tradition kritisch sichtete, stellte das Kitab al-Djenaza, das Begräbnisbuch zusammen. Es enthält Festlegungen für den Umgang mit Sterben, Begraben und Trauer und gilt bis heute als Leitfaden für den ‚richtigen’ Umgang mit dem Tod.
Drusen
Die Drusen sind Anhänger einer schiitischen Sekte des Islam, die gelegentlich sogar als eigenständige religiös-ethnische Gemeinschaft ohne Beziehung zum Islam angesehen wird. Die arabisch sprechenden Drusen leben heute vorwiegend im Süden Syriens und des Libanons, Nordisraels und Jordaniens. Bestimmend ist der Glaube an die Inkarnation göttlicher Prinzipien wie der Weltseele und Weltvernunft. Die Drusen besitzen eine eigene Heilslehre. Die Gemeinschaft ist in Eingeweihte und Laien unterteilt. Die Laien haben kein religiöses Wissen und kultische Pflichten, können aber in den Kreis der Eingeweihten durch Ablegen eines Gelübdes aufgenommen werden.
Die Drusen haben besonders im Gebiet des heutigen Libanons und Syriens eine wichtige Rolle gespielt, als sie sich gegen die Herrschaft der Osmanen im 19. Jahrhundert auflehnten und immer wieder versuchten ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Im libanesischen Bürgerkrieg in den 1970er Jahren kämpften sie auf Seiten muslimischer Milizen. Heute sind die Drusen im libanesischen Parlament vertreten.
Dschahiliyya
Der Begriff Dschahiliyya taucht erstmals in der islamischen Ära bzw. im Koran auf. Etymologisch, bedeutet Dschahiliyya die Unwissenheit. Der Begriff hat mindestens zwei Bedeutungen:
1. bezeichnet er eine historische Epoche: die vorislamische Ära.
2. hat er eine semantische bzw. religiöse Bedeutung: Dschahiliyya bedeutet Immoralität, Polytheismus und Unmenschlichkeit, die mit dieser historischen Epoche verknüpft werden. Der Begriff wird genutzt, um die Vorteile des Islam, im Gegensatz zum „Nichtislam" (Kufr) aufzuzeigen. Im 20. Jahrhundert findet das Wort Dschahiliyya Beliebtheit bei islamischen Bewegungen, die es als Beschreibung für die moderne Gesellschaft verwenden.
Nichtsdestotrotz, und im Gegensatz zu seinem religiösen Sinn, hat Dschahiliyya in der Sprach- und Literaturwissenschaft eine positive Bedeutung. Die vorislamische Epoche ist die Zeit, in der die besten Poeten und die reinste Sprache der Araber zu finden sind.
Dschihad
Dschihad stammt vom arabischen Verb für "sich einsetzen" ab und bedeutet „Anstrengung, Einsatz" und nicht wie heute oft fälschlicherweise verbreitet "heiliger Krieg". Im Koran erscheint das Wort mehrmals in der Formulierung "Einsatz auf dem Weg Gottes", was den Muslimen als gottgefällige Tat empfohlen wird. Welcher Art der Einsatz sein soll, bleibt im Koran offen. Die Stellen, in denen der Begriff jedoch auftaucht, beziehen sich oft auf den Kampf gegen die heidnischen Mekkanern, die Mohammed feindlich gegenüberstanden. Der Theologe al-Gazzali (1058-1111) ging schließlich von einer zweifachen Bedeutung des Begriffs aus. Zum einen sprach er vom "kleinen Dschihad" als militärischen Einsatz und zum anderen vom "großen Dschihad" als Kampf gegen die eigene Triebseele, die weitaus verdienstvoller als erstere sei. Diese Zweiteilung hat sich in der Theologie bis heute erhalten. Inzwischen hat der Begriff im Sprachgebrauch unterschiedliche Bedeutungen erhalten. Islamistische Bewegungen sehen darin die kriegerische und gewalttätige Verteidigung von Muslimen und benutzen das Wort, um ihre Aktivitäten religiös zu legitimieren. In muslimisch geprägten Ländern spricht man aber beispielsweise von Dschihad, wenn man Entwicklungsmaßnahmen wie Kampf gegen Armut oder Analphabetentum meint.
Dschilbab
Dschilbab (arab.) „Gewand", „Überwurf". Eines jener Kleidungsstücke, das im Koran (Sure 33, Vers 59) in Zusammenhang mit dem Gebot der Verschleierung genannt wird. Ursprüngliche Form, Farbe und Funktion des Dschilbab sind nicht überliefert. Heute ist es häufig die Bezeichnung für einen langen, den Körper verhüllenden Mantel.
Dschinn
Dschinn oder Dschinni ist das arabische Wort für Geist oder Dämon. Laut dem Koran stehen Dschinne zwischen Menschen und Engeln (Sure 72, 1-19) und wurden von Gott aus Feuer erschaffen. Auch Satan (arabisch: Iblis) ist ein Dschinn, der sich jedoch geweigert hat, sich auf Befehl Gottes vor dem Menschen niederzuwerfen. Seine Nachfahren gelten deshalb als ungläubig, während gläubige Dschinne ins Paradies gelangen. Dschinne haben die Fähigkeit, Menschen zu beeinflussen oder von ihnen Besitz ergreifen. Sie können verschiedene Gestalten annehmen: Skorpione, Schlangen, Winde, Menschen etc.. Sie leben in Brunnen, Gräbern und Gemäuern sowie in eigenen Welten auf dem Meeresgrund, auf nicht lokalisierbaren Inseln oder beim imaginären Berg Kaf. Herr der Dschinnen ist der König Salomon, den Gott dazu bestimmt hat.
Dupatta
Die dupatta ist ein langer Schal, der entweder um den Hals geschlungen oder als Kopfbedeckung getragen wird.
Edward Said
Edward Said wurde am 1. November 1935 in Jerusalem geboren. Er entstammte einer palästinensisch-christlichen Familie, die im Anschluss an den arabisch-israelischen Krieg von 1948 und die Staatsgründung Israels vertrieben wurde. Zu wissenschaftlichem Ruhm gelangte er vor allem aufgrund seines 1979 erschienenes Werkes Orientalism („Orientalismus"), welches den Blick der ‚westlichen Welt' auf den ‚Orient' als romantisierend verklärte Verzerrung entlarvte. Als Professor für Englisch und Komparatistik lehrte er an renommierten Universitäten der USA wie z.B. in Harvard, Yale und zuletzt an der Columbia University. Zusammen mit dem jüdischen Dirigenten Daniel Barenboim gründete er 1999 das West-Östliche Diwan Orchester bestehend aus jungen israelischen und arabischen Musikern, um sich auf diesem Wege für eine Annäherung der beiden Volksgruppen einzusetzen. Edward Said starb am 25. September 2003 an Leukämie.
Emir
Emir (arab. amir) bedeutet „Führer“ oder „Befehlshaber“. In verschiedenen muslimischen Ländern wird der Begriff auch als Herrschertitel verwandt, so etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Engel Izrail
Der Engel Izrail ist der Todesengel. Seine Aufgabe ist es, die Seelen von den Körpern zu trennen. Zusammen mit Jibril, Mikal und Israfil ist er in der islamischen Lehre von den Engeln einer der vier Hauptpersonen. Seine Abmessungen sind kosmisch: er hat 4000 Flügel und ein Körper mit ebenso viele Augen und Zungen wie es Menschen auf Erde gibt. Mit einem Fuß steht er im Himmel, mit dem anderen aber auf der messerscharfen Brücke, die das Paradies von der Hölle trennt. Er wird meistens mit einem rauchenden Schwert in seiner Rechten abgebildet.
Entwicklungslaendern
Entwicklungsländer
Der Entwicklungshilfe-Ausschuss der OECD (DAC) betrachtet rund 150 Länder Afrikas, Lateinamerikas, Asiens, aber auch Europas (z.B. Albanien) als Entwicklungsländer. Diese Länder umfassen mit ca. viereinhalb Milliarden Menschen fast vier Fünftel der Weltbevölkerung.
Die Entwicklungsländer lassen sich in drei Gruppen unterteilen:
a) die am wenigsten entwickelten Länder (least developed countries) mit sehr niedrigem Pro-Kopf-Einkommen, einer niedrigen Industrialisierungsrate und einer hohen Analphabetenquote (ca. 560 Mio. Menschen);
b) die „Mittelschicht" der Entwicklungsländer (ca. 3,2 Mrd. Menschen);
c) die Schwellenländer, die überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielen, ein höheres
durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen aufweisen und an der Schwelle zu einem Industrieland stehen (ca. 650 Mio. Menschen)
Entwicklungszusammenarbeit
Unter Entwicklungszusammenarbeit wird die Zusammenarbeit zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern verstanden. Im Idealfall trägt sie zur Überwindung von Entwicklungsengpässen, zur Befriedigung von Grundbedürfnissen und zu einer nachhaltigen, menschenwürdigen Entwicklung bei. Dabei stärkt sie die Selbsthilfekapazitäten in den Entwicklungsländern, damit diese die Globalisierung zu ihrem Vorteil nutzen zu können. Die beiden wichtigsten Instrumente hierfür sind die Finanzielle Zusammenarbeit (zinsgünstige Kredite und Zuschüsse) und die Technische Zusammenarbeit (Vermittlung technischer, wirtschaftlicher und organisatorischer Kenntnisse).
Fatima
Fatima war die Tochter des Propheten Mohammed und die Ehefrau seines Vetters Ali. Die Schiiten verehren sie deshalb besonders. Fatima liegt in Medina (Saudi-Arabien) begraben. Ihr Grab wurde jedoch 1806 von der muslimischen Bewegung der Wahhabiten zerstört, die ihre Verehrung als ketzerisch ansahen.
Fatimiden
Die Fatimiden waren eine ismailitisch-schiitische Dynastie in Nordafrika, die sich in Konkurrenz zu den Abbasiden in Ägypten etablierte. Ihre Herrschaft dauerte von 969 bis 1171 und erstreckte sich auch auf Syrien und Palästina. Die Fatimiden leiteten ihre Herkunft von Fatima, der Tochter des Propheten Mohammed, ab. Sie wurden von Saladin gestürzt.
Fatwa
Fatwa (arab.) „Gutachten". Religiöses Rechtsgutachten auf Basis der Scharia; wird von Privatpersonen angefragt und von Rechtsgutachtern, Muftis, erstellt. Der Themenkreis umfasst alle Aspekte des islamischen Rechts und reicht von Ritualhandlungen bis hin zu Geldgeschäften. Fatwas haben eine beratende Funktion; sie sind niemals zwingend.
Fiqh
Fiqh (arab.) „Kenntnis". Die islamische Rechtswissenschaft, im achten Jahrhundert entstanden, systematisiert die islamischen Rechtsquellen und legt die Rechtspraxis in umfangreichen Handbüchern fest.
Fitna
Fitna (arab.) „Reiz", „Faszination", „Aufruhr", „Aufstand". Das Wort umreißt die Versuchung, die von Gott herab gesandt wird, um den Gläubigen auf die Probe zu stellen. Gibt der Gläubige der Versuchung nach und fällt vom Glauben ab, indem er gegen die göttlichen Gebote verstößt, ist dies als „Aufstand" gegen das göttliche Gesetz zu werten. Gleichzeitig meint Fitna aber auch die Zwietracht unter Männern, ausgelöst durch die Versuchung schöner Frauen.
Fitna
Wörtlich lässt sich das arabische Wort fitna einerseits mit „Reiz" und „Faszination", andererseits aber auch mit „Aufruhr" und „Aufstand" übersetzen. In den beiden, so unterschiedlich wirkenden Begriffspaaren spiegelt sich die religiöse Bedeutung des Wortes fitna wider: fitna meint die Versuchung, die von Gott herab gesandt wird, um den Gläubigen auf die Probe zu stellen. Gibt der Gläubige der Versuchung nach und fällt vom Glauben, indem er gegen die göttlichen Gebote verstößt, ist dies als „Aufstand" gegen das göttliche Gesetz zu werten. Gleichzeitig meint fitna aber auch den Aufruhr und die Zwietracht innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen, ausgelöst beispielsweise durch die Verlockungen einer schönen Frau („Reiz", „Faszination").
Fundamentalismus
Religiöser Fundamentalismus bedeutet das Beharren auf religiösen Grundsätzen, sowie das buchstabengetreue Befolgen religiöser Texte und ist in den meisten Religionsgemeinschaften zu finden. Der Begriff selbst geht auf Bewegungen unter protestantischen Christen in den USA im 19. Jahrhundert zurück, die sich selbst als „Fundamentalisten" bezeichneten. Für „islamischen Fundamentalismus" wird fälschlicherweise oft synonym die Bezeichnung „Islamismus" gebraucht. Wenngleich der Islamismus auf einer buchstabengetreuen, also fundamentalistischen, Interpretation des Korans, basiert, so unterscheidet er sich vom Fundamentalismus dadurch, dass er eine politische Ideologie ist.
Ghaznawiden
Ghaznawiden: bildeten um 1000 n. Chr. eine muslimische Dynastie im östlichen Iran. Ihr Machtbereich reichte zeitweise im Westen bis nach Irak und im Osten bis zum Nordwestindien. Die Stadt Ghazna in Chorasan, das heutige Ghaznī in Afghanistan, war lange Zeit das Zentrum ihres Reiches.
Golds Gym
Golds Gym ist die mit mehr als 600 Zweigstellen weltweit größte Kette für Bodybuilding. Sie entstand 1965 in Venice (Kalifornien), dem Mekka des Bodybuildings der siebziger Jahren. Golds Gym wurde zum Vorbild zahlreicher Ketten von Fitnesscentern, insbesondere während der vergangenen 20 Jahre.
Grosses Spiel
Der von Rudyard Kipling geprägte Ausdruck „Great Game" (engl.: „Großes Spiel") steht für die Auseinandersetzungen zwischen England und Russland um Macht und Einfluss in Afghanistan im 19. Jahrhundert. Dabei wollte England seine Kolonialgebiete in Indien abschirmen, Russland strebte einen Zugang zum Indischen Ozean an. Heute ist im Zusammenhang mit neuen divergierenden Machtinteressen in Afghanistan oft vom „neuen großen Spiel" die Rede.
Hadad
Hadad: wie in vielen Kulturen Mesepotamiens und Anatoliens, wurde auch im alten Syrer der Wettergott Hadad, dessen Symboltier der Stier für Fruchtbarkeit und dessen Attribut ein Blitz war, verehrt.
Hadith
Hadith („Bericht", „Überlieferung") bezeichnet die Überlieferungen über das Leben des Propheten Muhammad. Die Person des Propheten verkörpert das Ideal eines gottgefälligen Lebens. Aus diesem Grund werden Berichte über Äußerungen und Handlungen des Propheten gerade dann herangezogen, wenn sich Gläubigen die Bedeutung des Koran nicht eindeutig erschließt oder aber, wenn es um Fragen und Themen geht, die nicht von der koranischen Offenbarung behandelt werden. Die Überlieferungen über das Leben des Propheten sind nach dem Koran die zweite zentrale Quelle religiösen Rechts. Bereits im Mittelalter entwickelte sich eine eigenständige Hadithwissenschaft, deren Ziel es war, die Überlieferungen zu archivieren und auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Nicht alle Überlieferungen sind innerhalb der islamischen Gemeinschaft gleichermaßen anerkannt.
Hafiz al-Assad
Hafiz al-Assad (1930-2000) war von 1970 bis 2000 syrischer Präsident. Der Luftwaffengeneral war gleichzeitig Generalsekretär der syrischen Baath-Partei. Unter seiner Herrschaft entstand in Syrien ein autoritäres Regime, in dem die staatlichen Institutionen, insbesondere der Sicherheitssektor, stark ausgebaut wurden. Assads politische Macht war so umfassend, dass häufig von Suriya al-Assad (arab., „Assads Syrien") gesprochen wurde. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Bashar al-Assad die Macht.
halal
halal (arab.) „erlaubt" steht im Gegensatz zu haram „verboten". Das Begriffspaar bildet die Grundunterscheidung im islamischen Recht.
