| Glossar |
Mahdi
Der Mahdi (arab. “der [durch Gott] Rechtgeleitete”) ist in der islamischen Religionslehre die Figur, die in der muslimischen Gemeinschaft vor dem Jüngsten Gericht das Recht wiederherstellt und sie bis zum Anbruch der Endzeit führt. Die Schiiten glauben an einen „verborgenen Imam“, der irgendwo unerkannt auf der Erde lebt und eines Tages als Mahdi erscheint. Bei den Zwölfer-Schiiten ist es der zwölfte Imam, bei den Ismailiten der 7. Imam.
Mit der Ankunft des Mahdi erwarten sie den Beginn des Siegeszugs des wahren, gottgewollten Islam – d. h. des schiitischen - auf der Erde.
Mahound
Abwertende Bezeichnung Mohammeds im europäischen Mittelalter.
Mamluken
Mamluken (arabisch: mamluk) waren ursprünglich türkische Militärsklaven in islamischen Herrschaftsgebieten. 1250 gelang es Nachfolgern dieser Sklaven, in Kairo die Macht zu übernehmen. Bis 1517 beherrschten die Mamluken ein bedeutendes islamisches Reich, das sich über Ägypten, Syrien und die Arabische Halbinsel erstreckte.
Massoud und Hekmatyar
Ahmed Schah Massoud (1948-2001) war ein legendärer Tadschikenführer, Feldkommandant und Führer der jamiat-i islami (arab.: „Islamische Gemeinschaft"). Gulbuddin Hekmatyar (geb. 1949) war ein bedeutender paschtunischer Feldkommandant, Begründer der hesb-i islami (arab.: „Islamische Partei") und wichtigster Mudschaheddin-Führer im Kampf gegen die sowjetischen Truppen.
Nachdem die Mudschaheddin 1992 den kommunistischen Regierungschef Najibullah gestürzt hatten, lieferten sich Massoud und Hekmatyar in Kabul erbitterte Machtkämpfe um die Kontrolle der Stadt und der Übergangsregierung, bis die Stadt 1996 von den Taliban eingenommen wurde.
Massoud führte später die gegen die Taliban gerichtete Nordallianz an und wurde 2001 von Selbstmordattentätern der al-Qaida getötet. Hekmatyar schloss sich den Taliban an und kämpft an deren Seite bis heute gegen die USA.
Mathomus
Zur Zeit der Kreuzzüge scheint man in Westeuropa Schwierigkeiten mit der korrekten Aussprache des islamischen Propheten Mohammed gehabt zu haben. Frühe europäische Schreibweisen sind: Mathoma, Mathomet und Mathometus. Sie weisen darauf hin, dass man in Westeuropa das arabische „h“ mit „th“ verwechselte.
Die Kreuzzugsfahrer hingegen haben den Prophetennamen offensichtlich häufig gehört: Der normannische Autor von „Die Taten der Franken“ schreibt Machumet (Buch 10). Auf diese Überlieferung gehen die Propheten-Bezeichnungen Mahomet, Mahom, Mahoma und Mahmet zurück, die sich in der Folge im Sprachgebrauch Westeuropas einbürgern.
All diese Namen werden in der Folge durcheinander verwendet, bis die Islamwissenschaft im 19. Jh. Mohammed als einheitliche Schreibweise einführt.
Ma`alula
Ma`alula: liegt im Nordosten Syriens im Qalamun-Gebirge (Teil des Anti-Libanon Gebirges), etwas 55 km entfernt von Damaskus. Hier sprechen die Menschen noch aramäisch. Der Ort ist besonders bekannt durch die Feierlichkeiten zur Kreuzerhöhung am 14. September eines jeden Jahres. In Ma`alula gibt es zwei Klöster: das Kloster Mar Thekla und das Kloster der Sergius und Bacchus. In beiden Klöstern sind, wie in fast allen Klöstern in Syrien, Waisenhäuser für Kinder integriert.
Medina
Medina ist der Name einer Stadt in Saudi-Arabien. In der vorislamischen Zeit unter dem Namen „Yathrib“ bekannt, wurde die Stadt später umbenannt in „madinat an-nabi“, „Stadt des Propheten“, bzw. „al-madina al-munawwara“, „die erleuchtete Stadt“. Medina gilt neben Mekka und Jerusalem als einer der heiligsten Orte des Islams. Von hier aus unternahm der Prophet Mohammed im Jahr 622 n.Chr. die Auswanderung (Hidschra) nach Mekka, später wurde die Stadt zum Zentrum der Aktivitäten Mohammeds und seiner Nachfolger zur Ausbreitung des Islam.
Mekka
Die Stadt Mekka im heutigen Saudi-Arabien liegt im Westen der arabischen Halbinsel in einer Entfernung von ca. 70 km zum Roten Meer. Aus muslimischer Sicht ist die heutige Provinzhauptstadt deshalb von Bedeutung, weil hier das Wirken des Propheten Muhammad seinen Ausgang nahm. Ab 610 begründete der Prophet in Mekka die erste muslimische Gemeinde. Die Vertreibung des Propheten und seiner Anhänger aus Mekka im Jahre 622 markiert den Beginn der islamischen Zeitrechnung. Im Innern der Großen Moschee von Mekka befindet sich das zentrale Heiligtum der islamischen Welt, die Kaaba. Ein Umstand, der die Stadt zum Zentrum der alljährlich stattfindenden Pilgerfahrt (hadsch) macht.
Michael Roman
Michael Roman (1924-1973)
Michael Roman studierte Naturwissenschaften, arbeitete als Lehrer an einer technischen Hochschule, dann als Übersetzer für Radio und Fernsehen und begann Ende der 1950er Jahre für das Theater zu schreiben. Roman war von der Idee eines avantgardistischen Theaters überzeugt, das nicht nur die Realität darstellt, sondern auch danach strebt, diese zu verändern.
Minarett
Minarett wird ein Turm genannt, der entweder Teil des Moscheegebäudes ist oder neben der Moschee steht. Er kann vom Muezzin (Gebetsrufer) genutzt werden, um die Menschen zum Gebet zu rufen.
Minarett-Referendum
Am 28. November 2009 stimmten die Schweizer mit 57 Prozent gegen den Bau von Minaretten in ihrem Land. Die Volksabstimmung war auf Initiative zweier rechtspopulistischer Parteien zustande gekommen. Zuvor hatten sie mehr als 100.000 Unterschriften gesammelt und so die Abstimmung durchgesetzt. Der Abstimmungs-wahlkampf wurde sehr provokativ geführt, unter anderem mit einem Poster, auf dem eine Frau im schwarzen Tschador vor einer Schweizer Fahne mit raketenähnlichen Minaretten zu sehen war. Bislang gibt es in der Schweiz lediglich vier Moscheen mit Minaretten. Die Initiative wird von internationalen Organisationen, darunter OSCE und Amnesty International, als rassistisch verurteilt.
Mirza Ghalib
Mirza Ghalib (1796 bis 1869) war der wohl bekannteste indische Dichter, der seine Werke in Urdu verfasste. Er lebte in Dehli und beschrieb sich selbst als „nicht so strenger Muslim". Indien widmete ihm einen Bollywood-Film und eine TV-Serie. Ebenso gab es in Pakistan Filme über seine Person. Seine Gedichte sind alle in die englische Sprache übersetzt.
Mogulherrscher
1526 besiegte Babur den letzten Herrscher des Sultanats von Delhi und begründete damit die Herrschaft der Moguln über Indien. Die Moguln führen ihre Abstammung auf die Mongolen zurück. In ihren Diensten standen aber auch Soldaten persischer, afghanischer und turksprachiger Völker. Die Amtssprache des Mogulreiches war Persisch, das später von Urdu abgelöst wurde. Die wichtigsten Höfe der Mogulkaiser waren in Delhi, Agra und Lahore (heute Pakistan) zu finden. Um 1700, als das Reich seine größte Ausdehnung hatte, umspannte es fast den gesamten Indischen Subkontinent und Teile des heutigen Afghanistans.
Die wichtigsten Mogulherrscher waren der Begründer der Dynastie Babur (1526-1530), sein Sohn Humayun (1530-1539 und 1555-1556). Dessen Sohn Akbar gilt als Vertreter der Hindu-Muslimischen Einheit. Ihm folgten Jehangir (1605-1627) und Shah Jahan (1628-1658). Mit dem Tod von dessen Sohn Aurangzeb (165-1707) endete die goldene Zeit der Mogulherrscher.
Das Mogulreich dauerte noch bis 1857, als der letzte Mogulherrscher von den Briten gefangen genommen und nach Burma verbannt wurde.
Mohamed VI.
Mohamed VI. (geb. 1973), seit 2000 König von Marokko, nannte bei seinem Antritt als Schwerpunkte seiner Regierung die Armutsbekämpfung, die Durchsetzung eines Rechtstaats und die Gleichberechtigung marokkanischer Frauen. 2002 sind bereits mehr als 30 Frauen im Parlament vertreten. Zur Eröffnung des marokkanischen Parlaments im Oktober 2003 unterbreitete er eine Reihe Gesetzesvorschläge, die für die islamische Welt revolutionär sind: marokkanische Frauen brauchen fortan keinen Vormund mehr, um zu heiraten; das Mindestheiratsalter wird von 15 auf 18 Jahre hinauf gesetzt; und künftig können Frauen selbst die Scheidung einreichen. 2004 setzte der König eine Wahrheitskommission ein, um die Menschrechtsverletzung unter der Herrschaft seines Vaters untersuchen zu lassen.
Mohammad Reza Pahlavi
Mohammad Reza Pahlavi (1919-1980) war von 1941 bis zu seinem Sturz durch die sog. Islamische Revolution 1979 Schah von Persien (heute: Iran). Er war 1941 auf Druck der Briten und Sowjets an die Macht gekommen, die seinen Vater vertrieben hatten. Mohammad Reza verfolgte eine autoritäre Politik und führte einschneidende wirtschaftliche Reformen durch. Die brutale Unterdrückung der Bürger, die Verfolgung von Intellektuellen und die Folterung von Oppositionellen durch den Geheimdienst führten 1979 zur Revolution. Dabei kam Chomeini an die Macht; der Schah musste fliehen.
Mohammed
Mohammed (ca. 570 - 632). Händler, Schiedsrichter und Religionsstifter. Laut Überlieferung empfing er über zwanzig Jahre lang regelmäßig göttliche Offenbarungen, die ihn als Prophet (Nabi) auszeichneten. Nach einer unglücklichen Zeit in Mekka, dessen Einwohner den Botschaften keinen Glauben schenkten, wurde Mohammed als Schiedsrichter nach Medina berufen. Dort leitete er die erste Gemeinde nach den Regeln der Offenbarung und gab ihr eine Ordnung. Die Offenbarungen wurden erst nach seinem Tod gesammelt, geordnet und aufgeschrieben (s. Koran).
Moses
Moses (arab. Musa) – eine Figur, die wir vor allem aus dem Juden- und Christentum kennen - gilt auch im Islam als Prophet, genauso wie Jesus oder Abraham. Parallel zum Propheten Mohammed hat auch er gegen Polytheisten gekämpft, musste vor deren Verfolgung fliehen und erhielt von Gott Offenbarungen. Er wird im Koran von allen Propheten am meisten erwähnt. Dort findet man dieselben Geschichten, die in der Bibel über ihn erzählt werden: u.a. seine Aussetzung als Findelkind im Binsenkörbchen auf dem Nil, die Verfolgung durch den Pharao, den Durchzug durchs Rote Meer und das Wunder (Speisung) in der Wüste.
mudaraba
mudaraba (arab.) „Spekulation". Abschluss eines gemeinsamen Geschäfts. Technischer Ausdruck aus dem islamischen Recht für eine bestimmte Form des Geldgeschäfts.
Mudschaheddin
Mudschaheddin (arab.: „die den Dschihad ausüben") sind muslimische Glaubenskämpfer. In Afghanistan organisierten die Mudschaheddin den muslimischen Widerstand gegen die kommunistische Regierung, die von der Sowjetunion nach ihrem Einmarsch 1979 eingesetzt wurde. 1992 übernahmen die Mudschaheddin die Macht in Kabul, zersplitterten aber bald in viele rivalisierende Gruppierungen. Unter der Taliban-Herrschaft floh ein Teil der Mudschaheddin in die Nachbarländer, ein Teil schloss sich der gegen die Taliban gerichteten Nordallianz an.
Mufti
Mufti (arab.) „Rechtsgutachter". Islamischer Gelehrter, der religiöse Rechtsgutachten (Fatwa) erstellt.
Muhamed al-Ghazali
(Abu Hamid Muhammad al Ghazali) gest. 1111. Islamischer Theologe Philosoph und Mystiker. Als Philosoph ist er für die Einführung der aristotelischen Logik in die islamische Theologie berühmt. Ferner ist er bekannt für seine Philosophie des Skeptizismus, in der er Zweifel gegen den Wahrheitsanspruch setzt.
Muhammad Ali
Muhammad Ali (1769-1849) war ursprünglich einfacher albanischer Söldner im Dienste des Osmanischen Reiches, der dank seiner militärischen Fähigkeiten schnell aufstieg. 1799 befehligte er die osmanische Armee während deren erfolglosen Versuches, Napoleons ägyptische Expedition zu verhindern. 1805 wurde er Vizekönig von Ägypten und zwang die britischen und französischen Armeen zum Abzug. Muhammad Ali machte Ägypten weitgehend unabhängig vom Osmanischen Reich. Er reformierte die Armee nach französischem Vorbild und baute eine moderne Verwaltung und eine moderne Wirtschaft auf. Er gilt bis heute in Ägypten als Held und Begründer des modernen Nationalstaates.
Muhammed Ibn Ishaq
Muhammed Ibn Ishaq, geboren 704 in Medina, gestorben 768 in Bagdad, war ein Historiker. Bereits hundert Jahre nach Mohammeds Tod sammelte er alle verfügbaren Quellen über das Leben des Propheten des Islam und stellte daraus die früheste Biographie Mohammeds zusammen: As-Sira an-nabawiya, „Das Leben des Propheten“. Andere Werke von ihm sind: „Das Buch der Feldzüge“, „Das Buch der Geschichte der Kalifen“ sowie „Das große Buch“. In letzterem beschrieb er, ganz im Stile der klassischen Historiker, die Geschichte der Menschheit seit der Schöpfung. Neu daran war die Stoßrichtung: Ibn Ishaq ordnete das Auftreten sowie die Botschaft Mohammeds in die allgemeine Geschichte ein.
Mullah
Ein Mullah (persisch: „molla“) ist ein islamischer Gelehrter, Lehrer, Prediger und Geistlicher niederen Ranges oder Theologiestudent. Das Wort leitet sich ab vom arabischen „maula“ (Patron, Herr) und ist eine Anrede, die etwa dem deutschen „Hochwürden“ entspricht.
murabaha
murabaha (arab.) „Wiederverkauf mit Gewinn". Die Bank fungiert als Zwischenhändler. Technischer Ausdruck aus dem islamischen Recht für eine bestimmte Form des Geldgeschäfts.
muscharaka
muscharaka (arab.) „Teilhaberschaft". Zusammenführen von Kapital und Arbeit; technischer Ausdruck aus dem islamischen Recht für eine bestimmte Form des Geldgeschäfts.
Muslimbruderschaft
Die Muslimbruderschaft wurde im Jahr 1928 von Hasan al-Banna (1906-1949) in Ägypten gegründet. Die Bewegung der Muslimbrüder strebte und strebt nach einem politischen Islam an dessen Ende ein von religiösen Prinzipien bestimmter Staat stehen soll. Als im Jahr 1948 ein Mitglied der Muslimbruderschaft den damaligen ägyptischen Premierminister ermordete, und es auch in der Folgezeit zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht kam, wurde die Organisation in Ägypten offiziell für illegal erklärt. Die Bewegung hörte allerdings nie auf zu existieren und repräsentiert heute die bedeutendste Oppositionsbewegung des Landes, die neben ihren politischen Aktivitäten auch zahlreiche Wohltätigkeitsorganisationen unterhält. Trotz staatlicher Eingriffe in den Wahlprozess konnten bei den Parlamentswahlen von 2005 der Muslimbruderschaft nahe stehende unabhängige Kandidaten insgesamt 21 Prozent der Parlamentssitze erringen. Das Netzwerk der Muslimbrüder ist keineswegs auf Ägypten beschränkt, sondern erstreckt sich über die gesamte arabische Welt.
