| Glossar |
König Hussein
Hussein bin Talal war von 1952 bis zu seinem Tod 1999 König von Jordanien. 1989 leitete er nach mehr als 20 Jahren geltendem Kriegsrecht eine weit reichende Liberalisierungspolitik ein. 1994 schloss Jordanien unter seiner Herrschaft ein Friedensvertrag mit Israel. Seit Husseins Tod im Jahr 1999 ist sein Sohn Abdallah an der Macht.
Kız Kulesi
Eines der herausragenden Wahrzeichen Istanbuls, Kız Kulesi (Mädchenturm) ist ein im zwölften Jahrhundert auf einem natürlichen Felsen im Bosporus errichteter byzantinischer Turm.
Kaaba
Die Kaaba ('Würfel') ist das zentrale Heiligtum der islamischen Welt. Nach islamischer Überlieferung wurde sie bereits vom Propheten Abraham und dessen Sohn Ismael erbaut. Heute steht die Kaaba inmitten der Großen Moschee von Mekka, die erst in späteren Jahrhunderten um das Gebäude herum errichtet wurde. Tatsächlich handelt es sich um ein einfaches, quaderförmiges Bauwerk, dessen Außenmauern mit einem schwarzen, kunstvoll bestickten Tuch bedeckt werden. In vorislamischer Zeit war die Kaaba ein Ort der Verehrung verschiedener arabischer Gottheiten.
Kabulschahian
Die „Hindu-Herrscher", Hindu-shahi, herrschten vom 7. bis zum 1. Jahrhundert vor u. Z. als Könige über Kabul. Sie nannten sich auch „Herrscher von Kabul", Kabul - schah - ian. Mit ihnen kam der Hinduismus als eine der ersten Religionen nach Afghanistan. Der Hinduismus besteht heute noch in der Bevölkerung fort. Es handelt sich um eine kleine religiöse Minderheit, sie hat jedoch das kulturelle Leben der Stadt stark geprägt. Die Hindus lebten in Hinduguzar, dem ältesten Viertel der Altstadt von Kabul (heute gibt es noch ca. 20.000 Hindus landesweit). Das religiöse Leben spielte sich vorwiegend in den Hindu-Tempeln, und damit in der gut sichtbaren städtischen Öffentlichkeit, ab.
Kahweh
Der Kaffee stammt höchstwahrscheinlich ursprünglich aus Äthiopien und gelangte im vierzehnten Jahrhundert in den Jemen. Er verbreitete sich im Jemen und anderen Teilen der Arabischen Halbinsel über die Sufi, die das Getränk wegen seiner stimulierenden Wirkung bei ihren ausgedehnten religiösen Zeremonien zu sich nahmen. Vor der Verbreitung der Kaffeehäuser oder „Kaffeestände", wurde der Kaffee außerhalb des eigenen Zuhauses einzig in der tekke (Derwischloge, Sufiorden) konsumiert. Da sich das Leben der Sufi nicht allein auf die Orden beschränkte, spielten sie bei der Verbreitung des Kaffees und des Wissens über das Getränk eine wichtige Rolle. Ihre Anhänger gehörten zudem den unterschiedlichsten sozialen Gruppen an. Infolge dessen lernten Menschen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten das Getränk kennen und sie trugen nicht nur zur Popularität des Kaffees bei, sondern auch zur Entstehung der sozialen Institution des Kaffeehauses.
Kalif
Aus dem arabischen Verb „khalafa“ (nachfolgen) abgeleitet, bezeichnet der Begriff „Kalif“ den Nachfolger oder auch Stellvertreter des Propheten Mohammed. „Kalifat“ steht für das entsprechende Amt. Nach dem Tod Mohammeds waren für die Sunniten vor allem die ersten vier Kalifen bedeutend – Abu Bakr (632-634 n.Chr.), Omar (634-644 n.Chr.), Uthman (644-656 n.Chr.) und Ali (656-661 n.Chr.). Deshalb werden diese vier Kalifen als die „rechtgeleiteten Kalifen“ (al-khulafa ar-raschidun) bezeichnet. Der Kalif hatte zunächst die Funktion des Wächters des Glaubens und der Führung der muslimischen Gemeinde. Als sich diese im Laufe der Geschichte in verschiedene Reiche zersplitterte, verloren die Kalifen nach und nach an politischer Macht. Der letzte Kalif war der osmanische Sultan Abdülmecid, der 1924 abgesetzt wurde. Heute gibt es keine anerkannten Kalifen mehr.
Kargil-Krise
Die Kargil-Krise oder auch der Kargil-Krieg, zwischen Mai und Juli 1999. Islamische Dschihad-Kämpfer und offizielle Einheiten Pakistans drangen in der Gebirgsregion Kargil heimlich auf indisches Gebiet vor. Es kam zu Kampfhandlungen. Der Krieg sorgte für internationale Beunruhigung, da beide Länder Atommächte sind.
Kaschmir
Kaschmir im Norden Indiens ist der einzige Bundesstaat mit einer muslimischen Mehrheit (ca. 74% der Bevölkerung). Nach der Beendigung der britischen Kolonialherrschaft über Indien sollten eigentlich alle ehemaligen Fürstenstaaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit zu Pakistan gehören. Der damalige Fürst wehrte sich allerdings, Kaschmir blieb zunächst unabhängig. Der erste Krieg zwischen Indien und Pakistan um Kaschmir endete 1948 mit einer Zweiteilung: Indien bezeichnet seinen Teil des beanspruchten Gebietes als Jammu und Kaschmir, Pakistan seinen als "Azad Kaschmir", "Freies Kaschmir". Islamische Gruppierungen wollen mit Anschlägen auf das indische Militär und indische Institutionen einen unabhängigen Staat Kaschmir oder einen Anschluss an Pakistan erzwingen. Die UNO schlug 1948 eine Volksbefragung vor, die die Zugehörigkeit Kaschmirs klären sollte. Diese wurde bis heute nicht durchgeführt.
Kathak
Kathak ist ein Tanzstil aus Nordindien. Seit dem 13. Jahrhundert verbreitete er sich durch umherziehende Musikanten und Tänzer, die Darstellungen von hinduistischen Legenden darboten. Seit dem 15. Jahrhundert kamen mit der Eroberung Indiens durch die Moghulherrscher islamische Einflüsse dazu. An den muslimischen Fürstenhöfen entwickelten sich nun eigenständige Formen des Tanzes. Während der britischen Kolonialherrschaft galt der kathak als moralisch verwerflich, da er mit den Tänzerinnen an den Höfen verbunden war.
Khomeini
Ruhollah Khomeini (1902-1989) war eine führende Figur der iranischen Revolution von 1789. Nach der Revolution wurde er das erste geistliche Oberhaupt der Islamischen Republik Iran. Seine theologische Ausbildung hatte er in der iranischen Stadt Qom absolviert, wo er anschließend selbst viele Jahre unterrichtete. Ab 1960 begann er, das Schah-Regime offen zu kritisieren. Nach Jahren des Exils in der Türkei, Irak und schließlich in Frankreich kehrte er für die Revolution nach Iran zurück und etablierte dort eine zunehmend repressive, religiös-autoritäre und antiwestliche Politik.
Khyber-Pass
Der 1070 Meter hohe Khyber-Pass liegt in den Ausläufern des Hindukusch-Gebirges im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Er stellt eine geographisch, historisch und wirtschaftlich wichtige Verbindung zwischen Zentralasien und dem indischen Subkontinent dar. Für viele Völkerwanderungen fungierte er als Tor nach Indien, im 19. Jahrhundert wurde er zum Symbol der Auseinandersetzungen zwischen Britisch-Indien und Afghanistan. Seit 1947 wird der Pass von Pakistan verwaltet.
Kibbeh
Kibbeh (arabisch: Klöße): ist ein typisches arabisches Nationalgericht, dass auch in Israel und der Türkei bekannt und beliebt ist. Diese Klöße werden aus Hackfleisch, Zwiebeln und Bulgur (Weizenschrot) hergestellt. Die Kibbeh werden frittiert, typisch ist die eiförmige Gestalt. Sie werden als Vorspeise serviert.
Kiswahili
Kiswahili gehört zur grössten afrikanischen Sprachgruppe, die Bantusprache. Das Wort ist dem Arabischen Begriff für „sahil-Küste" entliehen. Damit ist die ostafrikanische Küste von Somalia bis Mosambique gemeint.
koloniale Erfahrung
Beginnend mit der französischen Invasion Ägyptens im Jahre 1798 dehnten die europäischen Imperialmächte ihre Herrschaft über die arabische Welt kontinuierlich aus. Den Höhepunkt erreichte der europäische Imperialismus nach Ende des Ersten Weltkrieges als das zerfallene Osmanische Reich unter den europäischen Siegermächte aufgeteilt wurde. Das heutige Marokko, Algerien, Tunesien, Syrien und der Libanon fielen an Frankreich; Ägypten, Israel/Palästina, der Irak und Teile der arabischen Halbinsel unterstanden britischer Kontrolle; Libyen fiel an Italien. Die Herrschaft der Europäer orientierte sich vor allem an wirtschaftlichen Interessen und beinhaltete eine direkte Verwaltung der besetzten Gebiete. Eine Ausnahme bildeten die französischen und italienischen Siedlungskolonien im heutigen Algerien bzw. Libyen. Die Zeit der europäischen Fremdherrschaft bedeutete für die arabische Bevölkerung nicht nur eine Phase der Niederlage, Unterdrückung und Demütigung, sondern auch eine Phase der sozialen und politischen Umstrukturierung nach europäischem Vorbild. Die arabischen Staaten der Gegenwart sind das Ergebnis europäischer Grenzziehungen nach Ende des Ersten Weltkrieges.
Kolonialzeit
Die Kolonialzeit in der arabischen Welt beginnt mit der zeitweisen Besetzung Ägyptens durch die französische Armee unter der Führung Napoleon Bonapartes (1798-1801). Bis zum Zerfall des Osmanischen Reiches am Ende des 1. Weltkrieges gerät nahezu die gesamte arabische Welt unter den Herrschaftseinfluss der europäische Kolonialmächte. Erst nach Ende des 2. Weltkrieges erlangen die heutigen arabischen Nationalstaaten ihre Unabhängigkeit.
Koordinationsrat der Muslime
Der Ende März 2007 ins Leben gerufene Koordinierungsrat der Muslime (KRM) verkörpert einen Zusammenschluss der vier größten muslimischen Verbände Deutschlands: dem Zentralrat der Muslime Deutschlands (ZMD), der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), dem Islamrat (IR) und dem Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ). In naher Zukunft soll aus dem neu gegründeten KRM ein erster muslimischer Dachverband für Deutschland entstehen. Der KRM entstand auf Anregung der deutschen Bundesregierung, die bereits seit langem einen einheitlichen Ansprechpartner für die in Deutschland lebenden Muslime fordert. Zahlreiche deutsche Muslime kritisieren den KRM allerdings als einen Zusammenschluss ausschließlich konservativer Kräfte und fühlen sich nicht von ihm vertreten.
Koran
Koran (arab.) „Das Rezitierte". Nach der islamischen Überlieferung handelt es um das dem Propheten Mohammed offenbarte Wort Gottes und die erste Rechtsquelle der Scharia. Der Prophet empfing zwanzig Jahre lang Botschaften, die er seiner Gemeinde mündlich weitergab. Die Mitteilungen wurden von seinen Schülern auswendig gelernt und teilweise auf Zetteln, Schulterknochen und Steinen eingeritzt. Erst nachdem er gestorben war, wurden die mündlichen und schriftlichen Zeugnisse gesammelt, der Länge nach geordnet und systematisch niedergeschrieben (Mushaf). Der islamischen Überlieferung zufolge dauerte der Prozess der Kanonisierung ca. dreißig Jahre. Gemäß moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse waren es eher hundert.
Kreuzzüge
Unter Kreuzzügen werden im engeren Sinne verschiedene von Westeuropa ausgehende Kriegszüge zur „Befreiung“ der heiligen christlichen Stätten in Palästina von nichtchristlicher Herrschaft verstanden. Die Zeit der Kreuzzüge begann mit dem Aufruf von Papst Urban II. am 1095, das Ende wird meist auf die Rückeroberung der heiligen Stätten durch die Muslime Ende des 13. Jh. festgelegt. In der Zwischenzeit eroberten die christlichen Heere Jerusalem und gründeten Kleinstaaten im östlichen Mittelmeerraum. Über die Motive der „Kreuzfahrer“ wird bis heute gestritten. Vermutlich war es eine Mischung aus religiösem Eifer, moralischer Empörung, politischer Rivalität, Habgier und Handelsmotiven.
Kurden
Im Nahen Osten gibt es ca. 25-30 Mio. Kurden, die v. a. im Grenzbereich Türkei/Irak/Iran/Syrien leben und sich überwiegend zum sunnitischen Islam bekennen. Ihr historisches Siedlungsgebiet, Kurdistan, ist sehr gebirgig und unwegsam und war daher lange Zeit weitgehend von seiner Umgebung abgeschlossen. Besonders seit dem 20. Jahrhundert streben die Kurden einen eigenen Nationalstaat an. In ihren Siedlungsgebieten sind sie häufig Diskriminierungen durch die Staatsgewalten ausgesetzt. 2003 erlangten die kurdischen Provinzen im Irak Autonomie. Syrien, Iran und v. a. die Türkei wehren aber weiterhin alle kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen ab.
Kurden in der Türkei
Bereits seit der Antike lebten Kurden auf dem Gebiet der heutigen Türkei, wie auch in den angrenzenden Ländern. Ihre Sprache ist dem Persischen verwandt. Nachdem 1071 seldschukische Türken Teile der späteren Türkei auf die Byzantiner eroberten lebten sie in türkischer Nachbarschaft. Im Osmanischen Vielvölkerstaat erfuhren die kurdischen Stämme relative Unabhängigkeit. Das änderte sich, als die türkische Republik 1923 das Türkentum und die türkische Sprache zu den zentralen Merkmalen der Nation erhob. Die kurdische Sprache wurde verboten, kurdische Unabhängigkeitsbestrebungen immer wieder hart unterdrückt. Heute sind 20% oder 10-15 Mio. Einwohner der Türkei Kurden.
Kushanen
Der Name Kuschana ist abgeleitet von dem chinesischen Begriff für Wanderer, Nomade. Es handelt sich dabei um eine Gruppe, die den Skythen verwandt waren und bis ca. 160 vor unserer Zeitrechnung zu den östlichsten Vertretern der Indoeuropäer zählten, bis sie von einer anderen nomadischen Gruppe, den mongolischen Hsiung-nu (den zentralasiatischen Hunnen), vertrieben wurden. Die Kuschanen eroberten unter anderem Afghanistan und errichteten ihre Hauptstadt in der Nähe des heutigen Kabul.
