| Glossar |
Abaelard
Peter Abaelard (1079 – 1142) war ein christlicher Theologe im Mittelalter. Mit seiner Reformtheologie und Lehrtätigkeit deckte er die Widersprüchlichkeit der Kirchenvätertraditionen auf und kritisierte die vorherrschenden Formen klösterlicher Gottesgelehrsamkeit. Infolge dessen wurde er vom Papst verbannt, durfte nicht mehr publizieren und musste in Klosterhaft. Während der Haft vollendete Abaelard das religionsphilosophische Buch „Gespräch eines Philosophen, eines Juden und eines Christen“. Darin entwarf er ein visionäres Programm eines Dialogs der Offenbarungsreligionen.
Abbasiden
Die sunnitische Dynastie der Abbasiden, Nachkommen von al-Abbas, einem Onkel des Propheten Mohammed, übernahmen 750 die Macht von den Umayyaden. Sie regierten von Bagdad aus ein Reich, das sich von Nordafrika bis zum heutigen Afghanistan erstreckte. Ihre Herrschaft wurde 1258 durch den Angriff der Mongolen auf Bagdad beendet, nachdem sie ihre politische Macht bereits vorher faktisch verloren hatten.
Abu-l-Hassan Ali Nadwi
Abu-l-Hassan Ali Nadwi ist einer der berühmtesten muslimischen Gelehrten des 20. Jahrhundertes in Südasien. Ab 1934 fing er an der Nadwatu-l-Ulama in Lucknow zu unterrichten an und stieg in den Funktionen auf, bis er für Jahrzehnte Leiter und Vorsitzender der Nawda wurde. Berühmt ist er neben seiner wissenschaftlichen Karriere für seine politischen Entscheidungen - u. a. war er gegen die Teilung Indiens.
Abu al-ala al-Mawdudi
Sunnitischer pakistanischer Journalist, Theologe, politischer Philosoph und einer der einflussreichsten islamistischen Denker des 21. Jhd., stark beeinflusst von Sayyid Qutb und den Muslimbrüdern, Gründer der jamaat al-islamiyya in Pakistan.
Abu Bakr
Abu Bakr war ein treuer Gefährte des Propheten Mohammed. Nach dessen Tod wurde er zum ersten Kalifen (Nachfolger des Propheten) ernannt. Seine Amtszeit dauerte von 632 bis 634 n.Chr.
Abu Bakr Gumi
Gründer der Yan Izala in Nigeria.
Abu Musab al-Zarqawi
Der gebürtige Jordanier Abu Musab al-Zarqawi galt bis zu seinem Tod durch einen amerikanischen Luftangriff im Juni 2006 als Anführer von al-Qaida im Irak. Abgesehen von zahllosen Anschlägen gegen die US-geführten Koalitionsgruppen wird al-Zarqawi für die Ermordung mehrerer ausländischer Geiseln sowie das Aufflammen des Bürgerkrieges im Irak verantwortlich gemacht. Als Anhänger eines radikalen sunnitischen Islam hatte er zum Angriff auch schiitische Ziele aufgerufen. Vor seiner Zeit im Irak hatte al-Zarqawi im afghanischen Bürgerkrieg gekämpft und dort bis zum Einmarsch amerikanischer Truppen ein militärisches Ausbildungslager geleitet.
Abu Zaid
Nasr Hamid Abu Zaid (geb. 1943) ist ein ägyptischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Seine Publikationen umfassen u. a. Werke zur Auslegung des Koran, in denen er westlich geprägte Methoden der Textkritik und Literaturwissenschaft anwendet, sowie Schriften, die sich kritisch mit dem islamischen Selbstverständnis auseinandersetzen. Mit diesen rief er in den 1990er Jahren bei orthodoxen Sunniten und fundamentalistischen Gruppen in Ägypten großen Widerstand hervor. Dieser führte schließlich zu einem Prozess gegen ihn und zur Zwangsscheidung von seiner Frau.
Aga-Khan-Foundation
Aga-Khan-Foundation (engl.) „Aga-Khan-Stiftung". Eine der größten Entwicklungs- und Hilfsorganisationen der muslimischen Welt; Partner des Auswärtigen Amtes in Berlin. Eines ihrer gemeinsamen Projekte umfasste die Umwandlung einer Müllhalde in der Nähe der Kairoer Altstadt in den Al-Azhar Park.
Ahli-Hadith
Diese islamische Reformbewegung entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Nordindien aus der Tariqa Muhammadiyya. Sie ist für ihren puristischen Glauben bekannt.
Ahmaddiyya
Die Ahmadiyya hat ihren Ursprung in Pakistan, wo im 19. Jh. die islamische Reformbewegung als Antwort auf die britische Kolonialverwaltung entstand. Sie orientiert sich stark an der Jesus-Figur im Koran und beruft sich auf eine Stelle im Koran, in welcher der Gründer der Bewegung, Ahmad, bereits vorhergesagt wurde. Da die islamische Tradition Muhammed als den letzten der Propheten betrachtet, nach dem Gott keinen mehr schicken wird, wird diese Koranauslegung als Blasphemie betrachtet. Heute ist die Ahmaddiyya eine stark missionierende Gruppe, die innerhalb des sunnitischen Mainstreams als nicht dazu gehörig gilt. Die afrikanische Ahmadiyya orientiert sich stark an ihrer pakistanischen Schwesterorganisation.
Ahmet Günbay Yıldız
Der türkische Schriftsteller und Poet Ahmet Günbay Yıldız wurde 1941 geboren. Er schrieb bis heute etwa zwei Dutzend Romane, die in der Türkei eine große Leserschaft fanden. Zwei seiner bekanntesten Werke sind Cicekler Susayınca („Wenn Blumen durstig werden") und Aska Uyanmak („Wach auf für die Liebe").
Aischa
Aischa (gest. 678) war die dritte Frau des Propheten Mohammed und zugleich die Tochter des zweiten Kalifen (Nachfolger Mohammeds) Abu Bakr. Als Lieblingsfrau Mohammeds wird Aischa vor allem von den Sunniten verehrt. Nach dem Tod Mohammeds stieg sie aktiv in die Politik ein und bekämpfte den vierten Kalifen Ali, dem sie jedoch in der sog. „Kamelschlacht“ unterlag. Aischa lebte bis zu ihrem Tod in Medina.
Aishwarya Rai
Aishwarya Rai (geb. 1973) ist ein Ex-Model und ehemalige Miss World (1994). Seit 1997 ist sie auch als Schauspielerin tätig. 2007 heiratete sie Abhishek Bachchan und ist somit Schwiegertochter des Superstars Amitabh Bachchan.
Aksum-Reich
Die Gründung von Aksum lässt sich nicht sicher datieren. Die ältesten archäologischen Funde stammen aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert. Die Kernregion des Reiches umfasste das Hochland von Eritrea und Tigray sowie die vorgelagerte eritreische Küste. Auf dem Gipfel seiner Macht erstreckte sich das Reich jedoch im Norden bis Meroe im heutigen Sudan, im Süden bis Assab und im Westen über das Rote Meer hinaus bis in den Jemen. Das Aksumreich war ein typisches Handelsreich, das in reger Interaktion mit Persien, Griechenland, Rom, Indien und Ceylon stand. Im dritten und vierten Jahrhundert n. Chr. war das Aksumreich das drittgrößte Reich der Welt. Der Niedergang von Aksum wurde durch die Expansion des Islams eingeleitet. Als ab Mitte des siebten Jahrhunderts das Rote Meer unter muslimische Kontrolle geriet, verloren die Aksumiten ihren Meereszugang infolgedessen ein langsamer Machtverlust einsetzte. Um die Jahrtausendwende war der wirtschaftliche und politische Niedergang des aksumitischen Reiches nicht mehr aufzuhalten, und es folgte eine Zersplitterung des Reiches in kleinere Fürstentümern.
Al-Bakri
Al-Bakri war ein andalusischer Geograph des 11. Jhd.. Er schrieb zahlreiche Werke zur Geographie der islamischen Welt, insbesondere Afrikas. Bemerkenswert bei diesem Geographen ist, dass er Länder und Orte beschreibt, in denen er nie war. Unter Historikern und Geographen ist Al-Bakri für seine Objektivität bekannt.
al-Bukhari
Mohammed ibn Ismail al-Bukhari (810-870) war ein islamischer Gelehrter, der vor allem für seine Hadithsammlung Sahih al-Bukhari berühmt wurde. Sie ist eine der sechs wichtigsten Hadithsammlungen der sunnitischen Tradition. Hadithe sind mündlich vom Propheten tradierte Ereignisse, die zu seinen Lebzeiten stattgefunden haben sollen, bzw. Aussprüche, die er seinen Gefolgsleuten mitgeteilt hat. Für die traditionelle Art der Korankommentierung waren die Überlieferungen von den Taten und Aussprüchen des Propheten Mohammed besonders wichtig. Jede dieser Überlieferungen musste über möglichst lückenlose Angaben zu denjenigen, die sie weitergegeben haben, legitimiert werden. Die Tradentenkette (isnad, wörtl. „Stütze") bildet demnach einen essentiellen Bestandteil der eigentlichen Information. Bei allen mit der Erklärung des Korans zusammenhängenden Überlieferungen kam es darauf an, die Tradentenkette bis in die größtmögliche Nähe des Propheten bzw. seiner Familie und seiner Gefährten (sahaba) verfolgen zu können. Die Hadithsammlung Bukharis wurde zum Teil ganz, zum Teil nur partiell in verschiedene europäische Sprachen übertragen, darunter ins Englische, Deutsche und Französische.
al-Hasan
Al-Hassan ist der erste Sohn von Ali, dem Vetter des Propheten Mohammed, und seiner Frau Fatima, der Tochter des Propheten. Al-Hassan ist somit der Enkel des Propheten und sein nächster männlicher Verwandter, da dieser keinen Sohn hinterlassen hatte. Die Schiiten erhoben ihn deshalb nach seinem Vater Ali zum zweiten Nachfolger des Propheten und bezeichneten ihn als zweiten Imam (Vorsteher). Sein Name wird bei den Schiiten auch mit dem Artikel „al“ („der“) versehen, um ihn besonders zu kennzeichnen. Die Nachfolge des Propheten war jedoch zwischen den frühen Muslimen umstritten. Al-Hassan soll daher auf sein Amt verzichtet haben, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. An seine Stelle trat sein Bruder al-Husain, der 680 n.Chr. in der Schlacht bei Kerbela (Irak) getötet wurde und von den Schiiten bis heute als Märytrer gefeiert wird.
al-Husain
Al-Husain ist der zweite Sohn von Ali, dem Vetter des Propheten Mohammed, und seiner Frau Fatima, der Tochter des Propheten. Al-Hassan ist somit neben seinem Bruder al-Hassan der zweite Enkel des Propheten. Die Schiiten erhoben ihn deshalb nach seinem Vater Ali und seinem Bruder Hassan zum dritten Nachfolger des Propheten und bezeichneten ihn als dritten Imam (Vorsteher). Sein Name wird bei den Schiiten auch mit dem Artikel „al“ („der“) versehen, um ihn besonders zu kennzeichnen. Al-Hussein wurde 680 in einer Schlacht bei Kerbela (Irak) getötet und wird daher von den Schiiten bis heute als Märtyrer gefeiert. Sein Sohn Ali, der während der Schlacht erkrankt und im Zelt geblieben war, überlebte und wurde zum vierten Imam ernannt.
al-Kamil
Geboren 1180, gestorben 1238, teilte al-Kamil den Ayyubidenthron mit seinen beiden Brüdern und regierte in Ägypten. Dort galt er als Al-Malik Al-Kamil, „der vollkommene König“. In seine Regierungszeit fiel der fünfte Kreuzzug (1228-1229), der von Friedrich II von Sizilien organisiert wurde. Mit diplomatischem Geschick wusste Al-Kamil die schlimmsten Zerstörungen zu vermeiden und schloss 1229 mit dem Frieden von Jaffa ein Friedensabkommen mit Friedrich. In der Folge ermöglichte dieser Friedensvertrag einen intensiven kulturellen, diplomatischen und wirtschaftlichen Austausch rundum das Mittelmeer.
Al-Madina al-Munawwira
Al-Madina al-Munawwira heißt auf deutsch „die leuchtende Stadt". Gemeint ist die Stadt Medina im heutigen Saudi-Arabien, auch als „Stadt des Propheten" (Madinat an-Nabi) bekannt. Ihr vorislamischer Name ist Yathrib.
Al-Qaida
Al-Qaida (arab.) „Die Basis". Ein loses Netzwerk radikal-militanter Gruppen, das über keine festen Strukturen verfügt. Ihr Ursprung ist in der sowjetischen Besetzung Afghanistans (1979-89) zu suchen. Seit Anfang der 1980er Jahren hatten radikale Denker, darunter der Unternehmer Osama Bin Laden und der Theologe Azzam, von Pakistan aus versucht, für finanzielle und personelle Unterstützung für den Kampf der Mudschaheddin gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans zu werben. Neben der Unterstützung aus islamischen Ländern erhielten sie dabei auch die Hilfe des pakistanischen Geheimdienst ISI und der USA. Azzam entwickelte die Theorie der "Verteidigung der muslimischen Territorien als persönliche Pflicht des Muslim", die heute als die Ideologie islamisch-radikaler Gruppen gilt und den „Notstand" legitimiert.
al-Tabari
Muhammad ibn Dscharir al-Tabari (838-923) ist vermutlich der populärste Koranexeget der islamischen Welt. Sein dreißigbändiges Werk, der tafsir al-tabari, gilt als der erste umfassende Korankommentar überhaupt. Die darin enthaltenen Auslegungen dienten zahlreichen islamischen Rechtsgelehrten als Grundlage für ihre eigenen Kommentare der Heiligen Schrift.
Alawiten
Die Alawiten sind eine vor allem in Westsyrien und im Südosten der Türkei verbreitete schiitische Abspaltung. Die Glaubensrichtung wurde im 9. Jh. im Irak von Muhammad ibn Nusair an-Namiri begründet. Die Alawiten folgen einer mythischen Lehre von der Entstehung der Welt und glauben an den göttlichen Charakter von Ali ibn Abi Talib (erster Imam der Schiiten und Vetter und Schwiegersohn des Propheten Muhammad). Im Laufe der Geschichte gab es verschiedene alawitische Dynastien in Nordafrika, Jemen, Mekka, Nordiran und Andalusien. In Syrien sind seit 1966 alawitische Offiziere der Baath-Partei an der Macht, zu denen auch der amtierende Präsident Bashar al-Assad gehört.
Aleppo
Die nordsyrische Stadt Aleppo (arab.: haleb) ist mit knapp zwei Mio. Einwohnern nach Damaskus die zweitgrößte Metropole Syriens. Aleppo gehört zu den ältesten und bedeutendsten Städten des Nahen Ostens, seine Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Bedingt durch ihre geopolitische Lage war die Stadt im Laufe der Geschichte immer wieder wichtiger Handels- und Vermittlungspunkt zwischen den angrenzenden Reichen. Bis heute ist Aleppo Zentrum der Textilindustrie Syriens. Ob Aleppo tatsächlich, wie immer wieder behauptet, zu den ältesten durchgängig besiedelten Städten der Welt gehört, ist schwer nachzuweisen, da die moderne Überbauung kaum Möglichkeiten für archäologische Untersuchungen bietet.
Aleviten
Aleviten stellen in der Türkei eine religiöse und kulturelle Minderheit, die sich seit dem 13. Jh. in Anatolien aus der Schia entwickelte. Für ihre Entwicklung spielte der Sufi-Heilige und mystische Führer Haci Bektash Veli eine wichtige Rolle. Die Aleviten sehen sich als direkte Nachfahren von Ali, dem Cousin und Schwiegersohn des Propheten Mohammeds. Der Martyrertod von Ali und seinen beiden Söhnen spielt im religiösen Erleben eine wichtige Rolle. Im Glauben und Ritual unterscheiden sich die Aleviten grundlegend von sowohl Schiiten als auch Sunniten: sie halten sich weder an den Ramadan, noch an das tägliche Gebet oder unternehmen die Pilgerfahrt nach Mekka. Zudem erkennen sie die Autorität der Scharia nicht an. Aleviten wurden im Osmanischen Reich heftig verfolgt, auch in der modernen türkischen Republik haben sie keinen anerkannten religiösen Status. Die in Deutschland ansässige Gemeinschaft führt seit zehn Jahren Diskussionen, ob sie wirklich zum Islam gehören oder aber eine gänzlich andere Religion vertreten will.
Alfred Farag
Alfred Farag (1929 - 2005) studierte Literatur, arbeitete als Englischlehrer, dann als Journalist. Er spezialisierte sich auf die Kunstkritik und vor allem auf Theaterkritik. Zudem schrieb er seit 1956 zahlreiche Theaterstücke. Farag wurde zwischen 1959 und 1963 als linker Intellektueller in Ägypten politisch inhaftiert. Wie andere Intellektuelle bekam er 1973 unter der Regierung Sadats ein Schreibverbot und wurde aus dem öffentlichen Leben verbannt. Er ging ins freiwillige Exil, lebte und arbeitete in Algerien (1973-1978), dann in Großbritannien, wo er bis 1986 lebte. Farag war von der europäischen Kunst und Literatur fasziniert, griff aber leidenschaftlich auf die arabische literarische Tradition zurück und verfasste vor allem moderne Dramen, die von der Tradition inspiriert sind.
Ali
Ali war der Cousin und später auch Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Er war mit der Prophetentochter Fatima verheiratet und einer der ersten Anhänger Mohammeds. Für die Schiiten gilt Ali deshalb als rechtmäßiger Nachfolger des Propheten, da dieser keinen lebenden Sohn hinterlassen hatte. Aus dem Kreis der Prophetengefährten wurde Ali zum vierten Kalif (Nachfolger des Propheten) erhoben. Die Schiiten vermeiden diesen Titel, da es vor Ali noch drei andere Kalifen gab, die sie nicht anerkennen. Für sie ist er der erste Imam (Vorsteher). Ali wurde 661 von einem persönlichen Feind erstochen und in Nadschaf (Iran) begraben. Sein Grab ist eine der wichtigsten Pilgerstätten für die Schiiten. Seine Söhne Hassan und Husain werden von den Schiiten als zweiter und dritter Imam verehrt.
Ali Ben Abi Talib
Ali Ben Abi Talib (603-661) („Ali, Sohn von Abu Talib") war ein Cousin des Propheten Mohammad. Er heiratete dessen Lieblingstochter Fatima, und nach dem Tod des Propheten hatte er als vierter in der Reihe das Amt des Kalifen inne (s. Die rechtgeleiteten Kalifen). Er gilt den Muslimen als Heiliger (Wali Alla oder „Freund Gottes"), als Krieger und als Imam. Man sagt ihm nach, dass er in der Kriegsführung keine glückliche Hand hatte. So erlitt er mehrere große Niederlagen gegen Gruppen muslimischer Aufständischer, die die Macht an sich reißen wollten. Die Niederlage bei Kerbela (Irak), wobei auch seine Frau und seine kleinen Söhne Hassan und Hussein getötet wurden, hat sich tief im kollektiven Gedächtnis der Schiiten verankert. Das Wort „Schiiten" ist von Schiat Ali abgeleitet, der „Partei Alis´". Nach Alis Tod - er wurde in der Moschee ermordet - gründeten seine Anhänger eine eigene Richtung im Islam: die Schia. Sein Grab, ein wichtiger Pilgerort, steht in Kufa/Irak.
Allameh Tabatabai
Allameh Tabatabai (1892-1981) ist einer der bedeutendsten schiitischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Sein Kommentar des Koran, der tafsir al-mizan, umfasst insgesamt 20 Bände und ist für den schiitischen Islam der Gegenwart von großer Bedeutung.
Almohaden
Wie die Almoraviden ging die Dynastie der Almohaden (arab. Al Muwahhidun, „die sich zur Einheit Gottes Bekennenden") aus einer streng orthodoxen religiösen Reformbewegung hervor. Als ihr Gründer gilt Ibn Tumart (1077-1128), der die Berberstämme Marokkos zum Aufstand gegen die Almoraviden organisierte. Sein Nachfolger Abd Al Mumin (1130-1163) eroberte Nordwestafrika sowie das arabische Spanien. Anfang des 13. Jahrhunderts ging den Almohaden die Herrschaft über Spanien verloren, 1269 wurden sie auch in Marokko gestürzt.
Almoraviden
Die Almoraviden (arab. Al Murabitun, „die Grenzkämpfer") bildeten Mitte des 11. Jh. eine streng orthodoxe Glaubensbewegung. Ihr Ursprung ist in dem berberischen Stamm der Senhadscha zu finden. Almoraviden herrschten über Nordafrika und Spanien, bis sie 1147 von den Almohaden gestürzt wurden.
amal
Arabischer Begriff für "die Arbeit"; "das was man tut"; "gute Werke"; "Gebete, die man freiwillig auf sich genommen hat".
Amerikanische Univerität Beirut
Die Amerikanische Universität Beirut ist eine der angesehensten Universitäten im Nahen Osten. Sie wurde 1862 von protestantischen Missionaren gegründet und gehört zur New York Universität. Studierende aus der ganzen Region kommen hierher zum Studium. Die Ausbildung ist teuer, aber an die besten Studenten werden Stipendien vergeben.
Amitabh Bachchan
Amitabh Bachchan (geb. 1942), auch genannt Big B („Großes B"), gilt als wichtigster indischer Superstar seit den 1970ern. Anfang der 1980er verließ er kurzzeitig die Filmindustrie, um eine politische Karriere zu starten, kehrte dann aber auf die Leinwand zurück. An seine früheren Erfolge konnte er erst seit 2000 wieder anknüpfen, als er im Fernsehen die Show Kaun Banega Crorepati („Wer wird Millionär") übernahm.
Annemarie Schimmel
Annemarie Schimmel (1922-2003) war eine der letzten großen deutschen Orientalisten und galt zeitlebens als eine der wenigen Frauen, die sich in der arabischen, türkischen, persischen und indischen Literatur auskannte. Von 1961 bis 1967 lehrte sie an der Universität Bonn, anschließend in Harvard, wo sie bis zu ihrem Ruhestand blieb. Ihre große Liebe galt der islamischen Mystik, über die sie zahlreiche Bücher verfasste und deren Texte sie aus dem Türkischen ins Persische, aus dem Persischen ins Arabische, aus dem Arabischen ins Urdu übertrug. Dafür wurde sie in der gesamten islamischen Welt bewundert, ja sogar verehrt. Muslime sagen bis heute, „Annemarie Schimmel hat uns unsere Seele zurück gegeben". In ihrem Heimatland Deutschland galt sie jedoch als naiv und romantisch, weil sie apolitisch war, keine kritische Distanz zur islamischen Revolution in Iran forderte und einmal einem Freund bekannte, die Fatwa gegen Salman Rushdie verstehen zu können. Als sie 1995 der deutsche Buchhandel mit dem Friedenspreis ehren wollte, wurde Annemarie Schimmel vorübergehend zum Medienskandal.
Ansar As-Sunna
„Verteidiger der Sunna", ost-afrikanische islamische Reformbewegung
Antiochien
Das Fürstentum Antiochien existierte von 1098 bis 1268 und war einer der so genannten Kreuzfahrerstaaten, die während des Ersten Kreuzzugs entstanden. Es umfasste ein kleines Gebiet in Syrien und Teilen der heutigen Türkei. Die christlichen Kreuzfahrer hatten die gleichnamige Stadt (heute Antakya) unter Führung des normannischen Adligen Bohemund von Tarent eingenommen. Dabei massakrierten sie große Teile der muslimischen Bevölkerung.
Anwar as-Sadat
Muhammad Anwar as-Sadat war ägyptischer Staatspräsident von 1970 bis 1981. Er war der erste arabische Staatschef, der ein Friedensabkommen mit Israel aushandelte. Dies führte zu einer Rückgabe der von Israel besetzen Sinai-Halbinsel, aber zugleich auch zu einer vorübergehenden Isolation Ägyptens innerhalb der arabischen Welt. Zusammen mit Israels Premierminister Menachem Begin erhielt Sadat den Friedensnobelpreis. Innenpolitisch blieb er insbesondere aufgrund seines gewaltsamen Vorgehens gegen oppositionelle Strömungen stets umstritten. Im Oktober 1981 fiel Anwar as-Sadat einem Attentat zum Opfer.
Arabesk-Musik
Die Geschichte der Arabesk-Musik in der Türkei beginnt mit der Binnenmigration vom Land in die Stadt in den frühen 1960er Jahren. Sie ist ein Begleitphänomen der Urbanisierung. Arabesk wird hauptsächlich in Verbindung mit Musik, aber auch Filmen, Romanen und Fotoromanen verwendet. Die Arabesk-Musik verbindet westliche und orientalische Instrumente mit arabischen Rhythmen. Diese synkretische Musikform nutzt Instrumente und Beats der traditionellen türkischen Volksmusik. Die Ausstrahlung von Arabesk-Musik im Fernsehen war bis Anfang der 1980er Jahre verboten. Die konservativ-populistische Regierung Turgut Özals hob das Verbot Mitte der 1980er Jahre auf. Charakteristisch für die Arabesk-Musik sind durch Fatalismus, Sentimentalität und Pessimismus geprägte Texte und Rhythmen. Früher gaben die Texte einer irrationalen und pessimistischen Reaktion von Menschen vom Land auf den urbanen Kapitalismus Ausdruck. Heute stehen andere Themen im Mittelpunkt. Statt dem pessimistischen Lebensgefühl in der Stadt Ausdruck zu geben, loben die Texte die Schönheit und Idylle eines früheren Lebens. Sie rufen zur Rückkehr zu den Ursprüngen auf. Die soziologische Dimension der Arabesk-Musik in der Türkei ist Gegenstand umfassender wissenschaftlicher Untersuchungen. Auch Islamic Force verwendete als Samler alte populäre türkische Melodien von Baris Manço, Zülfü Livaneli und Sezen Aksu.
Arabische Liga
Die Arabische Liga ist eine zwischenstaatliche Organisation arabischer Staaten mit Sitz in Kairo. Sie wurde 1945 gegründet und umfasst mittlerweile 22 Staaten von Marokko bis Oman. Ziel der Arabischen Liga ist die politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenarbeit der arabischen Staaten.
Aschura
Aschura (arab. Zehner) ist ein Fest, das nach dem Todestag des schiitischen Imam al-Husain benannt ist (dem 10. Tag des islamischen Monats Muharram). Das Aschura-Fest wird von den Schiiten mit zahlreichen Ritualen begangen, die die Trauer um den Märtyrertod von al-Husain zum Ausdruck bringen. Zu den Ritualen gehören das Vortragen von Klagegedichten und die Darstellung der Taten und des Martyriums der einzelnen Imame in Festzügen oder als Passionsspiel auf der Bühne. Bekannt und umstritten (auch unter schiitischen Religionsgelehrten) sind die Geißlerprozessionen, bei denen meist junge Männer sich die Rücken mit Peitschen oder Ketten schlagen oder sich die Stirn mit Schwertern blutig ritzen. Es handelt sich dabei um Bußübungen: gebüßt werden die gemeinschaftliche Schuld der Schiiten, die in der Schlacht von Kerbela (Irak) den Imam al-Husain im Stich gelassen hatten, aber auch individuelle Sünden.
Atatürk
Mustafa Kemal (1881-1938), der spätere Atatürk („Vater der Türken"), kam 1881 in der griechischen Vielvölkerstadt Tessaloniki zur Welt. Er durchlief eine Karriere im osmanischen Militär und verteidigte während des ersten Weltkrieges bei Gallipoli die Dardanellen gegen die alliierten Streitmächte, was ihm den Beinamen „Retter von Istanbul" einbrachte. Nach Beendung des Weltkriegs wurde die Türkei jedoch von den alliierten Mächten besetzt. Mustafa Kemal formierte daraufhin die „nationale Befreiungsarmee" und vertrieb 1922 schließlich alle fremden Besatzer. 1923 übernahm er die Neuorganisation des auseinander gefallenen Osmanischen Reiches, verordnete der türkischen Gesellschaft weitgehende Reformen und zwang ihre Bürger, sich äußerlich und innerlich dem europäischen Vorbild anzugleichen. Zum „Vater der Türken" avanciert, übernahm er 1936 die Präsidentschaft der neuen türkischen Republik. Seine letzte Ruhestätte, die Anit Kabir in Ankara, bildet bis heute den wichtigsten Erinnerungsort der laizistischen Türkei.
ATIB
ATIB ist die Abkürzung für Avusturya Türkiye Islam Birligi – Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich. Es handelt sich dabei um den größten Verband von Muslimen mit türkischem Hintergrund in Österreich. Etwas mehr als 60 Mitgliedsvereine sind hier zusammengeschlossen. Der Hauptsitz befindet sich in Wien. Ähnlich wie DITIB in Deutschland ist auch ATIB mit der türkischen Religionsbehörde verbunden und erhält ihre Imame von dort.
AUB
Die Amerikanische Universität Beirut ist eine der angesehensten Universitäten im Nahen Osten. Sie wurde 1862 von protestantischen Missionaren gegründet und gehört zur New York Universität. Studierende aus der ganzen Region kommen hierher zum Studium. Die Ausbildung ist teuer, aber an die besten Studenten werden Stipendien vergeben.
Ayatollah
Ayatollah (arabisch: „ayat allah“, „Zeichen Gottes“) ist ein Ehrentitel, der bedeutenden schiitischen Rechtsgelehrten verliehen wird. Der Titel wird für Personen verwendet, die aus Sicht der Gläubigen ein so hohes Maß an Frömmigkeit und Gelehrsamkeit zeigen, dass darin Gottes Absichten zum Ausdruck kommen.
Ayyubiden
Die Ayyubiden sind eine muslimisch-kurdische Dynastie. Sie herrschten über Ägypten von 1171 bis 1252. Begründet wurde die Dynastie 1171 von Saladin. Diese Dynastie gilt als Nachfolge bzw. als Erbin der fatimidischen Dynastie. Die Herrschaft der Ayyubiden leistete einen großen Beitrag beim Kampf gegen die Kreuzfahrer.
Azhar-Universität
Die Azhar-Moschee in Kairo ist das wohl bedeutendste geistige Zentrum des sunnitischen Islam. Ursprünglich auf eine schiitische Gründung aus dem Jahre 971 zurückgehend entwickelte sich al-Azhar bereits im Mittelalter zu einer Hochburg religiöser Gelehrsamkeit. Schon damals erfüllte sie quasi eine Doppelfunktion als Moschee und Universität, wenngleich ihr letzterer Status offiziell erst im Jahre 1953 zuerkannt wurde. Im Jahre 1961 wurde die Universität, die bis dahin nur in einem theologischen Rahmen ausgebildet hatte, schließlich unter direkte staatliche Kontrolle gestellt und grundlegend reformiert. Neben der bestehenden theologischen Fakultät wurden neue, weltliche Fakultäten eröffnet, welche die Modernisierung Ägyptens vorantreiben sollten. Heute existieren an der Azhar-Universität Studiengänge wie an jeder anderen modernen Universität auch, so zum Beispiel Medizin, Chemie, Landwirtschaft, Arabische Sprache oder Wirtschaft. Wer zu den über 375.000 Studierenden der Azhar gehören möchte, muss an speziellen Schulen in Ägypten oder in islamischen Zentren im Ausland ein „azharitisches" Abitur ablegen.
Azmi Bishara
Azmi Bishara wurde am 22. Juli 1956 in Nazareth als Sohn einer palästinensisch-christlichen Familie geboren. Er ist israelischer Staatsbürger. Zwischen 1996 und 2007 war er Abgeordneter im israelischen Parlament, der Knesset. Als im Frühjahr 2007 Anschuldigungen wegen Hochverrats gegen ihn erhoben wurden, trat er von seinem Amt zurück und kehrte Israel den Rücken. Seinen Doktor der Philosophie erwarb Azmi Bishara an der Humboldt Universität in Berlin im Jahr 1986. Danach arbeitete er als Wissenschaftler an der Bir Zeit Universität in Ramallah und an Forschungseinrichtungen in Israel. Für seinen Einsatz für Menschenrechte und Demokratie erhielt er 2002 den Ibn-Rushd-Preis für freies Denken.
